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Der Israelit · 1893-10-05 · Heft 78-79 (5.10.1893) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 78-79 (5.10.1893)
Date
1893-10-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Meile Beil. M M 78 & 79 des „Israelit“. Leitender Artikel. Gin Attercheim in Meßöurg. iwiyn V« wrra nta mp: nyb bx. Das unzweifelhafteste Kennzeichen der Civilisation eines Volkes ist die Ehre, die man den Alten erweist, das Verhalten Denjenigen gegenüber, die wohl über die Erfahrungen des Lebens, nicht mehr aber über die volle Kraft des Lebens verfügen. Man unterschätze es nicht, daß in den Geschlechts- und Völkerregistern der Bibel die Lebensjahre angegeben sind. Das beweist, daß das Volk der Juden in einer uralten Culturgeschichte wurzelt und daß in der semitischen Welt frühzeitig das Alter geehrt wurde. Ein Methusalem ist nur möglich, wo eine bestimmte Civilisationsstufe erreicht wurde, wo milde Sitte herrscht und die Ehrfurcht vor den höheren Mächten zu einer Religion mit geistigem Gehalte sich verklärt hat. Das bekannte Gebot der Bibel, welches den Weisen des Volkes, den Patriarchen der Familie und des Stammes einen ehrgebietenden Rang anweist, ist ein glänzenderes Denkmal der im Judenthum lebenden Cultur, als stolze Bauten und weitläufige Ruinen es zu sein vermöchten. Demnach mag die Stiftung beurtheilt werden, die jetzt in Preßburg ins Leben treten soll. Es ist ein schöner Gedanke, der warme Sympathien und tatkräftige Unterstützung verdient, eine Anstalt zu gründen, in welcher die Alten und Siechen ein Asyl finden, ein gemüthliches und sorgenfreies Heim in den letzten trüben Tagen des Erdenwallens. In der Bibel fehlt es nicht an pessimistischen Aeußerungen über den Inhalt des Menschenlebens, auch nicht an Schilderungen des Alters. Wir erinnern an die durch geistreiche Selbstironie gemilderte Schilderung in Koheleth und an die tiefempfundenen Worte: „Wirf uns nicht weg in der Zeit des Alters, wenn unsere Kräfte verschwinden, verlaß uns nicht." Daran erinnerte sich der edle Philantrop Joel Wolf, der Präses der israelit. orthodoxen Gemeinde in Preßburg, und er gründete eine Stiftung mit der namhaften Spende von 8000 Gulden, eine Stiftung für die Alten und Stechen der Preßburger Judengemeinde. Unter dem Protectorate Sr. Ehrwürden des Preßburger Oberrabbiners B. Schreiber hat sich ein Actionscomits gebildet, um diese Stiftung ins Leben zu setzen, die weiteren Mittel zu deren Activiruna zu beschaffen, und an Alle ergeht nun der Ruf, dazu beizutragen, an Alle ergeht das: „Wirf uns nicht weg in der Zeit des Alters, wenn unsere Kräfte schwinden, verlaß uns nicht." Preßburg ist nach vielfacher Richtung hin eine merkwürdige Stadt. Es fehlt der alten Krönungsstadt nicht das Diadem einer glänzenden historischen Vergangenheit. Die Donau scheint sie von der einen Seite, ein hochragender Berg sie von der anderen Sette zu beschützen. In den Tagen, wo in Ungarn noch die Ursitten herrschten, konnte sie als die Eingangspforte des Orients angesehen werden. Aber auch in anderem Sinne war sie die Eingangspforte des Orients geworden. Die weltberühmte Jeschiba, die Talmud-Hochschule, sie lehrte die Weisheit des Orients und die Schüler strömten herbei aus allen Weltgegenden. Ueber die Jeschibas und über ihre Rectoren, die Großrabbtnen, läßt sich sehr viel sagen. Wenn Anstalten dazu dienten, um eine Religion, die Gebräuche und Traditionen eines alten Volksthums, um die Erbschaft der Bibel zu erhalten und zu beschützen, um die Reichthümer der Vergangenheit zu retten, um Tausenden von Gemeinden jene Führer zu geben, die dafür sorgten, daß der Sinn für Sittlichkeit und kräftiges religiöses Leben nicht entschwinde, so haben diese Anstalten einen welthistorischen Beruf, und im Sinne des Judenthums sogar den höchsten Zweck erfüllt. Preßburg war und ist der Sitz einer solchen Jeschiba und als dort der berühmte Rabbi Moscheh Sofer residirte, da entwickelte sie eine unwiderstehliche Anziehungskraft, überstrahlte an Glanz alle anderen Jeschibas und war ein Eentrum wie einstens die Hochschulen in Babylon und Palästina. Aus ihr sind bis auf die neueste Zeit Führer und Lehrer hervorgegangen. Wir appelliren nicht an die streng orthodoxen Juden und auch nicht an die Reformjuden, wir wenden uns vielmehr an Alle, welche vom Geiste des Judenthums sich erfüllt wissen , wie frei auch sonst ihr Denken und ihr Urtheil sich bewegt. Das Judenthum ist der Stadt Preßburg zu Dank verpflichtet, und wie ließe sich dieser Dank besser abstatten, als durch Beiträge zu der wohlthätigen Stiftung, die jetzt ins Leben treten soll. Diejenigen, die einstens als Schüler in Preßburg ihre Jugendzeit durchlebten, sich einer gastfreundlichen Aufnahme, oft auch einer werkthättgen Unterstützung erfreuten, heute an der Spitze von Gemeinden oder einflußreiche Persönlichkeiten in den Gemeinden sind, sie mögen in Wort und That

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