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Der Israelit · 1893-09-14 · Heft 74 (14.9.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 74 (14.9.1893)
Date
1893-09-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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fange der Krankheit benutzt, die Erfolge der verschiedenen großen Kuranstalten beredtes Zeugniß ablegen. Leider fehlt eine jüdische derartige Anstalt und trotzdem findet sich vielleicht unter allen Ltebes- Merken, bei denen das jüdische Pflichtgefühl und die Freude am Wohlthun sich bewährt, keines von so weittragender Bedeutung. Möge es diesen schwachen Worten gelingen eine Anregung zu geben zur Gründung einer Anstalt für jüdische Kranke. Wir schicken gleich voraus, daß dies in erster Linie keine Anstalt für Unbemittelte werden soll. In hochherziger Weise sind in verschiedenen Badeorten Heilstätten für Unbemittelte ins Leben gerufen worden, welche gegen vielerlei Krankheiten die Wohlthaten das Heilquellen und Bäder, wahrhafter Verpflegung und treuer Fürsorge in echter .ipnx-Erfüllung ausgiebig gewähren undderen Schöpfer gewiß bereit sind, bei Krankheits-Erscheinungen, die eine Pflege in Höhenlage bedingen, auch solche zu ermöglichen. — In Bethätigung einer wahrhaften lon-Pfltcht möd&te bie von uns gedachte Anstalt denjenigen Bemittelten, für die sich bisher kein Ausweg bot. gegen entsprechende Vergütung den gewohnten Comfort der Häuslichkeit, aus der sie gerissen, ersetzen und sie nach Art der bestehenden allgemeinen Anstalten, wenn auch in einfacherer, nicht luxuriöser Weise, mit all den Annehmlichkeiten umgeben, dte Kranken der vermögenden Klassen, noch mehr als Gesunden, ein unentbehrliches Bedürfniß sind. Von tüchtigen Kräften geleitet und mit den erforderlichen Geldmitteln ausgestattet würde ein solches Institut nicht nur segenSieich wirken, sondern die zu seiner Gründung und Eihaltung aufgewandten Kapitalien unzweifelhaft angemessen verzinsen. Wis die B'dmfnlßfiaae anbelangt, b?me-ken wir das Folgende: Die bestehenden Anstalten — ohne rituelle Beköstigung —, welche dte jüdischen Kranken unter den jetzigen Umständen zu besuchen gezwungen sind, bieten jenen, dte mit ganzer Seele an dem überlieferten Gesetze hängen, schon aus dem Grunde selten einen Heilerfolg, weil dieselben erfahrungsgemäß erst dann ausgesucht werden —, wenn die Krankheit schon zu wett fortgeschritten ist, während es erforderlich ist, sofort wenn die ersten Spuren des Leidens sich zeigen, das Aeußerste zu dessen Bekämpfung auszubieten. So zweifellos es ist, daß in diesem Falle, bei Nichtexistenz einer rituell geführten Anstalt, besonders wenn die Krankheit in den Wintermonaten auftritt, wo das Aufsuchen von Luficurorten ganz unmöglich ist, das sog. „Trefa-Essen" gestattet, ja vom religiösen Standpunkte geboten ist, fällt es den Kranken und oft noch mehr den Berathern derselben schwer schon beim Beginne des Leidens die Verletzung der Spetsegesetze als etwas Erlaubtes, ja Verdienstvolles zu betrachten. Man wartet, wartet — bis es zu spät ist. — Wer wollte auf die Kranken, deren Familien und Berathern deshalb einen Stein werfen! — Jeder dem es Ernst mit seinem Judenthum ist, weiß wie die Liebe zu den göttlichen Gesetzen mit uns verwachsen, wie wir mit tausend Opfern das überlieferte Heiligthum schützen und erhalten und möchte nicht ohne zwingende Noch auch nur eines von allen diesen zu Wächtern unserer Lebensreinheit bestellten, Geboten, preisgeben. Deshalb bleibt nur ein Mittel, die Gründung einer jüdischen Anstalt! Abgesehen von dem Hauptpunkte, der durch ste gebotenen rituellen Kost, findet der Kranke auch gleich gesinnte Genoffen, die gemeinsamen religiösen Interessen fördern die Freundschafts-Beziehungen und auf die gemeinsamen Leiden senken sich lindernd die Freitag-Abende herab mit ihrem beglückenden Zauber, die Sabbathe und Festtage mit ihrem sonnigen Glanze werfen einen Hoffnungsschimmer in dte kranke Brust und so wird dte Trennung von der Heimarh leichter überwunden und das freudige Gemüth wird zu einem bedeutenden Förderer der Heilung. Möge dieser Appell an die Herzen unserer Mitbrüder nicht wirkungslos verhallen, mögen die von Gott durch ihre Vermögenslage zu Sachwaltern seiner heiligen Institutionen bestellten, für alles Menschliche und Jüdische begeisterten, Glaubensgenossen zusammentreten zur Berathung dieser ernsten Angelegenheit, möge in ihre Ohren der Schmerzensruf aller der gequälten Kranken und deren in Sorge und Kummer sich verzehrenden Familienglieder nnd Freunde dringen; Gottes segnende Fürsorge w'rd dieses Liebeswerk begleiten, wenn wenn wir mit dem Gottbegetsterten Sänger aus tiefster Brust ausrufen: "wo *ry "iöpn Tpn nw > Vermischtes. < Frankfurt a. M. Das Israelitische Gemeindehospital veröffentlicht seinen sechsten Bericht, der die Zeit vom 1. April 1890 bis dahin 1893 umfaßt. Die Zahl der Patienten, und damit auch das Defizit, ist in stetiger Zunahme begriffen; 1890 betrug die Zahl der Kranken im Ambulatorium 1124:1891.1349; 1892: 1606; die Zahl der zu Hause Behandelten erreichte im abgelaufenen Jahre die Ziffer 560. Im Hospital wurden verpflegt 1890/91: 440 Kranke mit 11,756 Tagen. 1891/92: 477 mit 10,278, 1892/93 : 557 mit 11,320 Tagen. Die israelitische Gemeinde hatte 1890/91 ein Defizit von M. 24,816, 1891/92 M.27,164 1892/93 M. 32,128 zu decken. Die GesammtauSgaben betrugen M. 60,722, M. 57,266, M. 62,509. An Geschenken gingen ein 1890/91 M. 7135, 1891/92 M. 1931, 1892/93 M. 3340 (namentlich erwähnt sei eine Freibettstiftung von M. 5000 von Herrn und Frau Jul. Wollerstein und M.

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