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Der Israelit · 1893-10-19 · Heft 83 (19.10.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 83 (19.10.1893)
Date
1893-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. M 83. Der Israelit. Sta KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Judentum. Begründet don Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, den IS. Oktober 5654 (1895). Leitender Artikel. Seid einig in der WeKämpfung Eurer Aeinde! Mainz, 16. October. „Es ist doch ganz merkwürdig", sagte jüngst ein vornehmer Staatsbeamter zu dem Leiter dieser Zeitschrift, „daß Ihr Inden es so schlecht versteht, Eure Vertheidtgung zu führen", und als ich die Achseln zuckte, da ich nicht recht wußte, was ich darauf erwidern sollte, fuhr er fort: Ich will Ihnen sagen, woher das kommt: es ist die innere Uneinigkeit der Juden, die ein gemeinsames Vorgehen nicht zu Stande kommen läßt. Während die Antisemiten nach Außen hin uneinig scheinen und es auch vielfach sind, sind sie im Innern doch insofern einig, als sie allesammt nur das eine Ziel und Streben haben: Die Vernichtung des Judenthums. Wenn aber irgend ein Jude oder eine jüdische Vereinigung irgend eine Abwehrmaßregel ergreift, dann sind gleich so und so viel andere Juden bet der Hand, die die ergriffene Maßregel nicht laut genug verurteilen können. „Es fördert nur den Antisemitismus", sagt der Eine, „es ist nicht nöthig", sagt der Andere. Daß dieser Herr Recht hat, haben wir in jüngster Zeit an einer von uns eingeleiteten Abwehrmaßregel erfahren. Unser allergefährltchster Feind unter den Antisemiten ist derjenige, der als unser Freund erscheint, um dann in geeignetem Moment die Sammetpfötchen in Katzenkrallen zu verwandeln. Derartige heimtückische Feinde sind am allermeisten unter der deutschen Lokalpresse vertreten. So ist beispielsweise in einer unserer Nachbarstädte ein weitverbreitetes Lokalblatt mit angeblich hoher Auflage, das seine größten Einnahmen aus jüdischen Inseraten zieht. Dieses Blatt treibt den schlimmsten Antisemitismus und zwar so geschickt, daß es die große Masse der Inserenten nicht merkt. Nur einige kleine Beispiele: In dem Verlage der von dem bekannten Antisemiten Fritsch herausgegebenen Deutsch- Socialen Blätter erschien ein Band Gedichte von Liebermann von Sonnenberg. Dieses Buch wird in dem genannten Blatte mit den begeistertsten Worten besprochen und allen Lesern auf das Angelegentlichste empfohlen. Nun könnte man annehmen und die meisten jüdischen Leser der betreffenden Zeitung haben dies wohl auch angenommen, daß dies noch nicht so schlimm sei, denn schließlich könne ja auch ein Antisemit ganz harmlose Gedichte machen und diese zu empfehlen, sei kein Staatsverbrechen. Wir haben uns aber das Buch kommen lassen und ersehen aus demselben, daß es von den unfläthigsten und gemeinsten Ausfällen gegen Juden und Judenthum wimmelt. Einige hundert «separar- Abdrücke der Empfehlung in dem genannten Blatte erhielten wir gratis zur Verbreitung zugeschickt, die Empfehlung eines Blattes also, das sein Dasein hauptsächlich durch jüdische Annoncen fristet. Ein Hauptcoup des erwähnten Blattes ist es, daß es mit Vorliebe solche Angriffe auf das Judenthum sammelt und berichtet, die aus jüdischen und judenfreundlichen Kreisen „als berechtigte Klagen über Mtßstände im eigenen Lager" von Zeit zu Zeit erschallen. Bet Abdruck derartiger Dinge kann man nach Herzenslust Antisemit sein und hält sich dabei doch den Rücken hübsch frei. Denn bei dem leisesten Vorwurf von jüdischer Seite antwortet man: Was wollen Sie denn von uns? Die „Frankfurter Zeitung" hat diesen Mißstand ja gerügt! Oder: Das ist ja wörtlich aus den „Mitteilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" entnommen! Als Herr Dr. Rahmer in Magdeburg es für gut fand, in seiner „Israelitischen Wochenschrift" einige Taktlosigkeiten des „Berliner Tagblatt" bloszustellen, war das gekennzeichnete Blatt eines der ersten, das die betreffenden Artikel der ganzen Breite nach mit viel Behagen zum Abdruck brachte und von da gingen sie durch die gesammte meuchlerische antisemitische Presse. Als die konservativen auf Ttvoli mit erhobenen Fahnen und klingendem Spiel in

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