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Der Israelit · 1893-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1893) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1473 Deine Ehre, das Ansehen, die Zufriedenheit Deiner Frau! Ich sage aber, Schnabel, reize mich nicht! Du kennst mich noch nicht in meinem Zorn, Du weißt nicht, wessen ein gekränktes, mit den Füßen getretenes Weib fähig ist. Und trittst Du mich nicht etwa mit den Füßen? Bin ich nicht einem Schlachtopfer zu vergleichen, das von der rohen Hand seines Würgers zu Boden gedrückt wird, bis es seinen letzten Seufzer aushaucht? Schnabel, Schnabel ich warne Dich! . . . Willst Du in den „Patriotischen Verein" eintreten oder nicht? .. Ja? Na, das wollte ich Dir auch gerathen haben. Das war das erste vernünftige Wort, das Du seit unserer Verheirathung gesprochen hast, und ich hoffe, daß Du Dich unter meiner vernünftigen Leitung noch zu einem brauchbaren Menschen entwickeln wirst. Was man durch Sanftmuth und Güte, durch eine belehrende Unterweisung zu erreichen im Stande ist, das hast Du ja jetzt gesehen. . . Und nun kannst Du schlafen, Schnabel, wenn Du es nicht vorfiehen solltest, Dir gleich einen Plan für Deine zukünftige Wirksamkeit auszuarbeiten." Herr Schnabel zog dies nicht vor. Er versteckte sein Haupt in die Kiffen und lag bald in einem tiefen Schlummer. II. „In der That, meine Gnädigste, ich kann unserm Verein nur Glück wünschen, daß Sie die Güte hatten, die Aufmerksamkeit Ihres Herrn Gemahls auf denselben zu lenken und wir nun die Freude haben werden, ihn als Mitarbeiter zu begrüßen. Ich reiche Ihnen die Hand, mein lieber Herr Schnabel, und danke Ihnen im Namen des Vaterlandes für die freudige Hingebung, mit der Sie sich unserer guten Sache anschließen. „An tüchtigen Männern", sagte noch gestern Exellenz von Brummer zu mir, „thut es Roth und die Regierung wird sich Ihrer im geeigneten Zeitpunkt wohl zu errtnnern wiffen. . . Darf ich mir erlauben, meine gnädigste Frau, auf Ihr ganz spezielles Wohl zu trinken! . . Ja, Gott sei Lob, es giebt noch deutsche Frauen, die ihre Aufgabe kennen, die wiffen, was das Vaterland von ihnen verlangt." Der Hauptmann a. D. von Witzleben ein etwas verwitterter Herr mit einem grauen martialischen Schnurrbart und verschleierten Augen, verneigte sich vor der strahlenden Frau Schnabel und hob abermals sein Glas in die Höhe, um es dann auf einen Zug zu leeren. Herr Schnabel saß neben seiner Gattin auf der Kante des Sophas und drehte in seiner Verlegenheit einen Knopf nach dem andern von seiner Weste ab, da er beim besten Willen nicht Anderes zu thun wußte. Als er vor einer halben Stunde seine Toilette beendet hatte und eben im Begriff war, einen kleinen Morgenspazierung anzutreten, wurde er von seiner Gattin abgefaßt und in den Salon geschoben, wo er sich dem Hauptmann gegenübersah. Da saß er nun, trank hin und wieder ein Glas Wein und drehte an seinen Knöpfen. „Erst kürzlich," fuhr Herr von Wttzleben fort, „hatte ich auf der Soiröe der Gräfin Knobelsdorff Gelegenheit, Ihre unvergleichlichen Tugenden zu rühmen, meine Gnädigste, und die Gräfin hegte den lebhaften Wunsch, Sie kennen zu lernen . . ." „O, sehr gern bin ich bereit, der gnädigsten Frau Gräfin hierzu Gelegenheit zu bieten," fiel Frau Schnabel entzückt ein. „Die Gräfin wird glücklich sein, dies zu vernehmen, hm hm, . . . und ich werde nicht verfehlen, ihr die geeignete Mittheilung zu machen, sobald sie ... hm. . . von ihrer italienischen Tour die sie gestern angetreten hat, zurückgekehrt sein wird. Die Salons der Gräfin find überaus glänzend, und es wird mich glücklich machen, ihnen den schönsten Schmuck zuzuführen, der ihnen bis dahin noch gefehlt hat." „O, o. . . ." stammelte Frau Schnabel. Ihrem Gatten aber warf sie einen Blick zu, der den Inhalt von zehn Gardinenpredigten aufwog. „Stehst Du," sagte dieser Blick, „so werde ich geschätzt, so weiß man mich in den Kreisen der vornehmen, aristokratischen Gesellschaft zu beurtheilen. Das laß Dir aber hinter die Ohren geschrieben sein." „Mein Mann," sagte sie dann, „freut sich außerordentlich darauf, mit Ihnen gemeinsam, Herr Hauptmann, die öffentlichen Angelegenheiten zu erörtern. Ich bin überzeugt, daß Sie ihn mit Ihren werthen Rathschlägen gern unterstützen werden, denn wenn mein guter Schnabel auch über bedeutende Kenntnisse verfügt — (der Rentier machte bei dieser ungewohnten Lobeserhebung ein ganz einfältiges Geficht) — so mag ihm die Uebung doch wohl noch etwas abgehen. Schnabel wünscht aber, alsbald in den vordersten Reihen zu kämpfen, er weiß, was er den Pfeilern des Staates, was er diesem selbst schuldig ist, und da er sich hinsichtlich seiner Vermögensverhältniffe in der angenehmen Lage sieht, seinem Vaterlande seine ganze Zeit widmen zu können, ja, unter Umständen sogar ein Abgeordneten-Mandat zu übernehmen oder in eine unbesoldete Staatsstellung einzutreten, so wird er sich von nun an mtt ganzer Kraft der hohen Aufgabe zuwenden, die er sich gestellt hat."

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