Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 75 (18.9.1893)
- Date
- 1893-09-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1432 Stelle eines Oberraths der Israeliten, 3. Die bessere Ausbildung der Lehramts-Candidaten beim iSr. Landcsstift. In Betreff 1 wurde in fast einstimmiger Meinung daran festgehalten, die hohe Staatsrcgierung solle ersucht werden, daß das neu zu wählende Mitglied eines Konferenz-Rabbinen der strenggläubigen Richtung angehören solle, indem von den Mitgliedern des Oberraths die beiden anderen geistlichen Mitglieder, die Gemeinden der Herren Rabbinen von Mannheim und Heidelberg, im Gottesdienst zur radicalsteu Neologie von den isr. Landesgemeinden zählen; die übrigen Mitglieder des Oberraths, die Hrn. Bielefeld und Dr. Ladenburg nicht zu den strenggläubigen Israeliten zählen; das weitere Mitglied Hr. Kaufmann, ist Schwiegervater des Rabbinen von Heidelberg. In Betreff Punkt 2 ist der Großh. Oberrath Hr. Willstädter ein hochbetagter Mann, welcher, wie erwähnt wurde, in seiner Stellung jetzt schon der Hilfeleistung benöthigt wäre. Was endlich Punkt 3 betrifft, wurde konstatirt, daß die Zöglinge des Landesstifts nicht sehr gut ausgebildet sind, welche Wahrnehmung vielseitig gemacht wurde, was von derartigen Anstalten in Köln, Burgpreppach, Würzburg und Schwabach nicht gesagt werden könne. Auch besorge der Anstaltsdirektor gleichzeitig das Sekretariat des Großh. Oberraths, was sehr mißlich sei, und benütze er zu wenig und ungeeignete Zeit zum Unterricht. Man strebt im Ganzen genommen darnach, daß die Religion und das Wissen mehr denn bisher gepflegt werde, denn nur wenn, wie betont wurde, nicht das Gesetz, die Thora, der Leitstern sei, alsdann werde der Egoismus, die Genußsucht und die Unsittlichkeit emporwuchern, deßhalb sei es nöthig, daß wir in religiösere Bahnen einleiten, was auch die hohe Staatsregierung sympathisch begrüßen dürfte. — Zufällig wurde gleichzeitig vom Synagogenrath Karlsruhe eine Versammlung einberufen. Auf der Tagesordnung stand unter anderem: 1. Die Städte Mannheim und Karlsruhe sollen für die Folge befugt sein, ihre Rabbinen ohne Zustimmung des Oberraths wählen zu dürfen. 2. Sollen keine ausländische Rabbinen mehr im Lande zugelassen werden. Was Punkt 1 betrifft, wird wohl die hohe Staatsregierung ihre Zustimmung hierzu versagen. Bisher stand der Oberrath mit dem Großh. Ministerium in Berührung und die hohe Staatsregierung hatte daran Interesse, über die zu Wählenden ihre Zustimmung zu geben und zu versagen. Auch ist nur der Großh. Oberrath und kein Laie im Stande, prüfen zu können. Punkt 2. Den jetzigen Mitgliedern des Synagogenraths der Gemeinden Karlsruhe und Mannheim ist vielleicht unbekannt, daß der hochgelehrte und durch seine Frömmigkeit hervorragende Verfasser des! j „Korban Nassannel", der Oberrabbiner Rathaniel Weil aus Prag berufen wurde, der sich solch großer Beliebtheit sogar beim damaligen Markgrafen Karl Friedrich erfreute, daß sogar dessen Leiche, welche von Rastatt nach Karlsruhe getragen wurde, durch ein Ehrengeleite begleitet wurde, und der gleichen Hochachtung erfreute sich sein Sohn, Oberrabbiner Tias Weil, bei dem nachmaligen Großherzog Karl Friedrich und im ganzen Lande. Und über den weggezogenen Dr. Schwarz, welcher ebenfalls Ausländer gewesen, hatte man von seinen eigenen Gemeindemitgliedern nur mit der größten Hochachtung sprechen hören. Daher wären beide Anträge zu verwerfen. Oester.-Ungar. Monarchie. Wie«, 8. September. In ungemein festlicher und würdiger Weise wurde heute Vormittag die Schlußsteinlegung und Einweihung des neuen israelitischen Tempels in der Leopoldftadt vollzogen. Der imposante neue Kuppelbau, welcher sich in der Leopoldgasse erhebt, trug aus diesem Anlasse reichen Fahnenschmuck in den Farben des Reiches, des Landes, und der Stadt. Kurz vor 10 Uhr fanden sich in rascher Folge ein: Statthaltereirath Baron Marx, Vice-Bürgermeifter Dr. Grübt, Polizeirath Wachler, Reichsraths - Abgeordneter Dr. Bloch, mehrere Gemeinderäthe. Bezirksvorsteher Mumb mit mehreren Bezirksausschüssen, der Vice Präsident der Cultusgemeinde, Gemeinderath Simon, Abordnungen der türktsch-israeliiischen Gemeinde in Wien und zahlreicher auswärtiger Cultusgemetnden. Der Obmann des Baucomitss, Herr Ignaz Zolles, gedachte in seiner Begrüßungsansprache der Unterstützung, deren sich das Somit« seitens des Monarchen zu erfreuen hatte, hob die großen Verdienste des Baurathes Wilhelm Stiaßny um den Bau des Tempels hervor und übergab sodann das Gebäude der Obhut des Vereins „Beth Israel" dessen Obmann Herr S. Meisels dem Comits warmen Dank sagte. Es folgte hierauf eine Ansprache des Herrn Dr. Felix Hönigsmann, in welcher derselbe betonte, daß die Juden überall dort, wo ste das Heimathsrecht besitzen, ein warmes Gefühl für das Vaterland empfinden und bethätigen. Der Redner dankte dem Ftnanzminister Dr. Steinbach und dem Statthalter Grafen Kielmannsegg für die freundliche Gestattung der Lotterie zu Gunsten des Tempelbaues, worauf die Versammlung in stürmische Hochrufe auf diese beiden Funktionäre ausbrach. Nach der Verlesung der Ukrunde erfolgte die Vermauerung derselben durch zwei in altdeutsche Tracht gekleidete Maurer. Der geistige Schöpfer des Tempels und Ehrenpräsident Baurath Stiaßny that sodann die üblichen drei Hammerschläge; in der Ansprache, welche diese Ceremonie begleitete, < i;!! < 5 \ l Jj ( 1 I \ l l I f e ( r < (i i