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Der Israelit · 1893-10-16 · Heft 82 (16.10.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 82 (16.10.1893)
Date
1893-10-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1549 Auf diese Weise ist es denn soweit gekommen, wie die Dinge heute liegen. Es gibt faktisch nicht eine einzige jüdische Gemeinde, welche die Schechita- Jnstitution nicht hätte. Dle Schechita ist nominell da, der Form ist genügt, aber der Kern, die Wirklichkeit fehlt. Man kann ganze Provinzen mit vielen jüdischen Gemeinden durchwandern, die alle Schochtim und Anstalten zum nrrn-Fleisch-Verkäufe haben und doch kann der gewissenhafte Jehudi, der sich nicht selber täuschen will, keinen Bissen von dem als -nw verkauften Fleische genießen. Ein großer Theil der Rabbinen, welche die Schochtim prüfen, autorisiren und kontrolliren sollten, stehen in vielen Fällen hinsichtlich der religiösen Gewissenhaftigkeit und der erforderlichen Fachkenntniß tief unter dem Niveau der Schochtim. Es gibt eine große Anzahl von Rabbinen, Schochtim und Fleischhändlern, die in Folge ihrer religiösen Führung jede Glaubwürdigkeit über ivd und hb-iü eingebüßt haben, die richtig uso geschachtetes Fleisch nur unter ihren Händen zu haben brauchen, um es nach den Anforderungen des 7-, zu einem nDntsi?sd zu machen — und das alles segelt unter 1^0-FLagge. Die ganze Handhabung der gesammten Schächt- Jnstitution ist in vielen, ist leider in den meisten Gemeinden so ungenügend, so verlottert, daß man zur Aufzählung aller hier waltenden Umstände ein ganzes Buch schreiben könnte. Es kann das auch wie die Dinge liegen, kaum anders sein. Wenn es zum guten Ton gehört, öffentlich hd-iu zu essen, um der Zeit Rechnung zu tragen, wenn man die Schächtinstitution nur noch anstandshalber aufrecht hält, um das Decorum zu wahren und sich erforderlichen Falles zu Hause den Luxus von ino-Fleisch gestatten zu können, so braucht die Institution nicht besser zu sein, als sie in den meisten Fällen ist. Während sich diese Verkümmerung, Geringschätzung und Mißachtung der Schechitah-Jnstitution im eigenen Lager vollzieht und täglich erschreckendere Dimensionen annimmt, ertönt plötzlich von Außen der Ruf, welcher ein Verbot des Schächtens fordert. Dieser Ruf hat alle allarmirt, auch diejenigen, die das ganze Jahr hindurch keinen Bissen ileo-Fleisch genießen. Sie sind alle für die Schechita mit gleichem Ernst eingetreten und treten noch heute in erfreulicher Weise für die Schechita ein, wo sie bedroht erscheint; warum? Was liegt den Leuten daran, die sich ein ganzes Leben lang nicht um -uw und nsiD kümmern, ob das Schächten erlaubt oder verboten ist? Die Antwort auf diese Frage ist, daß auch diejenigen, denen am Schächten aus religiösen Rücksichten sehr wenig liegt, an einem Schächt-2 erbot sehr viel aus politischen und sozialen Rücksichten gelegen ist. Sie wissen, und jedenfalls fühlen und ahnen sie es, daß wenn es erst soweit gekommen ist, daß man in unserer Zeit einen solchen Eingriff in unsere religiösen inneren Angelegenheiten wagt unsere ganze Rechtsgleichheit und Freiheit auf herzlich schwachen Füßen steht. Wenn so etwas möglich ist, dann hat sich unsere Zeit ihren Schmeichlern gegenüber sehr wenig erkenntlich gezeigt, dann war alle Liebesmüh', alles und jedes Opfer umsonst, dann liegt es offen am Tage, daß der ganze Weg, den die moderne Judenheit seit 60 und 70 Jahren eingeschlagen hat, ein gründlich verfehlter war, dann ist unsere politische Gleichstellung und alles was damit zusammenhängt, bedenklich gefährdet. Es ist deßhalb eine Regung des Selbsterhaltungsbetriebs, der alle auf den Posten ruft, und der alle diesem Rufe folgen läßt. Und nun vergegenwärtige man sich das Walten der göttlichen Nemesis, wie wir es in unseren Tagen in dieser Angelegenheit in so ergreifender Weise walten sehen. Sie fügt es, daß dasselbe, was wir von unseren geistigen, ewigen Gütern preis - zugeben bereit waren, um materielle, zeitliche Vortheile dagegen einzutauschen, nun für denselben Zweck hochgehalten werden muß, für den man es geringschätzig bei Seite geworfen hat. Um der Zeit Rechnung zu tragen, hat man die Schechita und die an dieselbe sich knüpfenden Speisegesetze hintangesetzt, und jetzt muß man sie hervorheben und auf den Schild heben, um dasjenige zu retten, was die neue Zeit uns gebracht hat. Ist das nicht eine neue Bestätigung der alten göttlichen Waltungsweise, die mit demselben Maße wiedermißt, mit welchem die gegen sie sich auflehnenden Weitlinge zuvor gemessen haben? Fallen diese Betrachtungen nicht ganz von der thatsächlichen Wahrheit ab, so ist uns auch der Weg vorgezetchnet, den wir zur Bekämpfung der ganzen Calamität einzuschlagen haben. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenze«. Deutschland. Bingen. Zum Vorstande der Israel Religionsgesellschaft, welches Ehrenamt infolge Ablebens des seitherigen Inhabers Herrn Jos. Kohn vakant war, wurde mit großer Majorität Herr Herm. Lebrecht gewählt. Berlin. Die Speisung Nothleidender in der israelitischen Volksküche, Klosterstraße 99, in der allen Bedürftigen und Darbenden ohne konfessionellen Unterschied eine saubere, nahrhafte Kost bereitet und in echt humanitärer Gesinnung verabreicht wird, ist schon vor Beginn des Winters von einer ganz

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