Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1893)
- Date
- 1893-10-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIV. Jahrgang. Erste Beilage;u JSs 81 des „Israelit^. Leiteuder Artikel. ßin Woist schrei aus London. ii. „Als sich der Verein mn ’pnno zuerst gebildet hatte" — heißt es in der vorliegenden Broschüre — „wollten viele Mitglieder Herrn ChieftRabbi Dr. Adler persönlich auf die Ungehörigkeiten und groben Verstöße aufmerksam machen, welche dem Fleisch anhaften, das unter seiner Aufsicht als ibo verkauft wird. Sie gingen zu ihm und legten ihm alles dar, was ihnen über die Schächter und über die Metzger bekannt geworden war. Herr Dr. Adler wollte sich jedoch nicht auf eine gründliche Erforschung und Untersuchung des Thatbestandes einlassen. Nichtsdestoweniger ergab sich bei diesem Anlaß ganz von selbst, daß den Metzgern factisch erlaubt worden war, Fleisch, das älter als drei Tage war. ohne die religtonsgesetzliche Wässerung zu verkaufen. Der erste der zur Ueberwachung des nrwo angestellten Eontrolleure sagte aus, daß, seitdem der (im Gebrauche stehende) Wassereimer gebrochen sei, habe er kein Gefäß, um das Fleisch zu wässern!! Ebenso stellte es sich heraus, daß die Metzger das Nierenfett seit zwanzig Jahren ihren jüdischen Kunden verkaufen ll Herr Dr. Adler versprach daraufhin, daß er diesen Mißstand abstellen werde. Ueber den weiteren Verlauf der Angelegenheit berichtete der Jewish Chronicle Nr. 1153 Folgendes: „Im Hotel . fand eine Versammlung der Koscher-Fleisch-Händler statt, um über die brennende Frage des Verkaufs von Hinterfleisch zu berathen. Mr. Jones Baltn führte den Vorsitz. Er legte den Versammelten die Sachlage dar und erklärte ihnen in s höner, klarer Rede, sie seien nun versammelt, Rath zu halten, was sie in Sachen eines von Herrn Dr. Adler erhaltenen Schreibens thun sollten, welches verlangt, daß sie innerhalb 24 Stunden den Verkauf von Nierenfett einzustellcn hätten. Wenn, erklärt der Redner, wir auch sonst gewiß jederzeit gern bereit sind, den Wünschen des Herrn Dr. Adler uns zu fügen und seinen Worten Gehör zu schenken, so handle es sich jedoch, was den Verkauf von Nierenfett betrifft, um eine Sache, an welche die Kunden nun schon seit 20 Jahren gewöhnt sind, also um etwas Unmögliches, denn es liegt nicht mehr in unserer Möglichkeit, den Kunden an Stelle des Nierenfetts anderes Fett zu verabreichen, da die Kunden bereits an das Nterenfett gewöhnt sind. Mr. Barnet stimmte dem Vorsitzenden bei und meinte, es sei lächerlich in unserer Zeit zu glauben, achtbare jüdische Kunden würden Fleisch kauft n, wenn das Fett herausgeschält sei. Viele der Herren erklärten, wenn sie genöthigt werden sollten, das Fett von dem Fleische zu trennen, dann würden sie besser thun, ihre Läden überhaupt zu schließen. Mr. N. fügte noch hinzu, ein so hartes Verlangen werde gerade dazu führen, daß die meisten Juden Fletsch kaufen, das vollständig nv->v ist. Mr. L. W. meinte, die Metzger hätten nie aus eigener Initiative Hinterfleisch verkauft, es sei der Volkswille, der es verlangt und dazu gedrängt habe und sie hätten nicht die Macht, dem Willen des Volkes entgegenzuhandeln. Nach alledem wurde der Beschluß gefaßt, sich zu Herrn Dr. Adler zu begeben, um ihm zu beweisen und zu erklären, daß die Einstellung des Nierenfettverkaufs eine unmögliche Sache sei." — Soweit der Jewish Chronicle in seiner Nummer 1153. In der folgenden Nr. 1154 schreibt dasselbe Blatt: Am Dienstag fand im Office deS Herrn Dr. Adler, Finsbury Sgnare, eine Zusammenkunft der Fleischhändler statt, bei welcher auch zugegen waren die Herren Dr. Adler, Dr. Gaster, Chacham der spanischen und portugiesischen Gemeinde, die Rabbinatsasessoren Spiers und Retnowitz und Herr Wahnthal, Aufseher des allgemeinen Schlachthauses. Metzger und Viehhändler waren etwa -in einer Anzahl von dreißig vertreten. Seitens der Metzger fielen vielfach Bemerkungen und Erklärungen in dem Sinne, wenn man ihnen ein solch hartes Joch auferlege, würden sie überhaupt keine Porscher und Aufseher mehr halten. Wenn sie ferner genöthigt wären, alle unerläßlichen Gesetzesbestimmungen einzuhalten, so würde sich der Preis des Fleisches für jedes Pfund um 4 Pence höher stellen. Nach allen diesen Erklärungen und Bemerkungen wurde die Sache in gütlichem Sinne entschieden, daß es mit dem Verkauf von Nierenfett an jüdische Kunden in der bisherigen Weise weiter verbleibe!" — Soweit der Jewish Chronicle. Dieses Jahr (mn 2") erfolgte neuerdings eine Veröffentlichung, daß sich die Metzger versammelt und beschlossen hätten, auf Beseitigung der Aufseher und Porscher zu dringen; zu welchem Zwecke ste wohl auch die Aufseher und Porscher fernerhin