Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 78-79 (5.10.1893)
- Date
- 1893-10-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1496 sich bemühen, damit Diejenigen einen Zufluchtsort für ihr Alter finden, die ihnen vielleicht in der Jugend die jüdische Hand dargeboten haben, die die Gabe niemals verweigert, die dem Dürftigen die Thüre öffnet und ihn zum Ehrenplätze am reichgedeckten Tische führt. Und die Kinder der heiligen Gemeinde Preßburg, die Söhne dieser Stadt, die in den verschiedensten Arten, in den verschiedensten Weltgegenden durch Fleiß, Begabung und Glück sich eine bedeutende Lebensstellung errungen haben, mögen sie der fröhlichen Kinderzeit gedenken und der Heimath durch einen Wohlthätigkeitsakt den Gruß der Liebe entbieten. Durch den Beitrag von viertausend Kronen (zweitausend Gulden) wird man Gründer der edlen humanen Stiftung; aber auch der kleinste Beitrag ist willkommen, um das Werk zu fördern. Die Wandlungen in der Cultur, die Fortschritte in der Erkenntniß der Dinge bringen es mit sich, daß die Weisheit der Alten nicht mehr die Autorität besitzt, wie in früheren Tagen. So gewähren wir ihnen wenigstens die Genugthuung, daß ein dankbares Geschlecht der Gegenwart in Liebe und Ehrfurcht ihnen das Alter zu verschönen sucht. „Du sollst Dir Zufluchtsstädte bauen" heißt es in der Bibel; jetzt ergeht das Gebot: „Baue Dir ein Zufluchtshaus", damit der von Unfällen Verfolgte und von Kräften Verlassene in seinem Alter Schutz finde. Auf den höchsten Bergen an der Grenze von Schnee und Eis bauen sie Schutzhäuser. Laßt uns ein Schutzhaus bauen an der Grenze Ungarns, damit die müden Wanderer eine Zuflucht finden gegen Stürme und Unwetter, wenn der Abend herangezogen, wenn die Sonne zum Untergange sich neigt. Baut dieses Schutzhaus, um die Schuld an Preßburg abzutragen, als Zeichen der Dankbarkeit und als Denkmal dafür, daß die Furcht vor dem grauen Haupte Gesetz in Israel ist, heute wie in den Tagen der Vergangenheit. * * * Das von der Repräsentanz der orthodoxen isr. Cultusgemeinde zu Preßburg gewählte Comtte zur Errichtung des israel. Altenheims versendet nachstehenden Aufruf: Euer Hochwohlgeboren! Zu den schönsten jüdischen Tugenden zählt das liebevolle Gedenken der Gemeinde, der man entstammt, wenn auch noch so weit und lange Zeit von ihr entfernt. Durch diese Tugend haben sich seit der Freizügigkeit alte Gemeinden erhalten, weil deren Söhne auch aus der Ferne ihrer mit Liebesgaben gedachten, wie während des zweiten Tempels die Juden der Diaspora Jerusalems. Und mit Berufung auf diese Tugend, welche vor aller Welt ein Zeugniß für die patriotischen Gefühle unserer Glaubensgenossen ist, wenden wir uns auch an Sie. Wenn Euer Hochwohlgeboren heute auch einem anderen Gemeinwesen angehören und in demselben wirken und schaffen, so bewahren Sie gewiß doch auch noch, wenn auch nur ein legendenhaftes Bild von der altehrwürdigen israelitischen Gemeinde Preßburg, in welcher Ihr Stamm wurzelte, Ihre Vorfahren ruhen, und wenn Sie ihrer in Pietät gedenken, lebt das Bild dieser Gemeinde in Ihrem Geiste auf. Und fürwahr, man kann mit Stolz auf seine Abstammung von der Preßburger Jsraelitengemetnde sehen. War sie doch Jahrhunderte lang, bis herab auf die jüngste Zeit, das Pftmat der Judenheit, aus deren Schuten die Rabbiner für Ungarn, Oesterreich und Deutschland und Größen auf allen andern Culturgebieten hervorgingen. Mit der günstigeren Gestaltung der politischen Verhältnisse unserer Glaubensgenossen übersiedelten die reicheren Mitglieder dieser Gemeinde in die Hauptstädte der beiden Reichshälften, der zurückgebliebene Theil ward dadurch materiell geschwächt, aber er har sich, wenn auch mit großen Opfern, auf der culturellen Höhe der Zeit erhalten. Die Preßburger Jsraelitengemeinde ist die einzige in Ungarn, welche eine öffentliche Mittelschule gegründet und andere alte Gemeindeinstituttonen modern ausstattete, so daß sie eine Zierde der Stadt bilden. Und nun schreitet sie auch zu einer sozialen Einrichtung, wie die Zeit sie erfordert, an die Gründung eines Asyls für Sieche und Greise israelitischer Confession. Dank der Jnitiatioe unseres edlen Präsidenten, des bekannten Wohlthäters Herrn Joel Wolf, der selbst 8000 fl. zu dem angestrebten humanen Zwecke gespendet, ist durch Erwerbung eines dafür geeigneten Hauses bereits der Anfang zu dem Werke gemacht, dasselbe kann jedoch nur mit vereinten Kräften zur Ausführung gelangen. Und so ergeht von dem gefertigten Acttons- Cornite ein Appell auch an Euer Hochwohlgeboren, sich an diesem Liebeswerke in unserer Gemeinde zu betheiltgen, entweder demselben als Gründer betzutreten durch eine einmalige Spende von mindestens 4000 Kronen, wodurch Sie der im Regulativ dieses Versorgungshauses festgestellten statutenmäßigen Rechte theilhaftig werden, oder durch eine kleinere Spende, eventuell eine, wenn auch noch so geringe jährliche Beitragsletstung dazu betzutragen, erwerbsunfähige alte Leute, deren es bei dem Wechsel der materiellen Güter bet uns Juden so viele und auch aus den besten Familien gibt, eine