Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 72-73 (7.9.1893)
- Date
- 1893-09-07
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIV. Jahrgang. Mette Keil, ju M 72 & 73 des „Israelit". Literarische Umschau. 8. Eine recht gediegene Arbeit, auf Grund welcher Lazar Grünhut bei der Universität sich die Doktorwürde erworben, ist die „Kritische Untersuchung des Midrasch Koheleth Rabba" (Berlin 1892), deren 1. Theil vor uns liegt. Dieser erste Theil beschäftigt sich mit den Quellen des Koheleth Robba, als welche sich die Mischna, Tosephta, Sifiö, Mechilta, Seder olam, Jeruschalmt ergeben. Palästina hält der Vers, für die Heimath des Koh. r. Daß die Pcsikta d. R. Kahana dem Redaktor des Koh. rab. als Quelle Vorgelegen, will der Verf. nicht zugeben, er ist vielmehr der Meinung, daß beiden Werken eine gemeinsame Quelle zu Grunde liegt. Es muß nämlich eine Sammlung von Erklärungen schwieriger Stellen des Buches Koheleth, das man ja in Wirklichkeit einmal wegen seiner scheinbar saducäischen Aussprüche dem Gebrauch entziehen wollte, schon in früher Zeit cxistirt haben; darauf weist eine Stelle in Aboth d. R. N.: ntn’B» lrnorw vb. Diese Sammlung habe nun der Redaktor durch Auszüge aus andern Quellen ergänzt und so sei Koh. rab. entstanden. Scharfsinnig weiß der Verf. sich einen Beweis für seine Annahme einer scheinbar geringfügigen Bemerkung im Midrasch zu entnehmen. Zu Cop. 12, 5 bemerkt der Midrasch '»rw -htpi trpa :rna iV?np f)*Da: Dan rfcnp. Dieses rpoa r6np gibt keinen Sinn, da der Vers an den rpa angeschlossen wird, gerade so am Ende steht, wie dieser selbst. Verständlich ist das Wort nur, wenn wir den Midrasch als aus älteren Fragmenten zusammengesetzt betrachten, von denen unsere Stelle auch ein solches ist, das mit der Randnotiz *pDa r6np versehen war, die dann später in den Text gerathen ist. Was das Alter dieses Midrasch betrifft. so weist der Verf-, entgegen Znnz, chm ein beziehungsweise sehr hohes, das siebente Jahrhundert zu, welches er auch für die Entstehungszeit der Pes. d. R. Kahana hält. Die Beweise, die der Vers, für diese Annahme bringt, wie auch für die, daß der Redaktor der Koh. rab. den Babli nicht benutzt habe, sind einleuchtend. Der zweite Theil wird die Anlage und Eintheilung des K. r. behandeln. Wir dürfen bei der Gründlichkeit und Sachkenntniß des Verf. auf eine recht interessante Arbeit gefaßt sein. — Mit siinen Betrachtungen über die Dichtungen Hartmann's von der Aue: Gregorius, Der arme Heinrich, Jwein, schließt Dr. S. Gelb haus seine „Mitte lh och de ut sche Dt chtun.g in ihre.'r Beziehung zjur b-t blischrabbinischen Litteratur" (Frankfurt a. M. 1893. I. Kauffmann.) Wir haben bereits früher bei dem Erscheinen der einzelnen Hefte dieselben besprochen und haben auch diesem Schlußhefte nichts wesentlich Neues hinzuzufügen. Während die Bibel unbestritten auf die Dichtungen des Mittelalters eingewnkt hat, läßt sich eine Beziehung zur rabbinischen Literatur nur in den seltensten Fällen Nachweisen. Daß rabbinische Sätze, die im Munde der Juden geläufig waren, durch den Verkehr mit den Christen auch den Eingang fanden, ist unbestritten. So ist z. B. der Verf. vollständig im Recht, wenn er den Satz '-oi »paon ^>a (S. 34) den Versen I, 26—38 im „Armen Heinrich" zum Vorbilde sein läßt, wie auch noch andere Gedanken in diesen Dichtungen auf jüdischen Ursprung Hinweisen, allein bet vielen allgemein Humanitären Sittenlehren wird ein Abhängigkettsverhältniß schwerlich nachzuwetsen sein; die Humanität ist eben ein nationales Gut, wo die menschliche Barbarei und Verwilderung sie nicht ertödtet. Nichtsdestoweniger ist die Zusammenstellung, wie sie hier versucht worden jist, ein Verdienst, zeigt sie doch, daß in der geistigen Schatzkammer der Juden bereits längst, das aufgespeichert war, was die erleuchtetsten Geister des Mittelalters als erhabenen Gedankenreichthum dem Volke darboten. Es sei hier noch darauf aufmerksam gemacht, daß D'pns hid'd vb cryttn U’Ta pw heißt: „Wir kennen nicht den Grund dafür, daß es den Bösen oft gut und den Frommen oft schlecht geht;" die in der vorliegenden Schrift angegebene Uebersetzung ist unrichtig. — Die kurze hebräisch geschriebene Lebensbeschreibung und literarische Würdigung Salomo’s Du Piera’s: „nvx'DNi ,/iai vnsD rvnw vnn« onn« onan (Frankfurt a. M. 1893. I. Kauffmann) die Heinr. Brody Herrn Dr. Abr. Berliner zu seinem sechzigsten Geburtstage gewidmet hat, kann in gewisser Beziehung eine literarische Ehrenrettung genannt werden. Grätz' Urtheil über Du Piers., daß dieser „ein Dichterling" sei, hat sicherlich viel zu Verkennung beigetragen. Der Lebensgang D's. jedoch, wie er hier vom Verf. gezeichnet wird, die Richtigstellung des von Grätz falsch dargeftellten Verhältnisses des Dichters zu R. Meier Alguadez und Don Benveniste Jbn Labt läßt uns Du Piera als einen Mann erkennen, welcher nicht ohne Weiteres als unbedeutend abzuferttgen ist. Die Proben, die der Vers, zudem noch aus dessen „Divan" der Lebensbeschreibung hinzusügt, zeugen dafür, daß D. weit über die Mittelmäßigkeit der Dichter hervorragte. Selbst einmal in glücklichen^Verhältnissen lebend, die es ihm er-