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Der Israelit · 1893-10-19 · Heft 83 (19.10.1893) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 83 (19.10.1893)
Date
1893-10-19
Page
– (sequence 21)
Language
German
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basQÜW WrthodM KuderrthumÄ rCWVA O S E S \fis 19. Okt. 1893] IN». 19. rsm Äi^iCßM mdi'-ZL. Inhalt Familie und Schule. Von M. Rosenwald, Iserlohn. — Alterprobte Lehren für Eltern. — Au8 Stadt und Land: Mainz. Gronau. — Büchermarkt. *)$•■ Familie und Schule. Von M. Rosenwald, Iserlohn. Es gab wohl kaum eine Zeit, in welcher man von allen Seiten das Augenmerk niehr auf die Schule im Allgemeinen und die jüdische im Besonderen gerichtet hätte, als in der gegenwärtigen. Wer kennt nicht die vielen Ansprüche, die man an die Schule stellt, die größten Erwartungen, die man von ihrer Wirksamkeit hegt. Da wird von dem jüdischen Lehn r verlangt, daß die seine Schule besuchenden Kinder sowohl in den profanenals auch in den religiösen Wissenschaften gut vorbereitet werden, trotz der wenigen Stunden, die ihm für letztgenannte Gegenstände zugemessen sind. Aber als bloße Unterrichtsanstalt vermag die Schule nicht allen den an sie gerichteten Ansprüchen zu genügen, und die Erfolge ihrer Wirksamkeit werden weit hinter den bedeutsamen Erwartungen Zurückbleiben, wenn sie nicht in dem erziehlichen Einflüsse unterstützt wird. Nicht vom Unterrichte allein, sondern von der Erziehung, besonders der in der Familie, hängt das Wohl des Menschen ab, und für die gedeihliche Erziehung des Menschen zum Menschen, zum getreuen, anhänglichen Mitgltede der jüdischen Religionsgesellschaft soll die isr. Schule ihre ganze Kraft einsetzen. Nach dieser Seite hin unterstützt sie dann auch die Absichten der guten, frommen Eltern, aus ihren Kindern gute, verständige, sittlich-religiöse und glückliche Menschen heranwachsen zu sehen. Und um diesen Preis darf wohl weder den Eltern, noch den Lehrern etwas zu hoch stehen. Eine große Kunst und eine schwere Ausgabe ist es, diesen Zweck zu erreichen, aber sie wird ihre Lösung finden, wenn unsere Kinder schon in der frühesten Jugend zur Gottesfurcht und zum Gehorsam erzogen werden. Allein nicht durch mechanisches Abrichten zu äußeren Manieren, nicht durch Vorlehren, sondern durch das eigene Beispiel der Eltern und Erzieher: durch wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit kann dies geschehen. Den Augen des Kindes ist auch der Schein nicht verborgen. „Was kein Verstand der Verständigen sieht, das ahnt im Geist ein kindlich Gemütb" — findet auch hier seine Anwendung. Das Beispiel wirkt mächtiger als aller Unterricht, als jede Anweisung und Ermahnung. Wären Eltern und Erzieher nur in dieser Erkenntniß und deren gewissenhaften Beachtung einig, dann wäre unserer Jugenderziehung geholfen, dann würde der Segen liebevoller und ernster Zucht überall erblühen. Die fast aller Orten laut werdenden Klagen über den sittlichen Verfall, über Rohheit und Entartung der Jugend werden binnen Kurzem verstummen, wenn Familie und Schule, oder Eltern und Lehrer in Uebereinstimmung nach diesen Zielen streben und sich zu dem segensreichen Werke treulich die Hand bieten. Es ist überaus wichtig, welche Stellung Haus und Schule bei dem gemeinsamen wichtigen Geschäfte der Jugenderziehung zu einander einnehmen. Soll aus unseren Schülern eine wohlgeartete, religiös-brave Jugend hervorgehen, die den Eltern, den Gemeinden und dem Staate zur Ehre heranwächst, so wird dies nur durch gegenseitige Hülfeleiftung der häuslichen Erziehung und des Unterrichtes verwirklicht werden können. Selbst wenn das Familienleben auch nicht immer den Schulunterricht zu fördern vermöchte, so hat das weniger zu bedeuten, als wenn der häusliche Einfluß die Zwecke der Schule hindert oder gar ihn niederreißt.

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