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Der Israelit · 1893-10-12 · Heft 81 (12.10.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 81 (12.10.1893)
Date
1893-10-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1530 tete dieses selbst mit sorgenvollem Gesicht. Endlich unterbrach letztere das Schweigen.- „Du magst sagen, was Du willst, mein Dochterleben, Du bist nicht gesund; und es thut mir doch leid, daß ich nicht Hab' geschickt nach dem Doktor. Gegessen hast Du heute nichts den ganzen Tag und aussehen thust Du. soll mir Gott bewahren. Gewiß ist Dir doch das Singen gestern Abend zu viel gewesen, oder warst Du vielleicht erhitzt beim Nachhausegehen? Ich hätt' Dir doch sollen Dore'n mit 'm warmen Tuch schicken." In Martha's Gesicht war glühende Röthe geschossen, allerdings um gleich darauf einer tiefen Blässe Platz zu machen. „Was Du Dir für unnöthige Sorgen machst, Tantchen", sagte sie, und man hörte ihrer Stimme ordentlich das Bemühen an, munter zu klingen, ,.tch habe es Dir doch heute schon verschiedene Mal gesagt: ich bin gesund wie ein Fisch im Wasser, nur müde von den Anstrengungen die halbe Nacht hindurch. Ich werde heute recht früh zu Bette gehen, morgen bin ich dann wieder die Alte." Sie versuchte ein Lächeln, das ihr herzlich schlecht gelang, und streichelte die Hand der Tante. „Dein Wort in Gottes Ohren!" meinte letztere. „Aber mit dem frühen Schlafengehen wird's heut' wohl nichts werden. Du weißt doch, mein Kind, wie Leßer ist; wenn er sitzt, dann sitzt er." „Herr Leßer?" Martha sah mit leichtem Zusammenziehen der seinen Augenbrauen auf. „Wollte er uns heute Abend besuchen?" „Aber, Marthche", ein ernster Vorwurf klang aus Tante Goldes Worten, „wo Haft Du heut' nur Deine Gedanken? Ich Hab'Dir doch erzählt, daß ich Hab' Leßern eingeladen zu gefüllte Hecht', die er so gern ißt. Hast Du das denn gar nicht gehört?" „Ah' richtig; verzeih', Tante!" Martha wollte wieder in ihr träumerisches Schweigen versinken, aber Tante ließ es nicht dazu kommen; heute wollte sie endlich Bresche für ihre Pläne schlagen. „Eigentlich ist es ein Wunder, daß Leßer heut' Abend zu uns kommt", begann sie diplomatisch. „Bei Silberstetn's lassen sie ihm doch garnischt mehr los, sie können garnischt mehr leben ohne ihn. Verdenken thu' ich es Ihn' aber ntscht; 'n ord'ntltcher Mensch, 'n gebildeter Mensch, 'n Mensch für die Nahrung und — was die Hauptfach' dabei! — 'n guter Jüd! Wo find'st Du heutzutag' noch so' was, mit Licht kannst Du danach suchen." Martha sah aus, als wenn sie nicht im Entferntesten daran dachte, solch' ein Vorhaben auszusühren, und Tante Golde, bet der sich die alte Erfahrung bestätigte, daß Schweigen in gewissen Fällen anregender wirkt wie die längste Entgegnungsrede, fuhr lebhaft fort: „Nu, nützen wird es der Silbersteinen ohßer, und wenn sie ihm gleich alle Tag' auf die jontifdicken Polster setzt. Hat ihre Flora mehr Geld, hast Du mehr feine Bildung, und darauf acht't solch' Mann wie Leßer, da kannst Du Dir darauf verlassen." „Aber Tante", Martha hob müde den Kopf, „uns kann es doch sehr gleichgiltig sein, wen Herr Leßer heirathet. Ich habe doch sicher nichts damit zu thun." „Nichts damit zu thun?" das ging Frau Finkelstein denn doch über allen Spaß. „Aber, Marthche, merkst Du denn wirklich nicht, daß er Dir heirathen will?" „Aber ich nicht ihn, Tante!" Die so Belehrte schüttelte ungläubig den Kopf. (Fortsetzung folgt.) Der »Israelit* erscheint wöchentlich zweimal, Montag-und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen, »reis de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjahrig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel j» bestehe» bet E. $. Kteinackrr, -eipstg. Doßplatz 18. — Inserate 2b Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland m»d Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. osterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzufrnden. Eine Sttltksendrrng von an die Redactio« eingefandteu Manufcripte« findet nicht statt, «ft» bittet deshalb stch von alle« Einsendungen eine Kopie znrüekznbehalte«. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Der Stammvater der Semiten. (Zu Paraschath m.) — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenten: Deutschland: Darrnstodt. Berlin. Frankfurt a. M. Aschassenbnrg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien, — Bulgarien: Sophia. — Vermischtes. — Feuilleton: Tante Golde. Novelle von R. Litten (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Ein Nothschrei aus London. — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Türkei: Smyrna. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Ans Hessen. — Vermischtes. Inhalt der Belletr. Beilage: Wolf und die Wölfe. Von M. Jsay. — Höchstes Leid. Von E. Arnoldi. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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