Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 78-79 (5.10.1893)
- Date
- 1893-10-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1497 Heimstätte zu schaffen, wo sie den Rest ihres Lebens sorgenfrei verbringen können. Euer Hochwohlgeboren unterstützen so viele humanitäre Vereine, gedenken Sie mit Ihrer werktbätigen Liebe auch der Heimathgemeinde Ihrer Väter, die daran geht, eine Institution zu schaffen, die ihr zum Heile und dem Judenthume zur Ehre gereichen soll, das jederzeit in Humanität als Muster vorangehen muß. Das gefertigte Comii«, welches sich auf Grund eines Beschlusses der Gemeinde-Repräsentanz constituirte und seine Wirksamkeit begonnen und in vollster Übereinstimmung mit dem ehrwürdigen Oberrabbtnate handelt, gestattet sich, Ihnen anliegend eine Subscriptions-Erklärung zu unterbreiten, mit der ergebenen Bemerkung, daß die von Euer Hochwohlgeboren gntigst zu zeichnenden Beiträge an den Vorstand der israel. Cultusgemeinde in Preßburg eingesendet werden wollen. Es zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung das von der Repräsentanz der orthodoxen isr. Cultusgemeiude zu Preßburg gewählte Comite zur Errichtung eines Asyls für Sieche und Greise israelitischer Confession. Aeitrrngsuachrichteu und Correspoudeuzeu Deutschland. Berlin, 18. Sept. Unter Betheiligung von 600 Delegirten aus etwa 50 Städten wurde gestern der zweite norddeutsche Antisemitentag abgehalten. Der Vorsitzende Witte eröffnete die Verhandlungen um 11Uhr mit einer Längeren Ansprache und erstattete dann den Geschäftsbericht, aus dem hervorzuheben ist, daß die ans 7 Wahlkreise im verflossenen Jahre verwendete Agitation insgesammt 27,000 M. gekostet hat, wovon noch 5—6000 M. zu decken sind. Förster sprach sodann über das Thema: „Wie stehen wir? wie siegen wir?" und verlangte Einigung aller Antisemiten gegenüber dem zunehmenden Einflüsse des Judenthums. Das jüdische Kapital müsse, als unrechtmäßig erworben, vom Staate wieder ekngezogen (Großer Beifall) und zur Tilgung von Hypotheken und Staatsschulden und zur Errichtung von Wohlthätigkeitsanstalten verwendet werden. Bachler als Korreferent wies noch auf die Nothwendtgkeit der Aufhebung der Judenemancipation und der Vermeidung jeglichen Paktirens mit den undankbaren Konservativen hin. Nach längerer unbedeutender Diskussion, worin das Verhältniß Stöckers zu den Antisemiten nochmals berührt und nochmals jede Gemeinschaft mit ihm abgelehnt wurde, begründete Ahlwardt den vorgelegten Entwurf antisemitischer Forderungen, der schließlich zur Durchberathung an eine Fünferkommissivn verwiesen wurde. § 15 dieses Entwurfs, der sich mit der Judenfrage beschäftigt, verlangt Stellung der Juden unter Fremdengesetze, deren Verletzung mit Ausweisung bestraft werden kann; ferner Schließung der Grenze gegen Neueinwanderung und Ausweisung aller nicht in Deutschland geborenen Juden; drittens Ausschließung der Juden von allem liegenden Besitz, von allen Staats- und Gemeindeämtern, aus der Rechtsanwaltschaft, dem Aerzte- und Lehrerstand, aus der Presse und der Armee, sowie für die Juden Einführung einer Wehrsteuer nach dem Umfange ihres Vermögens; endlich ein Verbot des Haltens deutscher Dienstboten. Ueber die Stellung der Antisemiten zu der Kostendeckung der Militärvorlage wurde nach langer Debatte, worin immer wieder Börsen- und Wehrsteuer verlangt wurden, eine Resolution angenommen, die sich gegen jede direkte oder indirekte Steuer erklärt, durch welche die mittleren oder unteren Stände belastet werden, besonders auch gegen die Tabakfabrikatssteuer. Weitere Resolutionen fordern Prüfung und Uebersetzung des Talmuds, sowie nochmalige Untersuchung Paasch's durch nichtjüdische Aerzte. Darauf wurde die Vereinigung der Antisemiten Norddeutschlands vollzogen und Förster zum Vorsitzenden des Bundes gewählt. Versuche, einen Anschluß des Parteitages an Böckels Reformpartei und an Liebermann's Richtung herbeizuführen, erfuhren energische Zurückweisung. Nachdem noch mehrere kleine Angelegenheiten erledigt waren, von denen die Bildung eines antisemitischen „Ehrengerichtshofs" als besonders dringlich erwähnt werden muß, wurde der Parteitag um 9 Uhr Abends geschlossen. Berlin. Dem bekannten Verfasser der Schrift „Der Blutaberglaube in der Menschheit". Prof. Dr. H. L. Strack, ist von dem Kyffhäuserverbande auf Antrag des antisemitischen Vereines deutscher Studenten in Berlin die Ehrenmitgliedschaft entzogen worden. Der „Beweggrund der Gegner" — schreibt Professor Strack in einer Zuschrift an das „Berliner Tagblatt" — „ist einfach der Groll darüber, daß ich, gerade weil posittvchristlicher Theologe, es als meine Pflicht betrachtet habe und stets betrachten werde, der „Blutlüge" und anderen Ausschreitungen des Racenantisemitismus entgegenzutreten. Angriffe, die um meiner Pflichterfüllung willen gegen mich gerichtet werden, können mir nie zur Unehre gereichen." Marburg, 14. September. Heute wurde am hiesigen Schöffengerichte die Verleumdungsklage des Baron R. von Suttner in Wien gegen den „Reichsherold", bez. gegen dessen ehemaligen verantwortlichen Redacteur Georg, welcher inzwischen