Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 72-73 (7.9.1893)
- Date
- 1893-09-07
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1396 möglichten, Kunst und Wissenschaft durch materielle Unterstützung zu fördern, brachte ihn die Verfolgungswuth jener Zeit, es war am Ende des 14. Jahrh., um sein Vermögen, so daß er als Hauslehrer und Gemeindeschreiber sein Leben zu fristen suchen mußte. In letzterer Eigenschaft stellte er für die Gemeinde Saragossa mehrere Geleitbriefe für des Schutzes und der Unterstützung bedürftige würdige nach Jerusalem Reisende aus, die für die Gemeinde- und Kulturzustände jener Zeit von großem Interesse sind. Besonders interessant ist aber ein von Steinschneider bereits erwähntes Sendschreiben der Gemeinde Saragossa an die Gemeinden Arragoniens, in welchem dieselben zu Spenden für ein Ehrengeschenk an den Großinquisitor von Arragonien, der um die Doktorwürde zu erlangen, Spanien verließ und nach Arragonien ging, aufgefordert werden, um diesem den Dank zu beweisen für die Milde, die er während seiner Amtsführung den Juden gegenüber hatte walten lassen. Die kleine mitSachkenntniß abgefaßte Schrift liest sich recht angenehm. — Eine neue hebräische Zeitschrift wird von Gustav Bader in Lemberg und Manuel Mahles in Ptrialyn unter den Titel imn zu Krakau herausgegeben. Diese Zeitschrift soll in reinem Hebräisch in Galizien Wissen verbreiten, sie will die Zeitfragen besprechen und auch Literatur, Wissenschaft und Poesie in ihr Bereich ziehen. Das erste uns vorliegende Hest weist einen reichen und vielseitigen Inhalt auf, so daß das Unternehmen, wenn die folgenden Hefte dem ersten entsprechen werden, Förderung verdient. HeitnugSrrachrichren und Correfpondenze«. Deutschland. Berlin, 3. September. Für die Berliner Landtagswahlen sind bereits Compromißverhandlungen zwischen Antisemiten und Conservativen in der Schwebe. Schwerlich würde man aber den Antisemiten konservativerseits mehr als einen Candidaten einräumen. Bei der Natur des Preußischen Landtagswahlgesetzes können die Antisemiten, deren Gros der dritten Wählerklasse angehört, ohne die Konservativen keinen Erfolg erzielen. Da aber selbst die vereinigten Konservativen und Antisemiten Fiasko machen müßen, so ist Lieb' und Haß in diesem Falle mehr platonisch. Frankreich. Paris. Der Maiquis de Morcs, der Führer der französischen Radau-Antisemiten, liegt gegenwärtig mit seinem Vater, dem Herzog vonVallombrosa, im Streite, da er ihn wegen Verschwendung und leichtsinnigen Schuldenmachens entmündigen lassen will. In der Gerichtsverhandlung wurde erzählt, daß der Marquis de Mores 1882 sein Vermögen in Börsen-Spekulationen verloren und seitdem in Amerika und Asien herumgeabenteuert hat, um mit Gründungen ein neues Vermögen zu erbeuten. Er heirathete im Jahre 1872 Fräulein von Hoffmann, die Tochter eines reichen New-Aorker Bankiers, nachdem der Herzog von Vallombrofa die Schulden seines Sohnes, welche insbesondere aus den Verlusten bei der Union Generale herrührten, bezahlt hatte. Mores ließ sich in Amerika in ungeheure Spekulationen ein. Er wollte großartige Schlachthäuser, ferner unter dem Proteetorate des katholischen Klerus einen ganz Amerika umfassenden Arbeiter-Konsum-Verein gründen. Seinem Vater schrieb er damals: „Ich werde der mächtigste Ftnanzmann der Welt werden!" Alle diese Spekulationen mißglückten, ebenso die Bahnbauten, die er in Tonkin ausführen wollte und vieles Andere. Seine Frau sah sich schließlich genöthigt, um Aufhebung der Gütergemeinschaft anzusuchen. Mores führte gleichzeitig gegen seinen Vater, den Herzog v. Vallombrofa, welcher während seiner Abwesenheit sein Vermögen verwaltete, Prozeß auf Rechnungslegung. Seine kläglichsten Mißerfolge im Spekuliren, Jobbern, Gründen und Geschäften erklären ausreichend seinen Antisemitismus. Das sind die Leute, die hinter Norton stehen oder ihn umgeben. Und diesen Leuten dienen nicht nur „Libre Parole" „Moniteur" und „Petit Journal", sondern auch „Gaulots" und „Figaro" als^Helfershelfer. Amerika. New-Aork. Der jüngst verstorbene Dr. Abraham Pereira Mendes war der Inhaber eines Rabbinats, das wahrscheinlich als einziges in der Welt, dem Sprengel gleichkommt, welchem ein Bischof Ln xartidns LnLäelium vorsteht. Es war ein Rabbtnat, dem keine Gemeinde unterstellt ist. Bekanntlich besitzt Newport in Amerika eine Synagoge, welche von dem bekannten Philanthropen Juda Toura erbaut wurde und von den Zinsen eines von ihm ausgesetzten Legats erhalten wird. Newport hatte im vorigen Jahrhundert eine blühende jüdische Gemeinde, welche aber seitdem ganz eingegangen ist. Während des Sommers mögen wohl dort weilende Badegäste die Synagoge besuchen und wird auch während dieser Zeit Gottesdienst abgehalten. Die Synagoge wird in gutem Stande erhalten und bildet eine der historischen Sehenswürdigkeiten des beliebten Badeortes. Der Verstorbene war ein tüchtiger Gelehrter, und seine beiden Söhne, die Rabbiner Henry Pereira Mendes und Frederik de Sola Mendes, erfreuen sich großer Beliebtheit bei ihren Gemeinden. Ob der Rabbiner in Partibus infidelium einen Nachfolger erhalten wird, ist noch nichtßfestgeftellt.j—