Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-09-18 · Heft 75 (18.9.1893) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 75 (18.9.1893)
Date
1893-09-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448386--37108-2485159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1425 uns fein Zwang zur Hebung des Guten und des Schlechten. Gott ist daher, wie sein anderer Name — — uns sagt, der Vollzieher der y*in mo, der nach dem Maße des Rechts unser Thun und Lassen bemißt und unser ganzes Lebensgeschick danach bestimmt. Daß Gott vpb» ist, daß er den Maßstab des Rechts an unsere Handlungen legt und sie danach entscheidet, dieser Umstand allein zeugt für die menschliche Willensfreiheit, wie sie uns unbeschadet seiner Allwissenheit von ihm selber garantirt ist. Im Laufe des Jahres mögen manche, mögen viele in der Unlösbarkeit dieses Widerspruchs einen Freibrief für ihre Ungebundenheit erblicken. Aber am Tage der Versöhnung, wenn wir uns aus der Welt mit ihren Werktagssorgen, aus dem Leben mit seinen Reizen und Genüssen zu Ihm, zu unserem über alles irdische Getriebe »ty^i *6*6 himmelhoch erhabenen himmlischen Vater flüchten, da ahnen wir es, daß dieser Widerspruch bet Gott seine Lösung gefunden, daß er in Wirklichkeit gar nicht existirt, wenn er unserer beschränkten Fassungskraft auch noch so jäh entgegenklafft. Wir sagen es uns: bei Gott find diese Widersprüche gelöst. Zwischen der Gotteswaltung, die sein Name 'n bezeichnet und seine Allwissenheit zum Ausdruck bringt und zwischen der Rechtswaltung Gottes, die sein Name ausdrückt und unsere Willensfreiheit zur selbstverständlichen Voraussetzung hat, kann kein Widerspruch bestehen. Bevor uns daher der Jom Kippur wieder ins Leben entläßt, möchte er uns diese Wahrheit unverlierbar mit hinaus in das Gewühl des Tages geben. Deßhalb lautet der Scheidegruß des Jom Kippur, welchen er uns in der Neilestunde für das neu zu beginnende Leben nachruft: *in» 'n '» 'n yo» „Höre es Israel, Gott in seiner Allwissenheit und Gott inseinerRechtswaltung bilden eine harmonische Einheit!" Und nun mag das Leben mit seinen Sorgen und Gefahren, mit seinen Reizen und Genüssen an uns herantreten., es findet uns gewappnet und gefeit gegen alles, was Leidenschaft und Täuschung gegen unsere nun gefaßten Lebensvorsätze ins Treffen führen wägen. »P p yuta> nd’tpni tony Ti m ('na *p riaiD) *131 jnn H tr nmtp Siebenfach sind die Formen, in welchen die Leidenschaft sich kleidet um den treuen, festen Sinn des Menschen zu berücken. Siebenfach klingt daher der Scheidegruß des Jom Kippur in das neue Leben hinein, und will uns damit gegen Me Reize der Verführung wappnen, die im Laufe des lange« Jahres an uns herantreten werden. 'n »in 'n GotteS Allwissenheit widerspricht seiner Rechtswaltung nicht nur nicht, fie ist der Boden auf dem sie stch erhebt. Und wenn Jemand die Seltchsszeit, die Roschhaschono- und Teschubatage, wenn Jemand den Jom Kippur selbst gedankenlos und gleichgiltig verlebt hätte, der letzte Hauch des scheidenden heiligen Tages ruft mit der Wahrheit '» »in 4n jeder jüdischen Seele die Mahnung zu: IJiya o '» *n ny V»ir* naw Kehre Israel zurück, zu Gott, dessen Allwissenheit dein Zeuge, zu Gott, dessen Gerechtigkeit dein Richter ist. Es waltet kein Zwang, keine Macht und kein Einfluß über dir, der dich vom Guten zurückgehalten oder zur Sünde dich gedrängt, du kannst in allen diesen Problemen menschlichen Denkens auch keinen Schein von Rechtfertigung für deine verfehlte Vergangenheit finden, du bist durch deine eigene Schuld gestrauchelt. Dann bist du nicht mehr Herr und Meister über Pflicht und Geschick deines Lebens, dann ist Gott König, dann hatte Gott seines Königthums bereits gewaltet, als du dich fehlend, irrend, trotzend noch seiner Führung entziehen zu können glaubtest. Dann wird für die Folge keine Macht der Erde, kein Reiz der Sünde dir den neuen Lebensvorsatz erschüttern, der Gott als König die Herrschaft über deine nunmehrige Zukunft einräumt. Dann ringt sich mit dem Vorsatz das Leben selbst für die Hingebung an Gott in aller Zukunft hinzugeben der letzte Laut des Jom Kippur-Scheidegrußes aus dm bewegten Herzm über die bebenden Lippen: »iyi ibv» h *]bo 'n ibo "i Zeit»«gS»achrichte« rrrrd 1kvr*espO«Ve»ze«. Deutschland. BreSla«, 8. Sept. (Zur Ausweisung der Juden aus Rußland.) Nach einer Petersburger Meldung hat die Regierung beschlossen, den letzten Termin für die Ausweisung der Juden nach der ihnen zur Niederlassung zugewiesenen Zone bis znm 1. Juni 1894 zu verschieben. Den Provinz-Gouverneuren wird es jedoch gestattet fein, bei dem Ministerium deS Innern um eine weitere Verlängerung dieses TermineS, bis zum 1. Juni 1895 fiir nicht strafgerichtlich verurtheilte Jude« anzusuchen, falls dies für die Regelung von zwischen diesm und Christen schwebenden geschäftlichen Angelegenheiten nothwendig sein sollte. In gewissen besonderen Fällen wird diese Verlängerung selbst über daS letztbezeichnete Datum hinanSgehen könnm. Familien-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.