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Der Israelit · 1893-10-05 · Heft 78-79 (5.10.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 78-79 (5.10.1893)
Date
1893-10-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1483 Eisenstadt (Ung.). Erzherzog Josef August besuchte am 12. Sept. die berühmten Kellereien der hiesigen Weingroßhandlung Leopold Wolf's Söhne. Diese Kellereien sind die größten in Oesterreich- Ungarn, ja vielleicht die des europäischen Kontinentes Die Gänge dieses Kellerlabyrinthes haben eine Länge von 3Vs Kilometer und waren durch 1100 Kerzen erleuchtet. England. A. Z. London, im Sept. Das Exploitiren der russisch-jüdischen Arbeiter in London gehört ohne Zweifel zu einem der größten Uebel unserer Zeit. Es herrscht in der That hier in London unter den emigrirten russischen Juden East Londons große Noth und jammervolles Elend. Wie viele unserer unglücklichen Brüder (und das sind die sogenannten begünstigten) arbeiten da bei geringem Lohn von 16—18 Stunden täglich ununterbrochen, um ihr eigenes dürftiges Dasein zu fristen. Wenig, sehr wenig bleibt ihnen von dem erworbenen Gelde übrig, um ihre Angehörigen damit ernähren zu können. Da ist es wohl kein Wunder, wenn die Frauen und Kinder schwach und krank sind und von Hunger geplagt wie die Schatten in den Straßen East-Londons verschmachtend einhergehen. Aus folgenden Zeilen, entnommen aus den „Daily News“ von Montag den 14. September d. I., können die geehrten Leser dieses Blattes Näheres erfahren. Gestern Morgen empfing in seinem Office, Finsbury square, der Chief Rabbi (Dr. Hermann Adler), eine Deputation der internationalen Bäcker-Union. Herr E. Guilaroff, der Sprecher, sagte, daß die Union lediglich aus jüdischen Bäckern bestehe. Der Mann arbeite im Durchschnitt 18—20 Stunden täglich, und dabei wird ihm keine gehörige Eßzeit gestattet. Der Chief Rabbi frug darauf erstaunt, ob der Sprecher auch wirklich 18 Stunden Arbeitszeit täglich meine? Herr G. antwortete, daß sie an manchen Tagen 16 Stunden arbeiten, und an andern 21 Stunden. Sie begeben sich zur Arbeit um 5 und 6 Uhr Abends und arbeiten ohne Unterbrechung bis 12 und bis 1 Uhr des nächsten Nachmittags. Im Durchschnitt verdienen sie nur 10 Shilling pro Woche. Der Werkführer bekommt 24 Shilling, sein Gehilfe 12 Shilling und der dritte Gehilfe nur 10 Shilling, zuweilen aber auch nur 6 Shilling. Das Backhaus ist sehr oft in fürchterlich ungesundem Zustande. So besuchte unlängst ein Parlamentsmitglied ein Backhaus in East-London, in dem er nach 2—3 Minuten Aufenthalt darin fast ohnmächtig htnfiel. Als Juden beklagen sich die Männer, daß sie unter den jetzigen Bedingungen auch ihren rel. Pflichten nicht Nachkommen können. Sie verlaffen die Arbeit am Freitag Abend, aber um 2 Uhr Sonnabend Nachmittag müffen sie wieder mit der Arbeit beginnen. Der Chief Rabbi frug erstaunt: „Was, in jüdischen Geschäften?" Worauf Herr G. antwortete : „Ja, dies geschieht in jüdischen Geschäften." Der Chief Rabbi: „Sind diese Geschäfte am Sonnabend geöffnet?" Herr G. antwortete, daß die Geschäfte zwar geschloffen, aber es werde hinter geschloffenen Läden gearbeitet. Der Chief Rabbi sagte in seiner Antwort, daß er bei nächster Gelegenheit die Backhäuser besuchen werde, um sich zu orientiren. Auch werde er sich mit Herrn Samuel Montagu, Parlamentsmitglied, berathschlagen. Die Deputation dankte und verließ den Chief Rabbi. Wer die Führer und Leiter dieser internationalen Bäcker-Union sind, weiß ich nicht und überlasse es kompetenteren Männern, darüber zu schreiben und berichten. Es wäre wohl wünschenswerth, daß die gesammtcn enropäischen jüdischen Blätter, an ihrer Spitze die jüdische englische Presse, ihre bewährte Theilnahme in der Sache nicht versagen und diesen Fall nicht übersehen. Rumänien. Aus Bukarest wird geschrieben: Wenn von jenen Gegenden die Rede ist, in welchen der arme Jude in Wirklichkeit als das gerade Gegentheil von jenen Schlemmern erscheint, welche in den Hetzpredigten der antisemitischen Weltbeglückungsapostel eine so große Rolle spielen, so muß wohl darunter in erster Linie der District, beziehungsweise die Stadt Dorohoi in der oberen Moldau genannt werden. Wenigstens ist in der Stadt Dorohoi noch immer eine besondere Judenfteuer in Kraft, welche zwar nicht direct die jüdische Bevölkerung, wohl aber jedes von Juden auf den Markt gebrachte oder geschächtete Stück Federvieh trifft. Daß diese Geflügelsteuer, deren Erträgniß für die Erhaltung einer rumänischen Kirche bestimmt ist, weder mit der verfassungsmäßig verbürgten Gleichheit aller Confessionen vor dem Gesetze, noch auch mit dem neuen Gesetze über das Maximum der Gemeindesteuern in Einklang gebracht werden kann, kommt nicht in Frage. Gleichwohl wurde dieselbe von den jüdischen Einwohnern Dorohois einfach deshalb ertragen, weil keiner von ihnen Lust hatte, mit der Polizetgewalt der Primarie in Conflict zu gerathen. Als da aber ein Glaubensgenosse sich herbeilieb, der Primarie von Dorohoi in der Eigenschaft als Accisenpächter auch bet Eintreibung der Geflügelsteuer behilflich zu sein, kam der lange verhaltene Unwille zum Ausbruch. Und zwar war es ein tapferes Schneiderlein, welches, der bekannten revolutionären

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