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Der Israelit · 1893-09-07 · Heft 72-73 (7.9.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 72-73 (7.9.1893)
Date
1893-09-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Erste Seil.;u M 72 & 73 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondeuze«. Deutschland. Breslau, 5. Sept. Am 23. d. M. begeht, wie wir bereits kurz berichteten, Rabbiner Dr. Pincus Neustadt dahier seinen 70. Geburtstag und seine 50jährige Lehrtätigkeit. Wiffen wir auch, daß der bescheidene und anspruchslose Mann keinen Werth legt auf öffentliche Kundgebungen, so erachten wir es doch als unsere Pflicht, die zahlreichen Freunde und Verehrer des Jubilars auf diesen wichtigen Tag aufmerksam zu machen. Stehen wir auch, wie der Schreiber dieser Zeilen als Christen, dem Wirken dieses gottesfürchtigen Rabbiners fern, so schätzen wir doch sein allgemein menschliches Streben allzusehr, als daß wir es unterlassen könnten, einige diesbezügliche biographische Mittheilungen in nächster Nummer aus dem Wirken dieses Herren zu machen, so weit solche uns als Landsleute aus dem Leben und den Werken des Jubilars bekannt geworden sind. Zkanten, 1. Sept. Die antisemitische Berliner „Staatsbürger-Ztg." will „aus zuverlässiger Quelle" erfahren haben, daß die „Untersuchung gegen Buschoff" wieder ausgenommen und „zu näheren Ermittelungen ein Kriminalkommissar von Berlin an den Thatort gesandt worden ist." Die „zuverlässige Quelle" des Antisemitenblattes ist wahrscheinlich die vor einigen Tagen durch rheinische Blätter gelaufene Nachricht, daß die Hauptzeugin in dem Knabenmordprozeß, die Magd Dora Moll, von der Clever Staatsanwaltschaft von Neuem vernommen worden sei und daß die Untersuchung sich diesmal in einer ganz bestimmten Richtung bewege Diese Meldung wird jetzt in einer der „Köln. Ztg." von hier zugehenden Mittheilung als falsch bezeichnet, die Moll habe erklärt, daß sie in diesem Jahre in der fraglichen Angelegenheit nicht wieder vernommen worden sei. Oester.-Ungar. Monarchie. Salzburg, 26. August. Unsere Stadt, die seit dem 8. Jahrhundert der Sitz des Primas Germaniae war, ist von jeher als eine streng katholische bekannt. 1730 hat bekanntlich der hiesige Erzbischof, der ein Reichsfürst war, die Protestanten seines Ländchens, 30 000 an Zahl, zur Auswanderung gezwungen. Den Juden war selbstverständlich das Betreten des Erzbisthums strengstens verboten. In den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts begannen nun die Juden, sich hier anzustedeln und heute bilden sie schon eine respectable Gemeinde. Dieselben haben im Dorfe Aigen ein Grundstück angekauft, um auf demselben einen Friedhof anzulegen. — Vor einigen Tagen hielten die Wiener Antisemiten hier eine Versammlung ab und erwarteten sie auch zahlreichen Zuspruch von Seiten unserer Bevölkerung. Dieselbe ließ aber die Herren Vergant, Schneider, Lueger und wie die ww alle heißen, ruhig über die Juden schimpfen und zetern und blieb schön zu Hause. Rußland. Petersburg, 30. August. Der Minister des Innern hat den Termin der Ausweisung der Juden aus dem Gouvernement Ssaratow vom l. Novem. d. I. bis zum 1. Juni 1894 verlängert. Die Gouveure haben das Recht, um Belastung von solchen Juden bis zum 1. Juni 1895 zu petitioniren, deren Beziehungen zu den örtlichen Christen nicht früher geregelt werden können. Einzeln stehenden Juden von 70 und mehr Jahren sollen nicht zwangsweise ausgewiesen werden, ohne vorher deren Versorgung durch die örtliche Communen sicher gestellt zu haben. „Weitere Erleichterungen", so wird htnzugefügt, haben die Juden nicht zu erwarten." — Der Getränkhandel ist den Juden nur in ihren auf eigenem Grund und Boden gelegenen eigenen Häusern gestattet. Nun enstand die Frage, ob diese Bestimmung sich auch auf den Engros-Verkauf bezöge. Wie die russische „Gertchts-Ztg." mtttheilt, hat der Senat jetzt die Entscheidung gefällt, daß den Juden auch der Getränkhandel en gros nur in eigenen Häusern gestattet sein soll. — Wie die deutsche „Pet. Z." erfährt, weigern sich die türkischen Konsulate, den jüdischen Auswanderern, die in die Türket reisen, die Pässe zu vistren. Afrika. Timbuktu. (Von der ersten Ansiedelung der Juden in dieser Stadt.*) Von hiesigen jüdischen Kaufleuten wurden jüngst für 50,000 Dollars Straußenfedern nach Tanger expedtrt. De« Christen ist der Aufenthalt in unserer Stadt nicht gestattet, aber auch die Juden haben an den Mohammedanern die erbittersten Gegner. Die Geschichte von der ersten Ansiedelung der Juden Hierselbst ist eine romanhafte; doch scheinen sie bereits festen Fuß gefaßt und die Opposition ihrer erbittertsten Feinde zum Theil überwunden zu haben. *) Nach „Jewish Worlddeutsch von L. Lohen-Rees am Rhein.

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