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Der Israelit · 1893-09-14 · Heft 74 (14.9.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 74 (14.9.1893)
Date
1893-09-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1403 > Vermischtes. -4 üöreSlau. Wir versprachen in voriger Nummer deS „Israelit" Einiges auS dem Leben des Herrn Rabbiner Dr. PincuS Neustadt dahier, zu geben. Ueber seine Thäligkeit an der von ihm gegründeten hebr. Unterrichts-Anstalt können wir uns jeden Urtheils enthalten, zumal seit 1868 die alljährlich veröffentlichten Berichte genugsam die Wirksamkeit deS würdigen Lehrers documentteren. Doch können wir unmöglich die Anerkennung der Behörden, wodurch seine Anstalt sowohl als auch der Geist in derselben mehr und mehr gefördert wurde, übergehen. Der Magistrat hiesiger Hauptstadt räumte hochgeneigtest die nöthigen Schullokale, ohne welche ein so nützliches Unternehmen nie und nimmer hätte gedeihen können, unentgeldlich ein, weil er von dem weittragenden Streben des Gründers überzeugt war und gewährt noch diese Räume bis zum heutigen Tage in der städtischen, katholischen Realschule. Die Stadtschuldeputation sandte und sendet noch im Aufträge der hohen Königlichen Regierung ihre Decernenten zur Inspirierung und die Stadtverordneten ihre Deputationen zu den alljährlichen Feierlichkeiten stets pünktlich heran. Auch unsere Königliche Regierung verlieh diesem geistlichen Herrn zu dieser von ihm gegründeten Anstalt eine dauernde Concess'.on und e8 sind demnach die Kinder vor jeglichem anderen Religionsunterrichte entbunden. Mit dieser Religionsschule eröffnete der Dirigent einen Jugendgottesdienst, der ja zur Genüge rühmlichft bekannt geworden und anerkannt wird. Ferner wird das Streben des Dirigenten auf dem beschriebenen Gebiete besonders noch auS dem wiederholten eigenhändigen Dankes- und Anerkennungsschreiben der Allerhöchsten und Höchsten Majestäten, Fürstlichkeiten und hohen Kabinetten aus Berlin, München, Stuttgart, Dresden, Schwerin, Carlsruhe, Gotha; dem Herrn Reichskanzler Fürsten Bismark-Schönhausen, dem Cultusminister Dr. von Lutz — dargethan. Des Letzteren Uriheil, als eines sach- und fachkundigen Mannes, wollen wir hier besonders nicht unterdrücken, indem er solches im August 1872 schriftlich über die „löbliche Organisation" der Schule kundgab. Wichtig ist noch hervorzuheben, der aus der Mitte der Schule hervorgegangene Unterstützungsverein für unbemittelte Kinder, welchen Dr. Neustadt im Verein mit seinem Sohne dem Herrn Dr. Louis Neustadt und Herrn Kaufmann Th. Oschinski, der noch heutigen Tages der Rendant des Vereins ist, gegründet und aus welchem (Verein) zahlreiche Schüler und Schülerinnen, wie anderweitige Hörer von Hochschulen Schulgelder und Subventionen zum Besuche öffentlicher städtischer Lehranstalten erhalten haben und noch empfangen. Auch der Prediger wurde frühzeitig in der Per,on des Dr. Neustadt erkannt. Gleich nach seiner Uebersiedelung nach Breslau wurde er von den Vorstehern zweier Synagogen hier zur Abhaltung von Predigten animirt und von dem damaligen Vorsteher des Studienvereins für Thora dem seligen Rabbinatsaffessor M. L. Feder zu allsabbathlich jüdisch-wissenschaftlichen Vorträgen gewonnen. In den Synagogen hielt der Redner mehr als 25 Jahre diese Predigten; hingegen in dem Studienverein hält derselbe heute noch diese Lehren allwöchentlich ab; so begann er beispielsweise Vorträge über die Sprüche der Väter (Pirke Aboth), welche er bereits seit 1860 begonnen und wahrscheinlich jetzt bald zum Abschluß bringen dürfte. In literarischer Beziehung hat der gelehrte Herr seine Aufmerksamkeit mehr auf Abhandlungen gerichtet, die er immer seinen veröffentlichten Berichten voranschickte. Ganz besonders haben die patriotischen Reden in den Allerhöchsten und Höchsten maßgebenden Kreisen Würdigung gefunden, wie nicht minder die übrigen gelehrten Abhandlungen. Der Greis steht heute. Gottlob, noch rüstig und muthig lehrend und wirkend da. Wir wünschen feinem bisher bewährten Streben ein noch recht gesegnetrs hohes Alter. (Seine christlichen Freunde, Landsleute u. Gönner.) Für die preußischen Landtagöwahlcn sind bereits die nachstehenden antisemitischen Kandidaten aufgestellt: 1. Dr. Böckel in Marburg (bisheriger Vertreter der konservative AmtsgerichtSrath v. Stiernberg); 2. Dr. Böckel in Kirchhain- Frankenberg (bisheriger Vertreter der freikonservative Landbrath Riesch); 3. Reichstagsabgeordneter Werner in Rotenburg-Hersfeld (bisheriger Vertreter der konservative Oekonom Seyfarth); 4. Reichstagsabgeordneter Hirsche! in Biedenkopf (bisheriger Vertreter der national-liberale Landgerichtsrath Seybert). Ferner verlautet, daß Ahlwardt in dem bisher konservativ vertretenen Wahlkreise Neustettin kandidiren wolle. Bei den französischen Wahle« sind bisher als gewählt zu betrachten: Josef Reinach, D. Raynal, R. Bischoffsbeim und Achilles Fould. Zur Stichwahl kommen M. Klotz, F. Cremieux, A. Naquet, P. Strauß, S. Hirsch, R. Georges- Levy und Ed. Klotz. Königsberg. Während der Erbauung der großen Synagoge auf dem Weidendamm sich mancherlei noch nicht ganz überwundene Schwierigkeiten in den Weg gestellt haben, ist es der hiesigen sogenannten „orthodoxen" israelitischen Gemeinde gelungen, auf dem Grundstück Synagogenstraße 14/15 einen Tempel sich Herstellen zu lassen, den sie schon beim Neujahrsfeste hat in Benutzung nehmen können. Der Hauptraum ist für 150 Männerstände eingerichtet; für die weiblichen Mitglieder der Gemeinde sind drei Emporen mit 130 Sitzen vorhanden. Im ersten Stock befindet sich noch ein kleiner Betsaal für etwa fünfzig Personen. Hamburg, 28. Aug. Frau Cecilie Heine zu Pairs, die Großnichte des Dichters, spendete dem hiesigen Betty Heine-KrankenhauS gelegentlich des fünfzigjährigen Bestehens desselben 40,000 Mark. Neapel. Der Rabbiner G. Commeo in Neapel berichtet dem „Vessillo Jsraelitico", daß dort kein einziger Jude an der Cholera gestorben ist. Auch im Jahre 1884 blieben die Juden in Neapel von der Cholera verschont. Das rührt daher, daß sie mäßig leben, an Reinlichkeit gewöhnt sind und die hygienischen Gesetze des JudenthumS beobachten. Feuilleton. Tante Golde. «h«4 Novelle von R. Litten. (Fortsetzung.) Der Sonnabend verging für alle Betheiligten stets sehr befriedigend. Vormittags ging Frau Ftnkelstein, dieses Mal im stattlichen braunen Tafftkleide, das Kind mit dem schwarzgebundenen Gebetbuch in den kleinen Händen, neben sich, in den Tempel; Nachmittags machten sie, wenn das Wetter es erlaubte, einen Spaziergang in den Anlagen vor der Stadt oder es kam Besuch aus der Nachbarschaft, und Abends, zum Schluß des Sabbats, wanderten die Beiden Hand in Hand im Zimmer umher, die eine mit tiefer, etwas rauher, die andere mit desto süßerem Sttmmchen singend: Gott Abrahams, Isaaks und Jakob, Behüt Dein Volk Jisroeil in Deinem Lob!

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