Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 74 (14.9.1893)
- Date
- 1893-09-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Erste Beilage zu M 74 i>es „Israelis. Zeitungsnachrichten und Vorrespondeuzeu. Deutschland. Berlin, 4. September. Die von dem Berliner Ahlwardt-Organ in die Welt gesetzte Behauptung, es sei in Sachen des Xantener Knabenmordes eine neue Untersuchung gegen Busch hoff etngeleitet worden, wird von maßgebender Seite entschieden bestritten. Es seien allerdings zwei Berliner Kriminal-Kommiffarien nach kanten abgesandt worden, die jedoch nur die Aufgabe hätten, an der Hand neu hervorgetretener Momente Erhebungen anzustellen, um den Mörder zu entdecken. Mit Buschhoff habe die Sache nicht das Mindeste zu thun. Berlin, 6. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." stellt die Mittheilungen über das Verfahren gegen Paasch wie folgt richtig: Das Gutachten der CharitLarzte erklärt den Geisteszustand von Paasch für derart gemeingefährlich, daß seine Unterbringung in eine Irrenanstalt geboten sei. Die psychiatrischen Autoritäten sagen aus, Paasch leide an karanvia. edronieg. (chronischer Verrücktheit) und Verfolgungswahn; er sei deßhalb geisteskrank und verhandlungsunfähig. Es sei nicht richtig, daß durch den Gerichtsbeschluß die Einstellung des Verfahrens ausgesprochen worden sei. Der Angeklagte sei nur nach festgestellter Krankheit aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Untersuchung des Paasch habe Stunden lang gewährt; auf deren Grund habe der Bezirksphysikus ein mit den psychiatrischen Autoritäten übereinstimmendes Gutachten abgegeben. Das Gutachten sei eingehend begründet; auf Grund desselben sei Paasch in eine Irrenanstalt übergeführt worden, lediglich km Interesse der Sicherheit und auf Veranlassung der Polizeibehörde. Das Verfahren entspreche den gesetzlichen Vorschriften und stelle den geordneten Weg dar, auf dem die Unterbringung gemeingefährlicher Geisteskranker zu erfolgen habe. Münster, 5. Sept. Der „Wests. Merkur" schreibt: Vom Niederrhein,3.Sept. In Folge der Vorgänge in Burgwaldniel, wo bekanntlich nach den Behauptungen zweier Zeugen eine Verunreinigung des Fleisches von Seiten eines jüdischen Metzgers stattgefunden haben soll, macht sich an vielen Orten eine antisemitische Bewegung bemerkbar, welche zwar vorwiegend in leicht erklärlichem Mißtrauen ihren Grund haben dürfte. So wird aus Lobbertch gemeldet, daß viele auswärtige jüdische Metzger, welche früher dorthin ihr Fleisch lieferten, seit dem Bekanntwerden jenes Vorfalles keinen Absatz mehr finden. Aus Kaldenkirchen wird gemeldet, daß viele Einwohner sich nicht mehr dazu verstehen i können, von jüdischen Metzgern Fletsch zu nehmen. Aus diesen Vorgängen geht nur hervor, daß eine baldige gerichtliche Entscheidung nicht am wenigsten im Interesse der jüdischen Geschäftsleute selbst liegt und daß im gegebenen Falle die Glaubensgenossen gut thun, den Thäter nicht in Schutz zu nehmen, sondern ihn energisch von sich abzuschütteln, sofern sie den im Volke leicht um sich greifenden Abscheu gegen den Einzelnen nicht verallgemeinert wissen wollen. Freiburg i. B-, 3. Sept. Das Amtsblatt für das Amt Fretburg nimmt aus der vor etwa 14 Tagen erfolgten Ermordung eines Juden bei Mülheim Veranlassung zu einer bedenklichen Hetze. Die Angehörigen des Ermordeten werden, da das Blatt völlig unwahre Behauptungen aufgestellt hat, um seinen Zweck zu erreichen, die Sache bei Gericht anhängig machen. Da es ausgeschlossen ist, daß die verhetzenden Artikel des Amtsblattes an zuständiger Stelle übersehen werden, so läßt das Schweigen der Regierung verschiedene Deutungen zu. Das General-Amtsblatt, die „Badische Correspondenz", würde sich um weite, und zwar nicht allein jüdische Kreise sehr verdient machen, wenn es die nachfolgende Frage ohne Umschweife beantworten würde: Fehlt es der badischen Regierung an Macht oder an Willen darauf hinzuwirken, daß die Amtsverkündtger, die in gewissen Kreisen gehalten werden müssen, sich jeder das Volk verhetzenden Thätigkeit enthalten? Oester.-Ungar. Monarchie. Budapest, 'a ov. Tiefe Trauer lagert über der hiesigen aut. orth. isr. Gemeinde, denn eine unausfüllbare Lücke ist mit dem Tode des unseren Glaubensgenossen in Ungarn bekannten Herrn Salomon Salzer ^*"t, welcher heute Morgen starb, entstanden. Von unaussprechlichem Schmerz übermannt, ist es uns unmöglich, dessen Verdienste im Allgemeinen, insbesondere aber diejenigen zu schildern, die er sich um die Gründung der heute als Mustergemeinde geltenden aut. orth. isr. Gemeinde, — deren langjähr. Präses er auch war —, erworben. Trotzdem derselbe ein vielbeschäftigter hauptstädtischer Großhändler war, unterließ er es nicht, sowohl für sich mmfr omy jDip wie allabendlich oma mm noiV zu sein. Derselbe ein mit seltenen nmu nnoi begabter ^siv vari war ein pnaio des verstorbenen Landesrabbiners Trebitsch aus Nikolsburg. Außer '*i pton um, welcher in einem