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Der Israelit · 1893-10-19 · Heft 83 (19.10.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 83 (19.10.1893)
Date
1893-10-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1564 den Antisemitismus Hineintrieben, referirte das Lokalblatt scheinbar objektiv darüber, brachte aber am Schluffe seines Berichtes die charakteristische Bemerkung: „Die „Frankfurter Zeitung" berichtet, daß dies mit Begeisterung geschah." Auf der ersten Seite werden Artikel aus den sog. Judenblättern wörtlich ohne Quellenangabe abgedruckt, auf der zweiten Seite heißt es, eine gewisse Presse, gewisse Leute machen sich mißliebig, indem sie das oder jenes thun, und das merkt leider ein großer Theil unserer Glaubensgenossen nicht. Die Beispiele ließen sich bis ins Unendliche vermehren; doch genug davon. Wir wollten nur eine „gewisse" Presse schildern, die das antisemitische Gift ihren Lesern unbewußt einträufelt und die unbegreiflicher Weise durch jüdisches Geld gefördert wird. Diese Presse zu bekämpfen, ist Pflicht des Judenthums, sie unterstützen, ist so gut wie Selbstmord. Vor der offen antisemitischen Presse mit ihren Tabellen christlicher Kaufleute bedarf es keiner Warnung, diese kennzeichnet sich selber zur Genüge. Aber die versteckt antisemitische Presse, die ist es, vor der endlich einmal gewarnt werden muß. Von diesem Gedanken geleitet, entschlossen wir uns auf mannigfache Anregungen sowohl aus unserem Leserkreise heraus, wie auch auf Veranlassung von der Abwehr gewidmeten Zusammenkünften hervorragender Glaubensgenossen ein Verzeichniß solcher Zeitungen zu veröffentlichen, die weder direkt noch indirekt den Antisemitismus unterstützen. Was geschieht nun? Während die nichtjüdischen Zeitungen in erdrückender Majorität unserer Absicht sympathisch gegenüberstehen, während es uns schon in einerganzen Reihe von Fällen gelungen ist, jüdische Inserenten von antisemitisch versäuchten Blättern ab- und zu neutralen oder philosemitischeu hinzubringen, während wir die Klagen und Wünsche vieler judenfreundlichen Blätter gegenüber unseren Glaubensgenossen auf die eine oder andere Weise zur Kenntniß brachten und so auf beiden Seiten Zufriedenheit herstellten, erschallten aus dem jüdischen Lager vereinzelte Stimmen, die diese Sache zu perhorresciren suchen. Die „Mittheiluugen des Vereins zur Abwehr oes Antisemitismus" drucken einen Artikel gegen uns in dieser Angelegenheit aus den Münchener „Neuesten Nachrichten" ab, demselben Blatte, das in seiner Nummer vom 12. October ein „Schächtverbot für das ganze deutsche Reich" dringend verlangt. Wahrlich, wenn die „Mittheilungen" den Antisemitismus nicht besser abwehren können, als indem sie eine vielseitig anerkannte Abwehrmaßregel Arm in Arm mit den „Neuesten Nachrichten" und der „Staatsbürger- Zeitung" 2C. Herunterreißen, dann wäre es klüger, die Tausende von deutschen Juden verlangten von dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus", daß ihre Beiträge andere Verwendung finden, als zur Unterstützung der „Mittheilungen." Einigkeit im Punkte der Bekämpfung des Antisemitismus ist dringendes Gebot aller Glaubensgenossen, mögen ihre religiösen, politischen und sonstigen Ansichten auch noch so weit auseinandergehcn. Allen Recht machen, kann es Niemand. Wenn Einem deßhalb eine Maßnahme einmal nicht gefällt, so darf er dieselbe nicht gleich öffentlich bekämpfen, weil er ihre Nothwendigkeit nicht sofort erkennt! Er darf nicht den Antisemiten gewissermaßen damit sagen, was wollt Ihr von mir? Ich habe mich an dieser Sache nicht betheiligt, schimpft doch auf die Juden, die das unternommen haben. Die Antisemit^ werden Euch schon bet einer anderen Angelegenheit anzupacken wissen, Ihr aber übet Hochverrath, indem Ihr dem Feinde im Schlachtgetümmel zuruft: „Schieße nicht auf mich, ich habe dich nicht angegriffen, der da ist es gewesen!" statt sich in die Reihe zu stellen und wacker mitzukämpfen. Wird nicht der Andere ermattend den Arm sinken lassen, wenn er sieht, wie er rechts und links verrathen wird und wird er nicht, wenn du angegriffen wirst, sich ebenfalls zurückziehen? Deßhalb: Einigkeit im Kampf gegen den gemeinsamen Feind. ZetirrrrgSrrachrichterr ttttfe Vorrespou-euzerr. Deutschland. Berlin, 13. Oct. Der deutschsoziale Verein des vierten Wahlkreises hat in einer Petition das Staatsministerium ersucht, die Gründe zu veröffentlichen, nach denen Paasch in Untersuchungshaft genommen und einer Irrenanstalt überwiesen wurde. Gleichzeitig wird die Entlassung Paasch's verlangt. Berlin, 17. Okt. Zu Enthüllungen von großer Tragweite, die eine große Gefahr für das Vaterland bedeuten, hatte durch Säulenanschlag der zeitweise untergetauchte Antisemit Pickenbach offenbar in geschäftlicher Vertretung seines bekanntlich verhinderten Freundes Ahlwardt gegen 20 Pfg. Entröe zu gestern Abend alle Deutschen eingeladen. Die nicht allzuzahlreich Erschienenen erlebten für ihr Eintrittsgeld eine Enttäuschung, denn Pickenbach, statt etwas zu enthüllen, sprach über die Steueipläne ungereimtes Zeug und verlangte Emissionssteuer, Verbot der ausländischen Anleihen zu höheren als dem landesüblichen Zinsfuß und erzählte, daß im Interesse des Judenthums eine Retchsanleihe geplant sei. Von Tabak und Wein dürsten nur die theueren Sorten besteuert werden. Schließlich nahm die Versammlung eine Resolution an, die den Reichskanzler ermahnt, sich ' nach Pickenbachs finanzpolitischen Ansichten zu richten

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