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Der Israelit · 1893-10-09 · Heft 80 (9.10.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 80 (9.10.1893)
Date
1893-10-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1508 Namen seinen Nachkommen, den E b r ä e r n, den Ruf ein, daß sie eine, und die ganze übrige Welt die andere Seite ausmache. Als die Glieder der Ebräerfamilie zum ersten Male nach Egypten kamen, wurden sie trotz der großen Masse der dort Zusammenströmenden, unter allen Anlangenden als Söhne Israels erkannt. ajnn rrn o D'Nan -pna ya wa»i •W» pxa Diese scharf ausgeprägte Eigentümlichkeit des semitischen Stammes, die sich in der Physiognomie, in der Schärfe des Denkens, in der Wärme des Empfindens und in vielen mehr oder weniger wesentlichen Punkten bekundet, ist in der That das einzige greifbare Moment, worin sich die Semiten äußerlich von den Japhetiten, also von unseren Ariern und den Chamiten unterscheiden. Solche äußere Verschiedenheiten aufgreifen und mit ihnen seinen Haß motiviren, wie es der Antisemitismus thatsächlich thut, heißt den Racenhaß so unverblümt predigen und üben, daß es keines Wortes zur Verurtheilung dieser Nichtswürdigkeit bedarf. Während dieser Erbärmlichkeit die abweichende Form eines Nasenflügels zur Legitimirung ihres Hasses genügt, verschweigt sie die Fülle des Gemeinsamen, Hohen und Edlen, das Sem und Japhet mit einander haben und noch heute Semiten und Arier wie ihre Ahnen zu verbrüdern berufen ist. So verthiert können doch auch die rabiatesten Antisemiten nicht sein, daß sie die kindliche Ehrfurcht, welche den Mantel der Elternliebe über die väterliche Schwäche deckt, dem Stammvater der Semiten als Verbrechen anrechnen! Ist es de tzhalb eine Schande Semite zu sein, dann thetlen sich die Semiten in diese Schande redlich mit den Japhetiten. Dann müssen nicht die Semiten auf Nimmerwiederkehr nach Jerusalem, wenn kein arisches Auge mehr durch ihren Anblick verletzt werden soll, sondern dann müssen unsere Antisemiten dorthin, wo der Pfeffer wächst und die Cha» miten leben, um dort vielleicht eher Gesinnungsgenossen mit Erfolg suchen, wenn auch nicht finden zu können. Denn so tief steht kein Naturvolk, wenn ihm selbst die primitivsten Anforderungen von Cultur und Gesittung fehlen, so schwarz ist keine Mohrenschwärze, als es die fluchwürdige Gesinnung ist, welche die Errungenschaften von Cultur und Aufklärung in den Dienst des Racenhaffes stellt. Unsere Geschichte erzählt von einem ammonitischen König, der mit den Israeliten nur unter der Bedingung ein Bündniß schließen wollte, daß sich alle ein Auge ausstechen lassen. Dieses Scheusal von Grausamkeit war doch ein Tugendengel von liebenswürdiger Toleranz, wenn man ihn mit den Antisemiten unseres Kalibers vergleicht. Wenn sie der Geist stört, der aus dem jüdischen Blicke blitzt, so können sie sich nicht mit einem Auge begnügen, dann müssen beide geblendet werden. Wenn die Form der jüdischen Nase es ist, an welcher sie sich stoßen, so müssen die Semiten ihre Nasen abschneiden, wenn die Antisemiten ein Bündniß mit ihnen schließen wollen. Das jüdische Herz, das wärmer schlägt als das ihrer Feinde, der jüdische Kopf, der leichter denkt, alles das müßte zum Opfer fallen, wenn dieser Brutalität nichts mehr übrig bleiben sollte, woran sie Anstoß nehmen kann. Es ist gut von Zeit zu Zeit die Consequenzen, zu welchen die antisemitische Rohheit führt, sich zu vergegenwärtigen, nicht damit die Antisemiten, sondern damit die Semiten daraus eine Lehre ziehen. Die Lehre nämlich, daß es eine Thorheit, daß es eine Selbstentwürdigung und Selbstvernichtung wäre, wollten wir daran denken, es unseren Feinden recht zu machen. Wenn wir jede Eigenart abstreisen wollten, abstreifen könnten, so lange wir selber noch übrig bleiben, ist unsere bloße Existenz unseren Feinden noch Vorwand genug uns zu hassen. Dieser menschlichen Entartung, wie sie der antisemitische Rassenhaß bedeutet, Concessionen etnräumen, heißt ihre Berechtigung anerkennen. Diese Wahrheit wird in unseren Reihen viel verkannt und schwer wird gegen dieselbe vielfach gesündigt. Täuschender Vorwand war es und täuschender Vorwand bleibt es, wenn unsere Feinde die Satzungen unserer Religion und ihre gewissenhafte Erfüllung als Ursache ihres Hasses bezeichnen. Der Judenhaß ist älter als die Berufung Israels zum Gottesvolke und die Offenbarung des göttlichen Gesetzes. Philister, Eghpter und Amalekiter haßten Israel bereits, bevor ihm das Wort Gottes am Sinai überantwortet worden war. Und diejenigen von uns, die der Strömung des Tages folgend, ihre Religion Preis gegeben haben, sind sie vom Judenhaß verschont? Sind nicht gerade sie seine willkommensten Opfer? Haben sie nicht den antisemitischen Rassenhaß gerade dadurch provocirt, daß sie dem alten Judenhaß, der sich in einen religiösen Mantel hüllte, jede Berechtigung entzogen haben? Wenn wir Juden denn doch einmal gehaßt fein sollen, ist dann der Religtonshaß dem Rassenhaß nicht vorzuziehen? Seiner religiösen Ueberzeugung, seines treuen Festhalten an der jüdischen Wahrheit wegen zu dulden und zu leiden, das setzt den Duldern die Märtyrerkrone auf's Haupt, deren Glanz allen Flitter überstrahlt, welchen unsere Feinde als Schacher gegen das Preisgeben der Wahrheit bieten. Aber gehaßt zu werden, weil man dunklere Augen und eine etwas anders geformte Nase hat,

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