Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1893) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448387--37133-2485185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1449 Schild und Panzer find die Treue gegen Ihn." (Ps. 91, V. 4.) Wer Mizwas Sukkoh in dieser Welt erfüllt, wer sie nicht auf die sieben Festtage beschränkt, sondern ihren Geist in dieser ganzen sinnlichen, aufs Materielle gegründeten und gerichteten Welt walten läßt, den hält diese Welt für einen Thoren! Diese Welt verneint die Wahrheit, daß der Mensch nicht nur vom Brod, sondern von dem Ausspruch Gottes lebt. Sie hängt so fest am Brod, daß ihre höchsten Probleme, die sie gegenwärtig beschäftigen, die sozialen Fragen, thatsächlich nur Magenfragen sind. Diese Welt hält vom Gottesschutz wenig und vom Menschenschutz sehr viel. Sie ruht auf ungezählten Bataillonen, auf gezogenen Kanonen, auf aufgepflanzten Bajonetten, sie ist eingeschnürt in einen eisernen Panzer, der sie zu erdrücken droht und der trotzdem täglich noch an Schwere zunehmen muß, wenn sich die Völker dieser Welt nicht gegenseitig zerfleischen sollen. Große, glänzende Fortschritte des menschlichen Geistes hat diese Welt zu verzeichnen, aber sie stehen sämmtlich im Dienste des Brodes. Die Erfindungen, Empfindungen und Regungen, die höheren Zielen dienen möchten, müssen stch mit dem Legirstempel der Nützlichkeit versehen, um Eingang bei ihr zu finden. Diese Welt lacht daher über die Hüttenbauer, die weitab von der großen Heerstraße, den Schutz, die Freude und das Lebensglück finden, nach dem sie in ihrer Rennbahn rastlos jagt, ohne es zu erreichen. Für dieses Hüttenglück hat diese Welt kein Verständniß. Sie wird noch viele fehlgeschlagene Erwartungen, viele harte Enttäuschungen, viele heiße Kämpfe zu verzeichnen haben, bevor sie den jüdischen Hüttenbewohnern die Hand reicht, um gemeinschaftlich mit ihnen das Hüttenfest zu feiern. Die jüdische Hütte selbst werden noch schwere, ihren Bestand scheinbar gefährdende Kämpfe umtosen. Aber das alles wird die jüdischen Menschen nicht beirren, zuversichtlich dem Morgenroth jener Zeit entgegenzuhoffen, in welcher die Gegensätze sich ausgeglichen und die von Wahn und Vorurtheil Befangenen sich zu dem großen Hüttenfeste zusammenfinden, das die Scheide zwischen dieser und der künftigen Welt markirt. In der Sukkoh aber empfinden ihre beglückten Jnsaffen schon heute eine Vorahnung jener Zeit, in welcher der Allmächtige die einzufallen drohende Davidshütte aufrichten und sie allen seinen Menschenkindern einräumen wird. — Das sind ihnen keine erträumten utopischen Ideale, das alles ist ihnen nichts als die Verwirklichung der Wahrheit, die dem ersten Juden bereits geläufig war und die ihnen deßhalb keine Vergangenheit, keine Gegenwart und keine Zukunft zu rauben vermag. Als der erste Jude mit dem frischen Bundeszeichen der Jsolirung an der Thüre seines Zeltes nach fremden Menschen — nicht Juden — spähte, um sie mit inniger Bruderliebe in sein Haus aufzunehmen, als er dann so glücklich war, drei vermeintliche Araber unter dem Laubdach seines Baumes als Gäste zu bewirthen — damals hat der Vater der Menschheit ihr sein Hüttenfest zugesagt, dessen Geist alle Menschen zu verbrüdern berufen ist. rrapn "idn ,rüiD nr6 nryr pyn rinn uyrni y-nD 'jNt? , pyn nnn uyrm moN nnt< omaNb py r-© , Na1? -rny^ , antra , -moa yssh yjo H21? Tnyi? , O'v' rayar Dm r-iv'va , po pNa itö 'e> naa rwtra amo) anno dd'i'* bsb rrnn roioi . (td nw tot Wie feindlich stch daher auch die Zetten dem Sukkohsgeiste und seinen Trägern entgegenftellen mögen, ihre Insassen lassen keine Hoffnungslosigkeit und noch weniger eine Verbitterung aufkommen. Der Gott, dessen Sterne aus der Höhe in seine Hütte niederstrahlen, der Gott sorgt dafür, daß er, wenn erst die Stunde gekommen, nicht länger verkannt werde und daß sich alle Menschen als Brüder in seiner Hütte wiederfinden. naiDn nrvN D"pnnrD d^n t^rorra ynu tio’x an , nheun in roiD na o’j?n Ninn □,,o rmi aox:r . naiD oVra vn ZeitrrngSrrachrichte« und Correspouderrze«. Deutschland. Berlin, 14. September. Nach Ankündigungen antisemitischer Blätter und auch der „Kcenzzeitung" soll der Reichstag in der bevorstehenden Session auf Anregung aus dem Hause heraus mit umfaffenden Erörterungen über die Judenfrage stch zu beschäftigen haben. Die Conservattven werden ihren schon in der letzten Session des aufgelösten Reichstags eingebrachten, damals aber nicht zur Verhandlung gekommenen Antrag wieder einbringen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem Israeliten, die nicht Reichsangehörige sind, die Einwanderung über die Grenzen des Reichs untersagt wird. Von antisemitischer Seite scheinen Anträge zu einer systematischen Regelung der Judenfrage vorbereitet zu werden. Die Antisemiten sind seit ihren jüngsten Wahlerfolgen stark genug, die Vorschrift der Geschäftsordnung für die Einbringung von Anträgen für sich allein zu erfüllen; sie werden ohne Zweifel das Bedürfniß und die Verpflichtung fühlen, zu zeigen, daß sie etwas leisten können. Die „Kreuzzeitung" ist überzeugt, daß sich für eine „verständige Judengesetzgebung" eine Mehrheit im Reichstag finden wird. Sie rechnet dabet auf das Centrum,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.