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Der Israelit · 1893-09-14 · Heft 74 (14.9.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 74 (14.9.1893)
Date
1893-09-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1406 den Kummer der Angehörigen der Leidenden begonnen. Forschung und Heilthättgkeit der Aerzte hätten, mit der Pflege der Wärter verbunden, dem armen Kranken Beruhigung gewährt, ihre Angst geschwächt, um ihre Schmerzen zu mildern. Wer könnte sie zählen als die Stege, welche die Fürsorge und der Eifer in 50 Jahren errungen habe. Die Stätte hier habe Gott gesegnet und das Wort des Propheten aus der Thora sei auf sie anwendbar: Die Mauern dieses Hauses sind die des Heils und die Pforten dieses Hauses die des Ruhmes." Wohl erblicke man in unserer Vaterstadt viele Krankenhäuser, die tadellos ihrer Bestimmung in Allem entsprechend erbaut und eingerichtet seien, aber sie seien theils vom Staate, theils aus den Mitteln der Gesammtbevölkerung hervorgegangen, dies Krankenhaus sei aber das Werk eines Einzelnen, eines hochherzigen, edlen, unvergeßlichen Mannes, der mit vollen Händen Gaben für die Armen ausstreute. Eine Abschrift der Urkunde, welche in den Grundstein des Krankenhauses gelegt worden sei, berichte, daß im Jahre 1824 diese Heilstätte erbaut und eingerichtet sei, mit einem Bestand von 30—50 Kranken. Bald aber habe sich das Haus als unzulänglich erwiesen. Durch eine Vorstellung bei der Gemeinde wurde jedoch nichts erreicht, weil letztere in bedrängter Lage war. Im Jahre 1839 beschloß der Vorstand der Gemeinde einen Neubau, der eine Summe von 80,000 M. erforderte. In einer zu diesem Zweck anberaumten Versammlung erklärte Herr Salomon Heine, daß er aus eigenen Mitteln diese Summe hergeben und noch eine größere neben dieser belegen werde. Zugleich erließ der Senat eine Kundgebung seiner Hochherzigkeit und Gerechtigkeit und kam dem Werke dadurch helfend entgegen, daß er der Gemeinde für den Neubau den jetzigen großen Platz schenkte. So entstand 1842 diese Heilstätte. Wie Hochherzigkeit beim Senat, so haben auch Gerechtigkeit und Menschenliebe schon damals in Hamburg bestanden. Herr Salomon Heine habe mit dem Hause für seine 2 Jahre vorher verstorbene Gattin ein dauerndes Denkmal durch ein frommes wohlrhätiges Werk stiften wollen in Bethätigung seiner großen Anhang!-chkeit an die Gemeinde. Im Jahre 1863 vermachte Herr Ea'l Heine, damit den Anforderungen der Zelt und der Wissenschaft genügt werden könnte, dem Hause 60,000 M. woran er die Bedingung knüpfte, daß an jedem Todestage des Stifters des Krankenhauses, seines Vateis, hebräische Gebete auf dessen Grabstätte gebetet würden. Eine dritte Wohlthäterin sei dem Institut Frau Cäcilie Heine j tzt geworden, die sich durch eine reiche Spende für die Heilstätte eine stets dankbare Erinnerung gesichert habe. So fei der Name Heine mit diesem Hause für alle Ewigkeit verknüpft. Nachdem Redner nach der musterhaften Verwaltung und Pflege der Anstalt der liebevollen Aufnahme ohne Angesicht der Confession gedacht, schloß er mit Bezug auf das H»us die feierliche Stunde mit einem Gebet nach dem Worte des Propheten: „Aus deiner Heilquelle möge nur Stärkung und Kräftigung zum Segen und zum Heile der Menschheit fließen." Der Knabe chor tntonirte dann den 111. Psalm und der Choroerein den 150. Psalm „Hallelujah!" womit die erhebende Feier beendet war. Aus Westpreirtzeu, 30. August. Die am 1. August erlassene Poltzekverordnung, daß fortan jedes Thier vor dem Schlachten durch Hirnschlag betäubt werden müffe — bei 30 Mark Strafe — hat in allen Gemeinden unserer Provinz eine große Beunruhigung hervorgerufen, umsomehr als das telegraphische Gesuch einiger Vorstände an den Regierungspräsidenten um ausnahmsweise Gestattung des rituellen Schlachtens abschläglich beschieden wurde. Die Rabbiner der Provinz traten in Bromberg vorige Woche zu einer Beratung zusammen. Eine telegraphische Bitte an den Kultusminister Dr. Bosse ist bis jetzt unbeantwortet geblieben. Eine größere Anzahl bedeutender Rabbiner Preußens beriet die einzuschlagenden Schritte zur Sicherstellung der verfassungsmäßig gewährleisteten Religions¬ und Gewissensfreiheit. Morgen wird eine Deputation der westpreußischen Rabbiner, begleitet von einigen in Berlin anwesenden Collegen, beim Kultusminister Audienz nachsuchen. Hoffen wir auf einen glücklichen Ausgang der Angelegenheit. Berlin, 29. August. In der „Saal. Ztg." lesen wir: „Infolge mehrerer in antisemitischen Zeitungen veröffentlichten Artikel hatte der preußische Justizminister vor einigen Wochen auf unmittelbare allerhöchste Anregung an den Oberstaatsanwalt des Berliner Kammergerichts das Ersuchen gerichtet, durch Umfrage bei sämmtlkchen Staatsanwälten die Fälle aus letztem Jahre festzustellen, in welchen Geschäftsleute jüdischen Glaubens sich gegen Einkäufe besorgende Kundinnen in sittlicher Beziehung vergangen hatten, und die diesbezüglichen Akten ihm zur persönlichen Einsichtnahme umgehend zu übersenden. Als Resultat der nunmehr abgeschloffenen Untersuchung konnte nur ein Fall namhaft gemacht werden, der genugsam erörterte Fall Joseph. Selbst der Fall Aberger, der den oben erwähnten antisemitischen Artikeln zu Grunde gelegen, mußte ausscheiden, da der verurtheilte Albert Aberger evangelischer Religion ist." Berlin, 3. September. (Aus dem Kammergericht.) Durch Uriheil der Strafkammer zu Landberg a. W. vom 15. Mai d. Js. wurde die Be-

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