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Der Israelit · 1893-09-07 · Heft 72-73 (7.9.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 72-73 (7.9.1893)
Date
1893-09-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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■- i 1364 Juden Schwierigkeiten in Betreff des Schächtens gemacht. — ■obn uh Divmp'irai. Die leidige Unsitte des Duellirens, die nun auch unter den Juden Italiens Anhänger findet, dürfte bald ein neues Opfer fordern. Baron Albert Franchetti, ein Neffe der Rothschilds, der sich als Verfasser der Opern „Israel" und „0dri8tokoro Colombo" einen Weltruf erworben, hat stch soeben in Reggio mit dem Genueser Banquier Goß duellirt, wobei er am Halse lebensgefährlich verwundet wurde. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der junge Baron ist mit der Tochter des Banquters Levt aus Modena verehelicht. Algier. Algier, 18. August. Mit dem englischen Dampfer „Provincta" sind gestern Mittags hundertundfünfztg jüdische Emigranten aus Rußland hier eingetroffen und wurden sie im Hafen ausgeschifft. Dieselben kamen aus Alexandrien, wo eS die dortige jüdische Gemeinde ihnen ermöglicht hatte, die Fahrt bis hierher zu machen. Nachdem nun unsere Hafenbehörden die Pässe und den Gesundheitszustand dieser Unglücklichen untersucht hatten, wurde ihnen gestattet, sich in die Stadt zu begeben. Das hiesige jüd. Consistorium hat sogleich Anstalten getroffen, damit dieselben für einige Tage Unterkunft und Verpflegung erhalten sollen. Viele von diesen Unglücklichen machten auch Gebrauch von der ihnen angebotenen Gastfreundschaft, die anderen schifften stch schon wenige Stunden nachher auf dem Dampfer „Poitou" nach Marseille ein. y\nn onn ■jVjt nuö ppn» k$>i. > Vermischtes. < Nyir Bator. Die Stadtrepräsentanz von Nyir Bator hat dieser Tage den dortigen Einwohner Eduard Mandel in Anerkennung seines selbstlosen und erfolgreichen Wirkens im Interesse der Stadt und seiner hohen Verdienste um die theilweise Neuschaffung eines Stadttheiles einhellig und unter allgemeiner Begeisterung zum Ehrenbürger der Stadt gewählt und gleichzeitig eine Gasse der Stadt nach dem geehrten Manne „Eduardgaffe" benannt. Oswiccim, 15. August. Gestern Abends traf Cardinal Dunajewski in unserer Stadt ein. Unter den zahlreichen Deputationen» die sich zur Begrüßung des Kirchenfürsten eingefunden hatten, befand sich auch eine Abordnung der israelitischen Cultusgemeinde, geführt von dem Cultusvorsteher Bernhard Pilzer und dem Oberrabbiner A. Schnur. Auf die Ansprache des Letzteren, der auf das harmonische Berhältniß zwischen den zwei Confessionen in unserer Stadt hinwies und den Cardinal bat, diesem friedlichen Zusammenleben auch fernerhin seinen Schutz angedeihen zu lassen, erwiederte Cardinal Dunajewski, daß eS ihn sehr freue Frieden und Eintracht unter der Bevölkerung der beiderlei Confefsionen bestehen zu sehen; er werde stets sein Möglichstes dazu beitragen, daß dieses Berhältniß erhalten bleibe, da dies auch den Intentionen unseres erhabenen Monarchen entspricht, der alle Confessionen vollkommen gleichgestellt hat. Feuilleton. Tante Golde, «h* ] Novelle von | R. Litten. | Nicht um eine Welt hätte Tante Golde vor jl Sabbatausgang etwas verkauft und wäre es gleich das | ganze Pöftchen gestrickter Herrenwesten gewesen, das ij sich noch ihr Meter olow hascholauui in seiner Gut- » müthtgkeit von einem besonders redegewandten Reisenden hatte aufschwatzen lassen, und welches stch!• bis aus den heutigen Tag fast vollzählig erhalten.?! Sie sprach in diesen sabbatlichen Stunden nicht einmal gern vom Geschäft und was damit zusammen- 1 hängt, „die Woch' gehört dem Geschäft, der Schabbes dem lieben Gott", erklärte ffe, zündete am i Freitagabend die Lichter auf ihren Armleuchtern j an und benschte sie mit andächtig erhobenen Händen, 1 ehe sie sich mit ihrem Marthchen an dem schneeweiß 1 ge&ecfteit Tisch niederließ und sich die von Dore \ vorzüglich zubereiteten Fische schmecken ließ. Wenn 1 dann die Mahlzeit vorüber, das Tischgebet gespro- % chen, dann kamen Stunden, welche das Kind die | ganze Woche hindurch herbeisehnte. Dann saß die § Tante in ihrem faltigen, grauen Lüsterkleide, die | breiten lila Haubenbänder unter dem Doppelkinn | zur pompösen Schleife geschlungen, im Lehnsessel, die Kleine auf dem Fußbänkchen, eng an ste ge- E schmiegt, mit den großen Augen entzückt zu ihr I aufschauend. j Wie Goldtantchen aber auch in solchen Stunden erzählen konnte, was für wunderbar herrliche Geschichten sie vortrug, es war geradezu bezaubernd. Und dabei hatte ste nicht einmal ein bestimmtes! Genre, Gott beware! Gewöhnlich erzählte sie zuerst \ etwas aus der heiligen Schrift, von der armen Hagar. die mit ihrem kleinen Jsmael in die Wüste gestoßen wurde, von den wundersamen Schicksalen des frommen Joseph, von Daniel in der Löwengrube, dann näherte sie stch wieder dem realen Boden, sprach von ihrem vergangenen Leben, wie gut ihr Meier gewesen, wie ste nie ein hartes Wort von ihm gehört, von des Kindes verewigten Eltern und dann, um das ernste Gesichtchen — „das Rachmonisgesicht, nebbich", nannte ste es bei sich — wieder aufzuhellen, suchte sie in dem Schatz ihres Gedächtnisses nach den alten Märchen, die sie selbst als Kind von ihrer Mutter gehört, das waren aber auch Märchen, kein Kind hatte jemals so herrliche vernommen! Und immer fand sich noch eins, und das letzte war das schönste. Da war eins von einer Prinzessin ohne Hände, ein anderes von dem Königssohn Bobo und dem sprechenden Hund; ob es wohl Entzückenderes gab? Auch Herr-

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