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Der Israelit · 1893-09-18 · Heft 75 (18.9.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 75 (18.9.1893)
Date
1893-09-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1426 lose Greise, bk das 70. Lebensjahr überschritten haben, werden von der Ausweisungsmaßregel nicht betroffen werden, ohne daß aber die Wohlthätigkeits-Jnstitutionen derWohnorte derbelreffen den Greise zur Unterstützung derselben verpflichtet sein werden. Haynau, 5. Sept. Heute Nachmittag 2 Uhr fand Hierselbst die feierliche Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Zu dieser Feier waren erschienen die Rabbiner Dr. Peritz-Ltegnitz, Dr. Freund-Görlitz und Dr. Rtppner-Glogau, ferner die Mitglieder des Vorstandes der Hauptgemeinde Liegnitz, sowie Vertreter der hiesigen königlichen und städtischen Behörden, der Geistlichen und Lehrer und fast die gesammte hiesige jüdische Gemeinde. Eröffnet wurde die Feier durch einen Gesang des Liegnitzer Tempelchores, nach welchem Herr Dr. Peritz ein erhebendes Weihgebet sprach. Diesem folgte der Gesang des 24. Psalms und die feierliche Einholung nnd Aufbewahrung der Gesetzesrollen. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Peritz die Festpredigt. Nachdem noch Rabbiner Dr. Rippner ein inniges Gebet für Kaiser und Reich gesprochen hatte, fand die Feier in einem Chorgesang ihren Abschluß. — Nachmittags 5 Uhr vereinigten sich die Festtheilnehmer zu einem Diner in „Schmidts Hotel", bet welchem Rabbiner Dr. Rippner das Hoch auf den Kaiser ausbrachte. — Das neue Gotteshaus, zu welchem am 22. Juni vorigen Jahres der Grundstein gelegt wurde, ist ein schlichter Rohbau mit Kuppeldach und faßt ungefähr 150 Personen. Das Innere ist geschmackvoll ausgeftattet und mit Gasbeleuchtung und Gasheizung versehen. Erbauer ist der Maurermeister Otto Weikert Hierselbst. Die hiesige jüdische Gemeinde ist Filial-Gemeinde von Liegnitz und zählt gegenwärtig 32 Familien mit reichlich 100 Seelen. Bis jetzt wurden die Gottesdienste in Betstuben abgehalten. Danzig, 6. Sept. (Schächten von Schlacht« thieren.) Der Regierungspräsident in Marienwerder hat verfügt, daß die erlassene Polizetverordnung vom 14. Juni d. I., betreffend das Tödten von Schlachtthieren, auf das Schächten nach jüdischem Ritus keine Anwendung findet. Die Polizeibehörden Regierungsbezirks Marienwerder sind vom Regierungspräsidenten mit entsprechender Anweisung versehen worden. Aus Württemberg, 12. Sept. Einiges Aufsehen erregt eine Veröffentlichung des antisemitischen Landesausschusses für Württemberg, wonach Herr Victor Welcker, der bisherige Führer der Antisemiten, am 7. Mat d. I. aus der Partei ausgeschieden ist. Trotzdem hat aber noch im Juni genannter Herr Welcker als antisemitischer Kandidat in einem hessischen Wahlkreise fungirt. Die Württembergischen Judenhetzer wollen sich der Firma Böckel übrigens nicht anschließen, sondern als „selbstständige württembergtsche Partei" ihr Geschäft weitertreiben. Gotha, 3. Sept. Das „Goth. Tagbl." berichtet: Anfang dieser Woche betrat ein kräftig gebauter, dürftig gekleideter Mensch, an dessen äußerer Erscheinung aber sonst nichts auszusetzen war, das Haus eines hiesigen israelitischen Viehhändlers mit der bekannten Bitte um eine kleine Gabe, wenn möglich uur etwas Mittagsessen. Letzteres wurde ihm reichlich gewährt, und der Petent sprach demselben wacker zu. Vom Hausherrn befragt, welchem Berufe er angehöre, erwiderte der Fremde, er sei Drechsler, könne aber trotz aller Bemühungen keine Arbeit bekommen. Wohlmeinend wurde ihm auf die in Form einer Klage gemachte Mittheilung von Seiten des Erste« ren das Anerbieten gemacht, so lange in seine Dienste zu treten, bis sich Arbeit finde, und zwar gegen vollständige freie und gute Station und 5 Mark baar pro Woche. Trinkgelder seien nicht ausgeschlossen. Scheinbar freudig ging der stämmige Drechsler auf diesen Vorschlag ein, benahm sich auch anstellig bei den ihm aufgetragenen Arbeiten und suchte sich am Abend nach den ausgestandenen Reisestrapazen innerlich und äußerlich zu restauriren. Nach der Rückkehr von einer am anderen Tage unternommenen Reise fand jedoch der Geschäftsinhaber seinen neu engagirten Viehwärter nicht mehr vor. erhielt aber am zweiten Tage über dessen Verschwinden, sowie über dessen Persönlichkeit durch eine von auswärts eingehende Postkarte folgenden Inhalts hinlänglichen Aufschluß: „Merken Sie sich, daß ich Drechsler bin und bei keinem Juden dasVieh füttere. Ueberhaupt sind Sie ein-" hier folgen die unfläthigsten, gemeinsten Schimpfworte für den Mann, der dem Fremden nur Gutes erwiesen, nachdem dieser bittend seine Hilfe in Anspruch genommen. Marburg, 31. Aug. Gegen den ehemaligen Redakteur des „Reichsherold", Georg, zur Zeit Redakteur in Nordhaufen, der, beiläufig gesagt, inzwischen aus einem Böckeltaner ein Stöckerianer geworden ist, standen nicht weniger als drei Beleidigungsklagen auf der heutigen Speisekarte des hiesigen Schöffengerichtes. Sämmtlich stützten sie sich auf Artikel des „Reichs'ierold". Die erste betraf die Beleidigung des Landbürgermeisters Mengel in Roßberg und wurde auf Antrag des Amtsanwaltes mit 20 Mark geahndet. Vergeblich hatte G. bei seiner Vernehmung in Nordhausen versucht, seinem bisherigen Meister alle Schuld in die Schuhe zu schieben. Dieser konnte sich weder auf den Verfasser, noch auf den seiner Meinung nach ganz

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