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Der Israelit · 1893-09-07 · Heft 72-73 (7.9.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 72-73 (7.9.1893)
Date
1893-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1386 nur immer starr nach den schweren, silbernen Leuchtern auf dem Tische, den Siegelring an Chamches Hand und der Erbsenkette, die so gleißend auf der seidenen Kasaweika der Hausfrau lag. Und dann sahen sie sich immer wieder in die Augen und nickten sich stumm und traurig zu. Der Hausherr hatte sie ruhig gewähren lassen, endlich legte er doch seinen Löffel aus der Hand und fragte eindringlich: „Was eßt Ihr nicht, Leit? Was fehlt Euch, daß Ihr mir meinen Schabbestisch verstören müßt?" Da brachen die Beiden in Thränen aus und schluchzten immer abwechselnd: „Lieber Herr, die Leuchter haben gestanden lange Jahr' auf unserm Tisch!" — „Mit den Löffeln haben wir unsere Supp' gegessen, unsere Oelfisch' haben an jedem Eref Schabbes, den Gott werden ließ, aus jener silbernen Schüssel gelegen!" — „Und die Erbsenkett', meine liebe Madam, hat getragen meine Frau, und ich den Siegelring und die goldene Uhr von dem Balbos!" — Jetzt war die Reihe desAnftarrens an den Wirthen, und als Cham Drechsler und seine Frau das ein paar Minuten gethan, nickte elfterer wehmüthig mit dem Kopfe, sprach aber mit fester Stimme: „Unser Neschiris war geborgt, Euch gehört er, nehmt, was Euer ist!" Aber der Mann wehrte entsetzt ab und sein Weib desgleichen. „Gott hat uns gestraft, wie wir verdient, gegen seinen Willen lehnen wir uns nicht auf!" Cham Leib fügte sich scheinbar, aber am nächsten Abend, so lange blieben die Gäste, überreichte er ihnen mit verstohlenem Schmunzeln einen Kuchen, den seine Frau als Wegzehrung für sie beide gebacken, und welche sie an Stelle der Rosinen mit blanken Louisd'ors gespickt hatte. Diesen nahmen sie an und gingen dankend ihres Weges. Als sie durch das alte Thor zur Stadt hinaus wollten, steckte der Thorschreiber seine Hand aus, um den Zoll in Empfang zu nehmen. Der Arme hatte schon sein mageres Beutelchen gezogen, als er es wieder in die Tasche gleiten ließ und den Wächter bittend ansah. „Geld ist knapp bei uns lieber Herr, vielleicht nehmt Ihr diesen Kuchen als Geldesftatt! Der liebe Gott wird es Euch lohnen!" — Der Mann lachte gutmüthig! „Na, denn man her, Judchen!" und ließ die Beiden in Frieden ziehen. Aber als eine Stunde später sein guter Freund Cham Leib, der sich ein wenig im Freien ergehen wollte, das Thor passtrte, hielt er ihn an und reichte ihm ein Präsent für die Kinder; einen schönen Kuchen, den er soeben erhalten. Daß das Gebäck ihm recht schwer vorkam, und er fürchtete sich seinen Magen damit zu verderben, sagte er natürlich nicht. Da hatte Chamche Drechsler nun sein Geld zurück und sah ein, daß Gottes Wille stärker wie menschliche Klugheit ist. Die Beiden, die dort in die Nacht hinauswanderten, sollten arm und elend bleiben, und er mit ihrem Gelde Gutes thun, so war es Gottes Wille, und darin hatte er sich zu fügen.... (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 15. September, 5. Tischri. Sabbat-Anfang in Main; 6 Uhr 05 Min. (dl. E. Z.) <f£amfkaQ, >6. September, 6. Tischri. H2W Sabbat-Ausgang in Mainz 7 Uhr 25 Min. (dl. E. Z.) Dienstag, 19. September, 9. T-schri. 7ID3 dv my Anfang des Versöhnungstags in Mainz 5 Uhr 50 Min. (dl. E.Z.) Mittwoch, 20. September, 10. Tischri. “HDD DV Ausgang des Versöhnnngstags in Mainz 7 Uhr 10 Min. (Ll.E Z.) Der ,JSraelit* erscheint wöchentlich zweimal, MoncagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen, »reis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Ku cl,Handel )» brstryrn bet E. $. Stetnacker, Leipzig, Noßptah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland urü) Oesterreich l4 ReichS-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Sitte Rücksendung vo« au die Redaction eingesaudtcn Mauuscripte« findet nicht statt, «Mt bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie znrückzubehalten. 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