Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1893)
- Date
- 1893-10-12
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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1544 7.7 - x -Tyyry^ywH,4'.:- verbreitend, Bildung mitthetlend, Ctvilisation ausstreuend. Sie kamen auch nach dem Heimathsdorfe Wols's und begnadeten es mit ihren unerreichten Vorstellungen. Ihr Nahen verkündeten sie durch dumpfe Trommelschläge, welche mit dem süßen Klingklang einer Triangel herrlich kontrastirten. Sie führten ein Kameel, einen Bären und einen Affen mit sich. Als Wolf das Kamee! erblickte, hielt er es für einen Wolf und flüchtete zitternd in die Schule zu seinem Lehrer. Der aber machte ihm begreiflich, daß Kameele sanfte Sitten besäßen, daß im Uebrtgen die Wölfe unendlich viel kleiner seien, etwa wie Schäferhunde, daß sie in weltentlegenen Wäldern hausten und nur in entsetzlich kalten Wintern die Wohnungen der Menschen aufsuchten. Das beruhigte Wolf ungemein. Es ermuthigte ihn sogar, der Vorstellung beizuwohnen. Er sah das Kameel niederknien, sah den Bären eine Quadrille aufführen und gewann die Ueberzeugung, daß die Wölfe doch nicht so entsetzlich sein müßten, wenn die größeren Bären und die dreimal so großen Kameele den Menschen bildende, harmlose Vergnügungen bereiten konnten. Von da ab war Wolf sehr aufgeklärt. Er hatte ruhige Nächte. Sein Schlaf wurde nicht mehr von den Wölfen gestört. Die böhmischen Künstler hatten ihre Mission an ihm erfüllt. Wolf hatte sein dreizehntes Lebensjahr längst zurückgelegt. Längst hatte er abgeschlossen mit der heiteren Kinderzeit und war in die Rethen der erwachsenen Männer eingetreten. Die erwachsenen Männer seines Heimathsdorfes waren fast sämmtlich Pferdehändler. Folglich wurde auch Wolf ein solcher. Er ritt mit einem Koppel Pferde von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Er flocht den Thieren die Mähne. Er band ihnen die Schwänze mit Stroh auf. Er führte sie den Käufern im Trab vor, indem er, sie am Halfter haltend, vorherlief. Meist aber wurde er zum Transportieren der Pferde verwendet. Einst hatte ihn der Vater mit ins Belgische genommen, nach Arlon, wo die Walloner Pferde zur Einfuhr ins Preußische aufgekauft werden. Arlon liegt in den Ardennen. Die Ardennen beherbergen Wölfe. Wolf sollte des Nachts durch die Ardennen retten-. Da war sie wieder die alte Angst seiner Kindheit! Um das Maß vollzumachen, war der Winter kalt und streng. Schnee glitzerte auf den Höhen des Ardennerwaldes. In der Umgegend von Arlon wollte man Spuren von Wölfen beobachtet haben. „Wolf", rief der Vater gegen Abend, „sitz' auf und reite die Pferde nach Luxemburg!" Wolf fühlte einen Schauer durch alle Glieder rieseln. „Vater, war 'es nicht besser, bis morgen früh zu warten? Die Wölfe-." Da stieg dem Vater der Zorn zu Kopf. Dunkelroth wurde er. „Was, Du Angftseele! Hat man je gehört, daß einer von Wölfen angefallen wurde? Habe ich je nach Wölfen gefragt, wenn ich etwas zu verdienen hoffte? Fort rettest Du und das sogleich!" Da gab es keine Widerrede. Der Zorn des Vaters war noch schrecklicher, als die Wuth der Wölfe. Wolf ritt hinaus in die Haide. Die Nacht war hell und kalt. Der Mond lachte so ironisch vom Himmel herab. Die Sterne glitzerten so schadenfroh auf den zitternden Jüngling hernieder. Dort, wo die Höhen beginnen, starrte der weißverschneite Wald ihm entgegen. Was mag er bergen, der unheimliche Wald? Wird er nicht wimmeln von schwarzen Bestien, die dem einsamen Reiter auflauern, um ihn zu verschlingen mttsammt seinen sechs Pferden? Sie werden ihn umringen in ganzen Rudeln, sie werden ihn umheulen, wie sie ihn einst in den Träumen seiner Kindheit umheult haben. Diesmal jedoch wird kein Zureden sie begütigen. Umheulen?-Horch, war das nicht ein langgezogener Klageton? Wolf hielt die Pferde an und lauschte. Sein Antlitz wurde bleich, wie der Schnee um ihn her. Es sollte also doch kommen, wie er es seit frühester Jugend prophetisch voraus' geschaut! Sein Geschick sollte sich also doch erfüllen -das gräßliche Geschick, von den Wölfen zerrissen zu werden. Was war zu thun? In den Wald reiten, hieße dem sicheren Tode entgegenziehen. Zurückkehren? Nein, der Grimm des Vaters war schlimmer, als die Wuth der Wölfe. Dort, nahe am Walde, stand ein einsames Haus. Das wird ihm Rettung bringen. In dem Hause will er Hülfe suchen vor den Raubthieren des Waldes. Er treibt die Pferde in der Richtung auf das Haus Zu. Da werden die Klagetöne lauter. Da klingt das Heulen näher. Sind denn die Wölfe so hungrig, daß sie den Wald verlassen haben? Die Pferde beginnen unruhig zu schnauben. Wolf schlägt auf sie ein. Sie aber sind störrig und wollen nicht vorwärts. Und jetzt sieht Wolf zwei schwarze Schatten durch die Haide rasen. Näher und näher kommen sie. Ihm stehen die Haare zu Berge. Die Peitsche entsinkt seinen kraftlosen Händen.