Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1893)
- Date
- 1893-10-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1565 \ r- 1 tl ■ und entrüstete sich stürmisch über die Enthüllung, daß der hiesige Oberpostdirektor mit dem Bankier Schwabach verwandt sei. Zabrze, 16. October. Herr Dr. T. Lewenstein wurde einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Derselbe hat seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten. Bromberg, 18. October. Während der Anwesenheit des Erzbischofs Dr. von Stablew ski in hiesiger Stadt nahm auch Herr Rabbiner Dr. Walter Gelegenheit, sich dem hohen Ktrchensürsten vorzustellen. In der Unterhaltung kam die Rede auf den Antisemitismus, und der hohe Gast wies darauf hin, daß er von dem Augenblick an, als er sein erzbischöfliches Amt angetreten, seine Aufmerksamkeit auch den Strömungen auf den verschiedenen konfessionellen Gebieten zugewandt habe. Wie er jeden konfessionellen Parteihader hasse, so auch insbesondere den Antisemitismus. Unsere Religionen, führte er aus, sind ja nahe verwandt, und um so mehr haben wir Ursache, den Frieden unter den Konfessionen zu pflegen. Er sei stets darauf bedacht, das gute Einvernehmen zwischen den Anhängern der verschiedenen Religionen nicht nur zu erhalten, sondern zu vervollkommnen, und freue sich, daß gerade diese Stadt eine Stätte des religiösen Friedens sei. Fürth. Am vergangenen ta"’y, vor Eingang des Sukkoth-Festes, wurde die brave, fromme, edle Frau Bertha Sch warz, Gattin des allgemein wett und breit rühmlichst bekannten Herrn Lazarus Schwarz zu Nürnberg, leider nur viel zu frühe zur ewigen Ruhe bestattet. Die Waisenknaben und Mädchen der Waisenanstalt zu Fürth gingen als Leidtragende hinter der Bahre. Der Ausdruck des Kummers und des Schmerzes lag auf dem Gesichte eines jeden Waisenkindes; denn sowie Herr Lazarus Schwarz als der zweite Vater aller Waisen Bayerns im edelsten Sinne des Wortes zu betrachten ist, so war dessen fromme Gattin, Frau Bertha Schwarz, die zweite Mutter der Waisen. Daß schon eine lange Reihe von Jahren kein Aufnahmsgesuch eines Waisen zurückgewtesen werden brauchte, war nur der Wohlthätigkeit dieses edlen Ehepaares, Herrn Lazarus und Frau Bertha Schwarz zu verdanken. Dort, wo die Finanzen der Anstalt nicht ausreichten, um alle Gesuche berücksichtigen zu können, konnten solche auf Kosten des Herrn Lazarus und Frau Bertha Schwarz ausgenommen werden. Als sich der Mangel einer Mädchen-Waisenanstalt immer mehr fühlbar machte, gründete dieses wohlthätige Ehepaar, anschließend an die Knaben- Waisenanstalt, auch eine Mädchen Waisenanstalt mit einem Kapitale von 100,000 M. Da aber von diesem Kapitale über 30,000 M. zu Baukosten verwendet werden mußten, so reichten die Zinsen des Kapitals nicht aus, um alle sich anmeldende Waisenmädchen aufnehmen zu können. Um auch kein Waisenmädchen - Gesuch zurückweisen zu brauchen, zahlte Herr Lazarus Schwarz die Unterhaltungskosten jahrelang für 4 Waisenmädchen. Außer noch vielen anderen Vermächtnissen bestimmte Frau Bertha Schwarz n"y für alle Waisen der Anstalt Fürth, deren jetzt 68 in der Anstalt sich befinden, für jedes Waisenkind je 100 M. die verzinslich angelegt werden müssen und im 21. Lebensjahre jedem Kinde ausbezahlt werden sollen. An dem ungemein großen Leichenbegängnisse konnte man sehen, was Frau Bertha Schwarz der Welt galt und wie dieser herbe Verlust allgemein empfunden wird. rvawn Möge ir’ffn deren wohlthättgen, edlen Gatten Herrn Lazarus Schwarz b'jp hnö iy recht gesund und wohl erhalten, um noch recht viel Gutes und Edles in Israel wirken zu können! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Gegen den Antisemiten Schneider wurde eine strafgerichtliche Untersuchung wegen einer Aeußerung in einer Versammlung der Kremster über Schntzgeld für Juden etngeleitet. Wien, 17. Okt. (Abgeordnetenhaus.) In der heute fortgesetzten Debatte über den Ausnahmezustand in Prag sagte der Antisemit Schneider, an dem Ausnahmeszustand seien die Juden schuld. Er sei vom Ritualmorde in Kolin überzeugt. Der Präsident ruft ihn zur Ordnung wegen Beschuldigung der jüdischen Confession. Schneider beantragt, den Ausnahmszustand mit Hinsicht auf die Christen auszuheben und für Juden fortbestehen zu lassen. (Stürmisches Gelächter.) Der Präsident erklärt, dieser Antrag entspreche nicht der Würde des Hauses und sagt zum Diener: „Geben Sie den Antrag dem Herrn zurück, da bei der ersten Lesung keine Anträge gestellt werden dürfen!" (Lebhafter Beifall.) Lueger ruft dem Präsidenten zu: „Man sagt nicht: dem Herrn, sondern: dem Herrn Abgeordneten!" Der Präsident erwiedert: „Von Ihnen, Dr. Lueger werde ich mich nicht belehren lassen!" (Stürmischer Beifall.) Es gab dann noch mehrere Zusammenstöße zwischen Schneider, Lueger und Bloch. Pest, 16. Okt. Der Unterrichtsausschuß des Abgeordnetenhauses nahm heute in der Spezialdebatte den Gesetzentwurf an, betreffend die Rezeption der Israeliten und beschloß, in dem dem Hause vorzulegenden Berichte die Regierung darauf aufmerksam zu machen, es wäre mit Rücksicht auf die massenhafte Einwanderung aus dem Auslande auch im Interesse der Israeliten wünschenswerth, wenn