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Der Israelit · 1893-10-09 · Heft 80 (9.10.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 80 (9.10.1893)
Date
1893-10-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1516 art erkennen, daß Dr. Loewenthal, indem er die 4 Wohnhäuser jeder Familiengruppe in den Angeln vierer übereinander und nebeneinander situirter rechter Winkel gesetzt, genügend dafür gesorgt hat, daß die Colonisten im Falle eines Angriffs der Gauchos, die, wie wir ja schon gesagt haben, nur selten und dann blos von Einzelnen Vorkommen, mit Uebermacht sich zur Wehre setzen können. In der Conferenz, welche bei Gelegenheit des ersten Besuches Dr. Loewenthals ans der Colonie von diesem und den 10 Vertretern der Gemeinde stattgefunden, konnte die Ansiedelungsart nicht endgiltig festgestellt werden; den Vertretern der Gemeinde war es damals besonders darum zu thun, von Dr. Loewenthal vor allem Andern Häuser aus Material zu erwirken. Wenn wir früher gesagt haben, daß die Colonisten klug genug waren, unter den ältesten und ersahrendsten Männern ihre Vertreter zu suchen, so gelang es doch einem Colonisten, einem gewiffen Bernhard, der zwar auch ein kluger und bereister Mann ist, er war vorher schon in Nordanierika, sich durch Versprechungen, für das allgemeine Wohl couragirtest einzutreten, in den Gemeinde-Ausschuß wählen zu lassen. Bernhard, der nicht zu den ältesten Leuteu zählte, wußte sich durch überzeugende Sprache das Vertrauen der Colonisten zu gewinnen; er war das Organ der colonialen Meinung, er war das Sprachrohr, er war der Verfasser aller Bittschriften und Gesuche, er war der Vertheidiger derer, die mit Ungerechtigkeit behandelt zu sein glaubten, und weil ihm sein vorlautes Eintreten manch' Unannehmlichkeit und Aergerniß eintrug, wurde er um so populärer, denn verschuldete oder auch unverschuldete Verfolgung schasst bekanntlich Märtyrer und aus diesen werden die „großen Männer". Sein Einfluß kam auch über die andern Vertreter zur Geltung und die Verwaltung sah sich bald einer sehr radicalen Vertretung gegenüber. Bittschriften und Gesuche hatten schnell den Charakter von Forderungen, welche in beinahe drohendem Ton ausgeartet waren und cs mußte mit Energie den Leuten der Standpunkt klar gemacht werden. Als Dr. Loewenthal den Vertretern der Gemeinde im Laufe der ersten Besprechung Häuser aus Ziegelsteinen versprochen hatte, baten sie Dr. Loewenthal, ihnen dieses sein Versprechen schwarz aus weiß zu geben. Sie hätten zwar volles Vertrauen schon in ein mündliches Versprechen, aber eine schriftliche und unterschriebene Zusage wäre doch sicherer, beruhigender und unanfechtbar. Dr. Loewenthal unterschrieb das Document. Dieses Papier enthielt außer der Zusage, den Colonisten steinerne Häuser zu errichten, auch die Bestätigung anderer ebenfalls schon mündlich gemachter Versprechungen, so u. A. die Aufzählung der haus- und landwirthschaftlichen Geräthe, die Anzahl Vieh, welche jede Familie zu erhalten hatte und auch die Versicherung, daß die Verwaltung der Colonie ermächtigt ist, ein Drittel der Löhnung in Baar zu bezahlen. Die Ansiedelungsart war in dieser schriftlichen Abmachung nicht besprochen, dieselbe vielmehr einer Verständigung zwischen den Colonisten und der Verwaltung überlassen. Der Besuch Dr. Loewenthals auf der Colonie war von nur kurzer Dauer. Nach 36 Stunden Aufenthalts trat er die Rückreise nach Buenos Aires an. ES war früh morgens, als Dr. Loewenthal von Mauricio nach Carlos C asaros fuhr, um dort den Eisenhahnzug zu besteigen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 5. October. Das Provinzial ComitL für die rufst chen Juden für Rhetnhesten zu Mainz versendet folgendes Rundschreiben: Das Comits für die russischen Juden zu Bremen hat das dringende Ersuchen hierher gerichtet, möglichst schnell eine Sammlung von abgelegten Kleidungsstücken und auch Fußzeug für Männer, Frauen und Kinder zu veranstalten. Bremen ist jetzt der Sammelpunkt unserer aus Rußland ausgewtesenen unglücklichen Glaubensbrüder geworden, welche von dieser Stadt aus Amerika oder England zu erreichen suchen. Nur mit dem Nothdürftigsten bekleidet, kommen diese bedauernswerthen Auswanderer in Bremen an, woselbst sie für sich und namentlich für ihre Kinder um Kleidung bitten. Wir zweifeln nicht, daß dem Hilferuf des Bremer Comitüs allseitig auf das bereitwilligste entsprochen werden wird und bitten Sie, geehrter Herr, sowohl um Ihre eigenen Zuwendungen als auch um gütige Verwendung im Kreise Ihrer Bekannten für gleichen Zweck. Herr George Hirsch, hintere Bleiche 65, ist gerne bereit Zuwendungen entgegenzunehmen und weiter zu befördern. Aus Unterfrauken. Am 1. Oktober d. I. feierte der Regierungspräsident von Unterfranken in Aschaffenburg Sr. Excellenz Gras v. Luxburg sein 25jähriges Amtsjubtläum, aus welchem Anlässe demselben von allen Gauen Unterfrankens Glückwünsche und Ehrungen dargebracht wurden. Verdient nun schon an und für sich ein Beamter, der während einer solchen Zeitperiode eine so schwere und verantwortungsvolle Stellung inne hat, das höchste Lob und die ungetheilteste Anerkennung, um wie viel mehr gebühren diese einem Manne, den solche Eigenschaften zieren wie den hohen Jubilar. Die Israeliten Unterfrankens haben nicht weniger als alle übrige Bewohner des Kreises Anlaß stch mit diesem Ehrentage Sr. Excellenz zu freuen. Denn, sowohl als gerechter, humaner und loyaler Beamter, wie auch als Mensch kennt er keinen Unterschied des Glaubens, alle Staatsangehörige

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