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Der Israelit · 1893-10-16 · Heft 82 (16.10.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 82 (16.10.1893)
Date
1893-10-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1550 ungewöhnlichen Anzahl von Bittstellern in Anspruch genommen. Es bedurfte bei der allgemeinen Sympathie, welche die Anstalt in allen Schichten der Gesellschaft besitzt, nur eines kurzen Hinweises damit das am 9. Oktober im Saale der Philhar monte ftattgehabte große Künstler-Konzert, dem die erlesensten Kräfte ihre Mitwirkung zur Verfügung gestellt haben, und dessen Ertrag dem ferneren Wirken und Gedeihen der Volksküche zu Gute kam gut besucht wurde. Berlin, 4. Oktober. Der erste Preis für die beste Biographie Goethes wurde dem Prwatdozenten der hiesigen Universität, Herrn Dr. Richard M. Meyer zuerkannt. Dr. Meyer, ein Schüler von Wilhelm Scherer, ist Privatdozcnt für deutsche Sprache und Literatur an der Berliner Universität. Man verdankt ihm werthvolle literarhistorische Untersuchungen. Berlin, 10. October. Der soziale „Vorwärts" schreibt: (Antisemitische Htrnerweichung.) Die „Kreuz-Ztg." läßt sich aus Paris berichten: Drumont veröffentlicht in der „Ltbre Parole" eine Reihe von Aufsätzen über den „Sozialismus und die Juden". Folgende Stelle daraus ist wenigstens für französische Zustände, — wohl auch für deutsche — bezeichnend genug: Die Juden, welche die Führung der sozialistischen Partei übernommen haben, lenken fortwährend das Gespräch auf die Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sie schüren eifrig den Haß zwischen ihnen, lassen aber die hohe Bank, die große jüdische Finanz, welche der verkörperte Kapitalismus ist, und alle Ausbeutung in sich zusammenfaßt, sorgfältig bei Seite. Sie sprechen fortwährend von einem ehernen Lohngesetz, das nicht existirt, aber sie sprechen niemals von dem des Goldes, das in der Frist von kaum einem Jahrhundert die Früchte der Arbeit eines ganzen Volkes in wenigen Händen vereinigt hat. . . ." Das nationalökonomische Blech, das der antisemitische Jrrenhauskandidat Drumont hier zu Tage fördert, lassen wir unberührt Nur ein paar Worte über „die Führung der sozialistischen Partei" durch die Juden. Oder richtiger ein paar Namen und Thatsachen. In Deutschland sind die bekanm testen und genanntesten „Führer": Engels, Urgermane, — Bebel, Urgermane, — Liebknecht, Urgermane, Singer, Jude. Der Jude hat aber nach Drumont die alleinige „Führung." Aehnltch in Frankreich. Guesde, lateinischer Gallier, Lasargue, lateinischer Gallier (Creole), Vaillant, germanischer Gallier; Allemane, germanischer Gallier, Millerand, germanischer Gallier — den „Juden" finden unsere Augen nicht. Die Scheidung der „reinen" Franzosen in lateinische und germanische Gallier entspricht beiläufig den thatsächlichen Rassenmischungsverhältnissen. Wenn Herr Drumont „jüdischen Einfluß" und „jüdisches Gold" finden will, dann braucht er übrigens nicht weit zu suchen. Sein Morös, der den „Juden" Herz anpumpte, ist nicht der einzige „Antisemit", der aus jüdischer Krippe frißt. Und weiß Herr Drumont nickt, daß der Ahlwardt heute für jüdisches Geld Sozialismus verzapfen würde, wenn der „Jude" Singer für ihn — zu sprechen gewesen wäre? — Berlin, 11. October. Die „Staatsbürger- Zeitung" erhielt folgende Zuschrift, die sie natürlich einem Juden in die Schuhe schiebt, die aber zweifellos von einem Gesinnungsgenossen herrührt. Die Zuschrift lautet: „Ihrem Wunsche gemäß habe ich eine seine Gelegenheit zu einem Ritual-M . .. ausbaldowert. Bringen Sie in nächsten Tagen einen kleinen Artikel. Aber diesmal müssen Sie mir 50 Mark geben, mindestens. Besten Gruß Robert." — Frankfurt, 10. October. Die „Fr. Ztg." schreibt: In einem Artikel über das antisemitische Programm der Konservativen sagt die „Köln. Ztg." „Man kann nicht eine „Judenfrage" aufstellen oder in ein Programm aufnehmen und damit Anklagen erheben, die unterschiedslos auf jeden Juden treffen oder doch unterschiedslos aus jeden Juden bezogen werden, ohne sich aus den Boden der Rohheit und Ungerechtigkeit zu stellen; wer einer Reform-Aufgabe eine Bezeichnung gibt, die alle anderen Titel der Gattung und alle anderen Merkmale als die der Abstammung zerdrückt, stellt sich, gleichviel wie „gemäßigt" er im Uebrigen zu verfahren beabsichtigen mag, auf jeden Fall unter dieses Urtheil." Und unter welches Urtheil fällt eine Partei, die sich zu Wahlen mit der so kategorisch der Rohheit und Ungerechtigkeit bezichtigten Richtung verbündet und dazu milwirkt, deren Vertreter in das Parlament zu bringen? Die Antwort möge die „Köln. Ztg." ihren Freunden in Breslau, Königsberg, Bielefeld, Hanau u. s. w. zukommen lassen. Borkum (Insel). Im Anfang des Sommers erhielt die „Franks. Ztg." eine Zuschrift, in der über antisemitische Rohheiten geklagt wurde, denen die hier weilenden jüdischen Kurgäste ausgesetzt seien. Daß der Unfug fortgesetzt worden ist, zeigt folgende Notiz der „Köln. Ztg.": Auf der Insel Borkuni war ein rühmlichst bekannter deutscher Schriftsteller jüngst die Zielscheibe ebenso feiger wie roher antisemitischer Ausschreitungen, über die er sich in einem Briefe mit berechtigter Entrüstung j also äußert: „Ich war auf Borkum, ohne zu ahnen, - daß die Antisemiten die Insel zu ihrem Gegen-

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