Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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21. Sept. 1893.] Mr. 11. Auf Aefehk Ein Ehe- und Wehe- I. Es war gegen Mitternacht, als der Rentier Heinrich Schnabel in Begleitung seines alten Freundes David Nathan das Gasthaus zum „Kranz" verliest, um den Heimweg anzutreten. An der nächsten Straßenecke, wo sie sich trennen mußten, blieben sie noch einige Minuten stehen, um dies und jenes zu erörtern, obwohl sie im Laufe des langen Abends eigentlich Zeit genug zu einer erschöpfenden Aussprache gefunden hatten. Herr Schnabel, dem der reichlich genossene Wein nicht unbedeutend zu Kopf gestiegen war, befand sich in der besten Stimmung und hatte immer noch etwas zu erzählen, und Nathan war gutmüthig genug, seinen nicht gerade sehr wichtigen Auseinandersetzungen willig Gehör zu schenken. Endlich trennten sie sich mit kräftigem Händeschütteln. Je näher Herr Schnabel seiner Wohnung kam, desto zögernder wurden leine Schritte. Er hatte einen so schönen Abend im Kreise seiner Freunde verlebt und wollte die Erinnernng an die gemütlichen Stunden so lange wie möglich festhalten. Ob ihm dies in seiner Wohnung möglich wäre, erschien mehr als fraglich. Seine Gattin pflegte ihn auch zu so später Stunde zu erwarten, und die Unterhaltung, die sie dann mit ihm anknüpfte, trug nicht immer zur Erheiterung seines Gemüthes bei. So leise, wie es einem Manne, der seine drei Flaschen Rheinwein getrunken hat, nur immer möglich ist, stieg er die Treppe hinauf, und mit äußerster Vorsicht setzte er den Schlüssel in Bewegung. Die Thür knarrte nicht sehr erheblich, und abgesehen davon, daß Schnabel einen Kleiderder Kattin. -Bild von C. Andreas. ständer umwarf, der im Fallen nur einige Scheiben der Küchenthür zertrümmerte, kam er ziemlich geräuschlos durch den Korridor und einige Zimmer in das Schlafgemach. Hier brannte die Lampe noch, aber seine Gattin — wie gnädig erweist sich doch der Himmel mitunter den armen Sterblichen! — war bereits zu Bett gegangen und lag anscheinend in festem Schlummer. Außerordentlich befriedigt über diese Wahrnehmung entledigte Herr Schnabel sich seiner Kleider und suchte ebenfalls sein Lager auf. Aber kaum hatte er die Augen geschlossen, als die scharfe Stimme seiner Gattin an sein Ohr drang: „Schnabel!" Er gab keine Antwort. „Schnabel! habeich gesagt . . . Unterlaß doch diese elende Komödie, denn ich weiß ja, daß Du noch nicht schläfst. Erkläre mir doch lieber, ob es Dein wohlerwogener, festgefaßter Entschluß ist, künftig stets mit dem Regenschirm zu Bett zu gehen . . Herr Schnabel erbebte. Er hatte in der That, wie er sich jetzt überzeugte, in einem Augenblick unbegreiflicher Verwirrung sein altes Paraplue neben sich ins Bett gelegt und hielt es innig umschlungen. „Schnabel," fuhr seine Gattin fort, „Du wirst mir zugeben, daß Deine wahnsinnige Absicht, mit einem Regenschirm schlafen zu gehen, von einer Zerrüttung Deiner geistigen Kräfte zeugt, die allerdings durch Deinen ausschweifenden Lebenswandel hinlänglich erklärt wird. Dieses ewige Wirthshausleben müßte ja einen geistig kräftigen Menschen ruiniren, und Du wirst doch wohl selbst nicht den