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Der Israelit · 1893-10-09 · Heft 80 (9.10.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 80 (9.10.1893)
Date
1893-10-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. M 80, Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von Dr. Lehma«« in Mai«A. Montag, den S. Oktober S«S4 (L8SS). Leitender Artikel. I>er Stammvater der Semiten. (Zu Paraschath nZ I. Mainz, 8. October. Milten aus dem lauten Lärm des Tages ruft das alte Gotteswort seine über die ganze Erde zerstreuten Träger in ihre Gotteshäuser, in welchen sie in diesen Tagen die Thora von neuem zu lesen begonnen haben. Es ist der Anfang der Menschengeschtchte, von welchem die heiligen Rollen uns erzählen. Jahrtausende liegen zwischen den Begebenheiten, die hier an unserem geistigen Auge vorüberziehen und der uns umfangenden frisch pulsirenden Gegenwart. Und doch welch' inniger Zusammenhang besteht zwischen dieser Geschichte aus altersgrauer Vergangenheit und den Lesern, die sich in jeder, und nun gar in unserer Gegenwart in dieselbe vertiefen. Seit wenigen Jahren nennt man uns Juden mit Vorliebe: Semiten. Unsere Gegner nennen sich nicht mehr wie früher, Judenfeinde saus xdrase, sondern Gegner der Semiten, Antisemiten. Es muß nach alledem doch eine große Schande bedeuten, ein Semit zu sein, wenn es ganze Parteien und Klassen gibt, welche die Gegnerschaft gegen den isemitismuS und die Bekämpfung der Semiten auf ihre Fahne geschrieben haben. Da verlohnt es sich denn doch, dem Ursprung, der Abstammung der Semiten ein wenig nachzuforschen, um das Schreckliche und Schändliche an der Quelle zu erfahren, aus welcher der Semitismus stammt. Was wir in der Tagespresse vergeblich suchen, worüber die Zeitftimmen bet allem lautem Lärm sich gründlich ausschweigen, in dem Abschnitt unserer heiligen Urkunden, der in diesen Tagen in unseren Gotteshäusern zur Verlesung gelangt, wird es uns schlicht und einfach erzählt. Er führt uns in wenigen Worten dasjenige vor, was Freunde und Feinde von Sem, dem Stammvater der Semiten überhaupt wissen. „Noach zeugte drei Söhne: Sem, Cham, Japhet" (I. B. M.. VI, 10.)-„Noach fing an ein Mann der Erde zu werden und pflanzte einen Weinberg; er trank von dem Weine, wurde berauscht und entblößte sich im Innern seines Zeltes. Da sah Cham der Vater Kenaans die Blöße seines Vaters und erzählte es seinen beiden Brüdern draußen. Da nahm Sem und Japhet das Gewand, legten es auf ihrer Beider Schulter, gingen rückwärts und bedeckten die Blöße ihres Vaters, ihr Gesicht blieb rückwärts gewandt und die Blöße ihres Vaters sahen sie nicht. Als Noach von seinem Weine erwachte und erfuhr, was ihm sein jüngster Sohn gethan hatte, sprach er: Fluch dem Kenaan, ein Knecht der Knechte soll er seinen Brüdern sein. Und er sprach ferner: Gesegnet sei Gott, der Gott Sems, Kenaan soll ihnen Knecht werden! Ausbreiten wird Gott Japhet, aber wohnen wird er in den Zelten Sems und Kenaan wird ihnen Knecht sein." (I. B. M., IX, 20—27.) Aus I. B. M., Cap. 10, V. 21 wissen wir, daß nicht Sem, sondern Japhet der ältere der drei Brüder war. Wenn er dennoch als der erste genannt wird, so spricht schon diese Stellung für seine hervorragende Bedeutung. Diese wird auch durch seinen Namen ausgedrückt, der ja eigentlich „Name" bedeutet. Ist doch der Name der Ausdruck, welcher die Art und Eigenthümlichkeit eines Dinges bezeichnet, das Wort, welches ein einzelnes Ding von allen anderen unterscheidet. Diese Jndividualisirung, Charakterisirung und vollständig ausgeprägte Unterscheidung, welche der Name bezweckt und bewirkt, tritt daher in dem bloßen Worte Sem zu Tage und ist auch den Nachkommen Sems, den Semiten, eigenthümlich geblieben. Sein Urenkel Eber, (die Seite) trug mit diesem

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