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Der Israelit · 1893-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1452 10 u. 8/„ haben angenommen, 9 u. 3/a haben verworfen. Diese Formel bietet einige Vortheile. Erstens läßt sie uns auf den ersten Blick das Verhältniß der Stimmabgabe der ganzen Kantone zu demjenigen der Halbkantone erkennen, was z. B. bei der Formel 11 V,: 104/2 nicht möglich ist. Wir ersehen betreffend die Abstimmung über die Initiative aus der Formel 10 u. */*: 9 u. 3/2, daß die Halbkantone sich gegenseitig aufheben, während 1 Ganzkanton durch sein Votum den Ausschlag gibt. Zweitens entspricht die angegebene Formel auch besser dem Alinea 2 des Art 123 der Bundesverfassung, welches allerdings bestimmt, daß bei Ausmittlung der Mehrheit der Kantone die Stimme eines Halbkantons als halbe Stimme gezählt wird, jedoch von einer „Addition dieser halben Stimmen zu ganzen Stimmen" nichts sagt. Drittens ist die angegebene Formel jedenfalls logischer und den thatsächlichen Verhältnissen angemessener als die bisher beliebte Addition der halben Stimmen, denen wenn z. B. Basclland, Obwalden und Jnnerhoden sich zur Annahme aussprechen, so wird das Resultat immer 2/3 Stimmen und nicht l1/2 Stimmen sein, eine Bezeichnung, die man überdies in Anbetracht, daß auch die Halbkantone souverän sind, denselben schuldig wäre. Amerika. New-Uork. Herr Stöcker, welcher in Folge einer Einlaoung smarter Bankers sich auf der Chicagoer Weltausstellung produzirten wird, scheint in der neuen Welt, wo er vor einigen Tagen etngetroffen ist, nicht sehr freundlich empfangen zu sein. Die Newyorker Staatszettung vom 2. September schreibt: „Pastor Stöcker, der Original-Judenfresser, kommt nächste Woche hier an. Wenn der Mann herüberkommt, um zu agitiren, dann wird er hier nur wenig Sympathien finden — wir haben momentan am eigenen Agitationsmatertal genug und mehr als genug zur Hand. Wir brauchen momentan Apostel der Nächstenliebe und Duldsamkeit, nicht Prediger des Neides und Hasses." Feuilleton. Tante Golde, «hw- Novelle von R. Litte«. (Fortsetzung.) Endlich, es war mittlerweile Abend geworden, hatte sich der Schwarm verlaufen, das Abendessen war vorüber und Martha eben im Begriff sich wie in ihren Kindertagen auf das Schemelchen zu Tante Golde's Füßen niederzulassen, als es wieder an die Thür pochte. „Wer kloppt da noch? Hätt' garnischt Zeit gehabt bis morgen?" brummte die Hausfrau, die ihr Marthchen nun endlich für sich allein haben wollte, verdrießlich, machte aber sofort ein sehr freundliches Gesicht, als ein untersetzter junger Mann in's Zimmer trat und ein Blumenstrauß in der Hand, sich Martha näherte. „Sie entschuldigen, Fräulein Friedheim, daß ich erst jetzt erscheine. Ich hätte Ihnen meinen Glückwunsch schon gerne früher abgestattet, aber Sie wissen doch: erst's Geschäft, dann das Vergnügen." Er lachte schallend wie über einen ungeheuren Witz und reichte dann auch Tante Golde die Hand. „Hab' ich nicht recht, Frau Finkelstein? Wir beide wissen Bescheid, wir verstehen uns. Ueberhaupt: zwei Seelen und ein Gedanke, zwei Herzen und ein Schlag, sagt Schiller." ' Er lachte, daß sich sein volles Gesicht unter dem fast kahl geschorenen röthlichen Haupthaar dunkel färbte, und setzte sich, noch immer lachend, auf einen Stuhl. „Ich darf mich doch setzen, meine Damen? Ich habe nämlich die kühne Idee mich Ihnen ein Stündchen zu widmen! Widmen ist gut, was? Wenn Sie mich rächt wollen, müssen Sie mich Hinauswersen, von selbst gehe ich nicht. Wissen Sie, wie der Geschäftsreisende in den Fliegenden: „Warum gehen Sie nicht zum Donnerwetter, Sie haben doch gehört, ich gebrauche nichts!" „Weil ich gewöhnt bin rausgeschmissen zu werden! Brillant, was, Fräulein Martha? Ausgezeichnet, die Geschichte!" Das junge Mädchen setzte die Blumen, welche sie in eine kleine Vase gestellt, auf den Tisch und meinte gleichmüthig: „Aufrichtig, Herr Lesser, hat dergleichen wenig Interesse für mich. Ich glaube, ich sagte Ihnen das bereits bei meinem letzten Hiersein." Der Angeredete richtete seine kleine gedrungene Gestalt, die sich höchst modern im kurzen Jaquet und faltigen, kleingewürfelten Unaussprechlichen präsentirte, strammer auf. „Aber erlauben Sie, Fräulein Friedheim, alles zu seiner Zeit. Ich bin gewiß auch kein Unmensch und sehr für Bildung und was drum und dran hängt — ich wollte ja eigentlich studiren, Rechtsanwalt wie mein Bruder- Eugen" — er schlug sich leicht auf die Brusttasche seines Jaguets — ,,hab' wieder Brief gehabt, Frau Finkelstein, es geht ihm brillant in dingsda Krone, Bombengeschäft! — aber der Ordinarius von Quarta hatte nun einmal solche Abneigung gegen das auserwählte Volk, na sprechen wir nicht darüber! —

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