Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1893)
- Date
- 1893-10-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1566 das Heimathsgesetz strenge durchgeführt, eventuell entsprechende weitergehende legislative Verfügungen getroffen würden. Budapest, 14. October. Der Gesetzentwurf über die Reception der Juden wurde vom Unterrtchtsausschuffe des Abgeordnetenhauses, welcher mit der Vorberathung dieser Vorlage betraut wurde, in seiner heute Abends abgehaltenen Sitzung mit großer Majorität zur Grundlage der Special- Debatte angenommen und die letztere auf Montag verschoben. Im Laufe der zweitägigen Debatte haben sich die Vertreter aller Parteien des Hauses mit der größten Wärme für die Annahme des Gesetzentwurfes ausgesprochen und denselben als die eigentliche Vollendung der schon im Jahre 1868 gesetzlich durchgeführten Emancipation der Juden bezeichnet. Nur zwei Mitglieder des Ausschusses, welche katholische Geistliche sind, verhielten sich ablehnend gegen den Entwurf, aber keinesweges, um den Juden die Reception vorzuenthalten, welche auch von diesen priesterlichen Vertretern als eine Nothwendigkeit und als ein Act der Gerechtigkeit bezeichnet wurde, sondern weil in dem Entwürfe zugleich die Reciprocität zwischen allen Confessionen normirt und der Uebertritt vom Christenthum zum Judenthum gestattet wird. Selbst in den Bemerungen jener Abgeordneten also, welche sich kraft ihrer Stellung in der katoltschen Kirche gegen das Gesetz erklären mußten, war keine Spur von anttsemitischen Tendenzen zu entdecken, vielmehr stellten auch sie sich auf den Standpunkt der vollen Gleichberechtigung für die Juden. Die von einem Mitgliede der Unabhängigkettspartei gestellte Forderung, daß die Juden verhalten werden, vor der Reception die Dogmen ihres Glaubens zu unterbreiten, wie dies seinerzeit von den Protestanten verlangt wurde, hat der Ausschuß nach dem Hinweise des Cultusministers abgelehnt, daß die Juden seit vielen Jahrhunderten im Lande leben, mit der Regierung als Corporation verkehren und man durch diese Forderung nur an den Tag legen würde, daß man bisher eigentlich nicht gewußt habe, mit wem man verkehrt habe. Ueberhaupt trat Cultusminifter Graf Esaky allen Einwendungen in einer sehr warm empfundenen Rede entgegen, welche vom Ausschüsse mit lebhaftem Beifalle begleitet wurde. Der Minister führte den Nachweis, daß die Reception nur die gesetzliche Sanction des thatsächlich bereits seit vielen Jahren bestehenden Zustandes bedeute. Es handle sich um eine gesetzliche Verfügung, welche bereits in ganz Europa in Geltung stehe und mit welcher Ungarn unmöglich Zurückbleiben könne. Der Minister freute sich, constatiren zu können, daß gegen den Grundgedanken des Gesetzes überhaupt keine Einwendung erhoben wurde. Die weiteren Ausführungen des Ministers waren der Entkräftung der sonst vorgebrachten Einwendungen gewidmet. Krakau, 8. Oktober. Die Petition der hiesigen Gewerbegenossenschaft der Fleischer an die Statthalterei in Lemberg, daß die Regierung ihren Auftrag, die jüdischen Fleischer in die Genossenschaft auszunehmen, zurückziehen möge, weil dadurch der „katholische Character", den die Genossenschaft bisher gehabt, eingebüßt würde, wurde von der Regierung abschlägig beschieden, weil die Genossenschaft eine wkrthschaftliche. aber keine religiöse Institution sei, somit kein Grund vorltege, eine gewisse Klasse von Gewerbetreibenden auszuschließen. Nagy-Karoty, 11. Okt. wtJ'wi may r6sa Ich habe Ihnen heute einen großen Verlust zu melden, den nicht nur unsere Gemeinde, sondern das gesammte strenggläubige Judenthum erlitten hat. Im vergangenen Monate Tischri ist unser Stolz und unsere Zierde pmri «ras pwn nn r6un -iindi o-iyan nj Rabbi Meir Perles von uns genommen worden Q'pbn in1« o imw. Im Alter von neunzig Jahren wurde dieser große Mann, der eine Stütze und eine Säule des ungarischen Judenthums war, von uns genommen und ließ er uns verwaist und ohne Führer zurück. Rabbi Meir Perles war ein prnrn no^n vom onrt Tod, dessen Liebltngsschüler er war und der oft gesagt hatte, Meir Perles wird noch einmal ein sein, und diese Prophezeiung ist auch richtig in Erfüllung gegangen. Der Verstorbene war einer der größten Talmudisten Ungarns und aus den entlegensten Gegenden unseres Vaterlandes wandte man sich mit Anfragen an ihn. Dabei hat er auch eine große Jeschibah gehalten, um so nach Kräften ^mtpo mm p:na zu sein. Als der ungarische Cultusminifter, Baron Eötvös, 1868 den jüdischen Kongreß nach Budapest etnbertef, da nahm auch der Verstorbene, obwohl er damals schon im hohen Greisenalter stand, ein Deputirten - Mandat an, um auch in dieser Versammlung für unsere heilige Thora einftehen zu können. Sein Begräbniß gestaltete sich daher zu einer allgemeinen Trauer für die Juden Ungarns, da sie wohl wissen, was sie an Rabbi Meir Perles verloren haben. Diese Trauer ist um so größer, weil wir wissen, daß es fürden Verstorbenen schwer einen Ersatz gibt, inmiDvin ypb iVti:6 rasre Di^tea zoten iod nnuo Vom. Rußland. Aus Rußland, 4. October. Als im vorigen Jahre der Domänenminister den Süden Rußlands bereifte, besuchte er unter andern auch die jüdischen Ackerbau-Colonien und erklärte später, sie in ganz vortrefflichem Zustande befunden zu haben. Damit