Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 75 (18.9.1893)
- Date
- 1893-09-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1427 harmlosen Artikel besinnen. Der zweite Fall trug dem vielgequälten Manne weitere 60 Mark Strafe ein. Sie wurde ihm wegen Verbreitung des anonymen Flugblattes „Die Güterschlächterei in Hessen, Flugblatt Nr. 4 des mitteldeutschen Bauernvereins" zudiktirt. In diesem Flugblatte, welches ein purer Abklatsch des bereits 1887 in Nr. 1 des „Reichsherold" abgedruckten Aufsatzes von Dr. Böckel gleichen Titels ist, wurde insbesondere gegen Aron Nnßbaum aus Rotenburg behauptet, er habe nachweislich zwölf Bauern ausgeschlachtet. Dieser hatte daraufhin Klage erhoben. Gegen Böckel hatte N. seiner Zeit versäumt, gerichtlich vorzugehen. Die vollkommene Unwahrheit der Behauptungen des Flugblattes war aber inzwischen vom Abwehrverein nachgewiesen worden. Bei seiner Vernehmung hat nun G. nicht einmal versucht, die Wahrheit jener Anschuldigung zu beweisen. Das heutige Urtheil wird nun wohl dem Unfug, den die Antisemiten bisher unbehelligt mit den falschen Güterschlächterlisten getrieben haben, ein Ende machen, leider nicht auch dem Unheil, das sic damit angerichtet haben. An dritter und letzter Stelle wurde wegen einer schweren Ehrenkränkung, die dem Baron v. Suttner in Wien in einer Wiener Correspondenz des „Reichsherold" zugefügt war, verhandelt. G. hatte die Angelegenheit bereits über mehrere Termine htnausgezogen und später den Beweis der Wahrheit mit durchaus negativem Erfolge angetreten, bei der letzten Vernehmung aber wieder seinem früheren Brodherrn Böckel die ganze Verantwortung aufgebürdet. Dieser soll hinter G.'s Rücken die Correspondenz in den „Reichsherold" gebracht haben. Behufs Prüfung dieser Behauptung soll Böckel selbst in einem neuen Termine vernommen werden. Der Anwalt des Baron v. Suttner hat 150 Mark Geldstrafe und Veröffentlichung des Urtheils seinem ganzen Wortlaute nach in der Wiener „Neuen Freie Presse" auf Kosten Georg's beantragt. Die neue Verhandlung findet in vierzehn Tagen statt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Die hiesige aut. orth. Israelitengemeinde hatte am ersten Tage Selichot ihren Ehren- und Freudentag. Es ist der kleinen, aber sehr rührigen und überaus opferfreudigen Gemeinde gelungen, auf dem Neuen Marktplatze ein neues Betlokal und in Verbindung damit ein Beth-Hamidrasch zu errichten. Mit der Einweihung dieses kleinen, aber sehr netten Heiligthums, wurde seitens des Gemeindevorstandes der hiesige Oberrabbiner Koppel Reich betraut, welcher diesen ehrenden Auftrag gern und willig in Ausführung brachte. Den Glanzpunkt der erhebenden Feier bildete die meisterliche Weihrede unseres als glänzenden Redner berühmten und gefeierten Oberrabbbiners. Anknüpfend an das Psalmwort: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Ewiger der Heerschaaren" schilderte der gelehrte Rabbi in geistvoller Weise die Bestimmungen eines jüdischen Lehr- und Bethauses. Er belobte den Eif.'r und die Thatkraft seiner Gemeindemitglieder und ermahnte dieselben unentwegt und unaufhörlich dem Dienste Gottes sich zu weihen und in ihrer Mitte die Gotteslehre stets zu hegen und zu pflegen. Wir, und ganz Israel gehen jetzt ernsten Zeiten entgegen, der Gott Israels aber wird uns in seiner Barmherzigkeit sein Heil und seine Gnade zürnenden! . . . Das Bethaus enthält 150 Sitzplätze und dient dazu einem dringenden Wunsche strenggläubiger Juden nach einer, den jüdischen Satzungen vollkommen entsprechender Betstätte gerecht zu werden. Gottes Segen ruhe auf diesem Hause! D. H. 8. Rußland. Rußland. Im „Woskhod" ist zu lesen: Ein christlicher Arzt, Herr Potchataref, Mitglied der medizinischen Gesellschaft Smolensk, hat diese darum ersucht, bet den städtischen und allgemeinen Behörden der Provinz einzukommen, damit keine weiteren jüdischen Aerzte als Kommunal- und Bezirksärzte zugelassen würden. Dieses merkwürdige Gesuch ist in der Versammlung sehr kühl ausgenommen worden. In der letzten Sitzung der Gesellschaft wurde der Schritt des Herrn Potchataref sehr lebhaft angegriffen. Der Präsident beantworte auf das energischste diese antijüdischen Neigungen, „die in ein anderes Zeitalter gehören." — „Die jüdischen Aerzte können nichts für ihre Geburt," sagte er, „ich habe sie auf dem Schlachtfelde, wie auch während der letzten Choleraepidemie beobachtet, überall erfüllten sie ihre Pflicht. Es ist sehr betrübend, daß confessionelle Anfeindungen bis in einen Verein dringen, dessen einziger Zweck ist: Kranken zu helfen." Petersburg, 3. Sept. Der Kriegsminister hat der „Petersb. Ztg." zufolge die Verfügung getroffen, daß unverzüglich zur Ausweisung der Juden geschritten werde, welche aus dem Kubau- und Terek-Gebiete entfernt werden sollen, ohne Ansehung ihrer Profession. Sie sollen sich schriftlich verpflichten, daß sie binnen Monatsfrist die Gebiete verlassen. Diejenigen Juden, denen die Gebietchefs einen Aufschub bewilligt, haben die Gebiete binnen vier Monaten zu verlassen. Es soll streng darauf gesehen werden, daß keine Verschlcppungen eintreten. — Jüdischen Provisoren ist verboten worden, sich im Kubau- und Terek-Gebiet niederzulassen. P a l ä ft i n a. Palästina. Ueber die Apfelsiu.nzucht dahier enthält der soeben veröffentlichte Bericht des englischen Konsuls in Jaffa interessante Daten. Die Jaffa-Apfelsinen haben sich wegen ihres ausgezeich.