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Der Israelit · 1893-10-19 · Heft 83 (19.10.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 83 (19.10.1893)
Date
1893-10-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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- ■■ - - ' > '-V --'„T 1570 beugte er sich die schimmernde Stirne zu küssen. „Mein, mein auf ewig!" Als Tante Golde wieder in's Zimmer trat, gefolgt von Dore, die eine Weinflasche und Gläser trug und nun endlich die Mahlzeit begann, wunderte sie sich im Stillen, wie wenig der junge Mann, der doch gefüllte Hechte so sehr zu lieben schien, aß, und wie gesund und rosig plötzlich ihr Marthchen aussah. Ais aber das Essen beendet war, Dore den Tisch abgeräumt hatte, und nun Herr Assessor Schulz, Martha an der Hand, zu ihr trat, für seine Braut und sich um ihren Segen zu bitten, da saß sie erst starr wie ein Bild von Stein, ein sehr voluminöses freilich, und dann weinte sie so anhaltend und bitterlich, daß die Beiden Mühe hatten, sie zu beruhigen. Noch lange saßen die drei glücklichen Menschen zusammen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft plaudernd. Letztere lag wohlgeordnet vor dem jungen Paare. Der Assessor gab am heutigen Tage seine Richterlaufbahn auf und übernahm die Advokatur eines alten Onkels, der sich zur Ruhe setzte, in derselben Stadt, wo Martha das Seminar besucht, sobald wie möglich wollte er die Geliebte heimführen. „Und bei Ihnen, liebe Tante", meinte er, „lassen wir keine Sehnsucht aufkommen. Ich bringe Ihnen mein Weibchen, so oft Sie wollen, wenn Sie es nicht vorziehen, ganz bei uns zu leben." Sie schüttelte den Kopf und wehrte die liebliche junge Braut ab, die sie bittend umschlang. „Hier bin ich geboren, hier will ich sterben und bis das geschieht will ich Gott, gepriesen sei er, täglich danken für das Glück, daß er geschickt hat meinem Kind." Sie hob den Blick inbrünstig zur Decke: Dein Name sei gelobt in Ewigkeit, der Du bist in Wahrheit ein Vater der Wittwen und Weisen!" ^: Ich will nicht versuchen die Aufregung zu schildern, die Martha Friedheims Verlobung im Städtchen erregte, es wäre das ein Unterfangen, dem meine schwache Feder keineswegs gewachsen ist. Nur so viel, daß man zwei Tage nach dem eben Erzählten, um die neunte Morgenstunde — das Wochenblatt für Stadt und Umgegend war soeben erschienen — an das Ausbrechen einer Revolution denken konnte: soviel laute Zurufe erschallten aus den weitgeöffneten Fenstern, soviel eilige Menschen liefen über die Straße, soviel aufgeregte, heftig gestikulircnde Gruppen standen beisammen, soviel erhitzte Gesichter und blitzende Augenpaare erblickte man. Und immer war das Wochenblatt dabet, von Hand zu Hand wandernd; hier dicht an ein paar kurzsichtige Augen gedrückt, dort mit ausgeftrecktem Arm weitab gehabten; hier zerknittert vor maßloser Ueberraschung, dort als Triumphfahne hoch in die Lust geschwenkt. Dabei war das Blättchen so harmlos wie immer, nur auf der letzten Seite, unter der Rubrik: Familtknnachrichten, stand — und ich will nicht verfehlen auf das elegante Hochdeutsch besonders aufmerksam zu machen — Folgendes: „Die Verlobung meiner PflegetochterMartha Friedheim mit dem Herrn Rechtsanwalt Dr. Ludwig Schulz erlaubt sich statt jeder besonderen Meldung ganz ergebenst anzuzeigen Frau Goldine Finkelstein, geb. Löwenthal." Der .Israelit^ erscheint wöchentlich zweimal, MonragS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 13 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig. halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch -e« Kuchhan-et 1« bestehe» bet S. $. Ktetnacker, Leipzig, Kotzplah IS. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland m»d Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von au die Redaction eingesandten Manuscripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalte«. Inhalt <Hanptvtatt): bettender Artikel: Seid einig in der Bekämpfung Eurer Feinde! — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Zabrze. Bromberg. Fürth. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Pest. Budapest. Krakau. Nagy-Karoly. — Rußland: Petersburg. - Marecco: Mogador. - Vermischies. — Feuilleton: Taute Golde. Novelle von R. Litten (Schluß). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die jüdischen Börsenhändler und das Schächiverbot in Sachsen. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Belgien: Antwerpen. — Rußland: Warschau. — England: London. — Italien: Livorno. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Ein Nothschrei aus London. — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. — Vermischtes. Pädagogische Beilage. _Anhalt der Extra Beilage: Spendende, reichuisse._ Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. Expedition des „Israelit", Schotistraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckcrei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage«.

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