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Der Israelit · 1893-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1893) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 26)
Language
German
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1472 traurigen Muth haben, mir einreden zu wollen, daß in dieser Hinsicht viel an Dir zu verderben gewesen wäre . . . Wie, Du wagst es wirklich, mir zu widersprechen? Durch Grunzen zu widersprechen? Et, so beweise doch einmal, daß Du ein Mann bist, der seinem Weibe etwas zu bieten vermag. Was bin ich eigentlich? Die Frau Schnabel? Ei, das ist mir auch was Schönes? Kannst Du auch nur über den kleinsten Titel, den unscheinbarsten Orden verfügen? . . . O, dieser erbärmliche Tropf! Man bietet ihm die Hand, man will ihn emporheben aus dem Staube seiner jammervollen Bedeutungslosigkeit, aber er ist bornirt genug, diese hilfreiche Hand, die ihm Würden und Ehren zu spenden vermöchte, einfach zu ignoriren, ohne zu bedenken, daß er dadurch einen Raub an mir verübt, einer Frau, die einer hochachtbaren königlichen Beamtenfamilie entstammt und Anspruch auf einen Titel hat, der ihr Stellung und Bedeutung in der Gesellschaft gtebt. Erst gestern hat mir der Herr Hauptmann erklärt, daß es ihm ein Leichtes wäre, Dir den Titel eines Kommisstonsrathes zu verschaffen und noch einen Orden obendrein, aber natürlich mußt Du erst zeigen, daß Du einer solchen Auszeichnung würdig bist, daß Du sie zu schätzen verstehst . . . Freilich, deinetwegen würde sich der Herr Hauptmänn sicherlich nicht anstrengen, aber mein Schicksal jammert ihn, denn er kennt mich als eine gebildete, höherstrebende Frau, und es thut ihm in der Seele weh, wenn er sieht, wie ich bei unserm Kränzchen zwischen lauter Räthinnen, Direktorinnen und Doktorinnen als die Fran Schnabel dasitze — die simple Frau Schnabel, deren Mann nichts ist und nichts kann und in der weiten Welt nicht die Spur von einem Namen hat, als höchstens den eines Saufbruders . . . Wie, Du willst mir wieder eine Komödie machen und durch Dein heuchlerisches Schnarchen den Glauben erwecken, Du wärst eingeschlafen? Sofort stehst Du auf und stellst den Regenschirm dorthin, wohin er gehört... Schnabel, wird es Dir bald gefällig sein?" Der Rentier sah, daß hier jeder Widerstand vergeblich sei, er erhob sich und folgte dem Gebot seiner Gattin. „Daß Du mir nicht die Lampe auslöscheft, Schnabel, denn ich habe noch mit Dir zu sprechen," begann die bedauernswerthe Frau des titellosen Mannes von Neuem. „Leider muß ich meine Nachtruhe opfern, um ein vernünftiges Wort an Dich richten zu können, denn zu einer andern Zeit bist Du ja nicht zu haben. Und wenn Du auch jetzt betrunken bist wie ein Matrose, so werde ich so lange auf Dich einreden, bist Du wieder nüchtern geworden und im Stande bist, mich zu begreifen. Ja, Schnabel, knirsche Du nur mit den Zähnen, es hilft nichts. So lange Du Dich benimmst wie eine Schlafmütze, muß ich Dich auch als solche behandeln, das laß Dir gesagt sein . . . Wie, was Du denn eigentlich thun sollst? In den „Patriotischen Verein" sollst Du eintreten, dessen Vorsitzender der Herr Hauptmann ist. Hervorthun sollst Du Dich dort, Reden halten, die Aufmerksamkeit der Regierung auf Dich lenken, die Freundschaft hochgestellter, adliger Herren gewinnen, und im Allgemeinen zeigen, daß Du es gut meinst mit den Stützen von Thron und Altar . . . Wie, dann müßtest Du ja noch viel mehr ins Wtrthshaus gehen? Da zeigst Du Dich wieder in Deiner ganzen glorreichen Einfältigkeit, Schnabel! Es kommt immer darauf an, mit wem man ins Wtrthshaus geht, und welche Ziele man dabei verfolgt. Wenn Du mit dem Hauptmann Deine paar Flaschen trinkst... Wie, der Hauptmann wäre ein Schuldenmacher, Du müßtest dann die ganze Zeche für ihn bezahlen? Sieh, da offenbarst Du Dich wieder in Deiner ganzen niedrigen Denkungsart. Wenn der Herr Hauptmann a. D. von Witzlebcn Dich der Ehre würdigt, mit Dir Wein zu trinken und diesen Wein von Dir bezahlen zu lassen, wenn er sich herabläßt, hin und wieder ein Darlehn von Dir anzunehmen, so hast Du dafür den Vortheil seiner unschätzbaren Gesellschaft, seiner bedeutenden Konnexionen, durch die Du Dich emporheben kannst aus Deiner gegenwärtigen niedrigen Stellung, die mich dem Gespött der Welt aussetzt. Und sieh, Schnabel, ich meine es ja gut mit Dir als Deine Dir angetraute Gattin. Hat es denn keinen Reiz für Dich, wenn die gute Gesellschaft sagt: Das ist der Herr Schnabel, der intime Freund des Herrn Hauptmann von Witzleben. Und dann: Das ist der Herr Kommisstonsrath Schnabel, der bedeutende Redner und Politiker ... Ja, Schnabel, so wird man von Dir reden, wenn Du meinen Rathschlägen folgst, und während ich mich jetzt Deiner schämen muß, kann ich dann stolz auf Dich sein, und statt gerechte Aeußerungen des Verdrusses, wirst Du nur Worte der Anerkennung von mir hören. Steh, Schnabel, das steht Dir in Aussicht, wenn Du mir folgst, während im Falle Deiner hartnäckigen, unmotivirten Weigerung... nun, Schnabel, Du kennst mich ja... Willst Du also in den „Patriotischen Verein" etntreten? . . . Wie, Dein Freund Nathan würde Dir das übel nehmen, weil der Verein antisemitisch ist? Et, Du Einfaltspinsel! Also dieser alte jüdische Kletderhändler steht Dir höher als der hochgeborne Hauptmann von Witzleben, höher als Deine Zukunft,

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