Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 72-73 (7.9.1893)
- Date
- 1893-09-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448384--37064-2485113- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1383 zwei je 50 Meter hohe Kuppelthürme flanktrt, in Rohbau gehalten und durch eine Kuppel mit den Gesetztafeln gekrönt. Das BaucomiiS bestand aus den Herren: kaiserlicher Rath Adolf Levit, I. A. Dr. Steinschneider, Siegfried Hofmann, Leo Popper und Wilhem Rosenfeld. Rozsnyo im Gömerer Komitate, 30. August, inizm ’Vn m. Unter großen Festlichkeiten wurde gestern unsere neuerbaute Synagoge eingeweiht, und hatten sich zu dieser Feier zahlreiche Glaubensgenossen aus der Umgebung und fast alle Notabilitäten unserer Stadt ohne Unterschied der Confession eingefunden. Im alten Bethause hielt unser Rabbiner Leopold Lemberg er die Abschiedsrcde, die kein Auge thränenleer ließ. Besonders feierlich war der Moment, als die Bundeslade, nachdem man die Gesetzesrollen aus derselben herausgenommen, für immer geschlossen und zugleich auch das ewige Licht ausgelöscht wurde. Bet der Ankunft vor der neuen Synagoge wurden deren Pforten vom Dbergespan Ladislaus v. Ha mos, der in Galauniform erschienen war, feierlich geöffnet, worauf der Rimaßombater Rabbiner Leo Singer die Kanzel bestieg und die Einweihungsrede hielt. Abends fand dann ein Bankett statt, bei dem zahlreiche Toaste ausgebracht wurden Für die Jugend wurde dann das Lustspiel „Közugyek" aufgeführt. Rumänien. Bukarest. Jammervolle Berichte in den rumänischen Zeitungen über die Ausweisung der Juden in den Gebieten der oberen Moldau liegen vor uns. Die Behörden gehen mit einer Grausamkeit vor, die einer jeden Beschreibung spottet. Eine glänzende Ausnahme bildet der Unter-Präfect von Muntelni, Bezirk Suczava, welches in den vergangenen Wochen der Schauplatz der entsetzlichsten Judenverfolgungen war. Der Unter-Präfect hat auf das entschiedenste in seiner Gemeinde die Ausweisung der Juden verboten, da sie fleißig, bescheiden und ehrlich stnd. Im Anschluß an diese menschenwürdige, edle Handlungsweise fei erwähnt, daß der Unter-Präfect selbst einst Antisemit gewesen und daß er einige Schmähschriften gegen die Juden veröffentlicht hatte, zu deren Autorschaft er sich heute nur sehr ungern bekennt. Die ungerechte, unmenschliche Bedrückung der Juden haben ihn überzeugt, daß selbst der platonische Antisemitismus auf falscher Vorstellung beruht. Auch die größeren Grundbsitzer protestirten gegen die Ausweisung der Juden, denn sie wissen nur zu gut, daß sie ohne die Juden nicht gut existiren können. In Dorohoi sind sie so weit gegangen, dem Unter-Präfccten zu verbieten, Ausweisungsbefehle zu erlassen. Nur die Regierung läßt sich hier, wie in Rußland, Sand in die Augen streuen. Sie übersieht, oder will die Proteste der Großgrundbesitzer, Capitalisten und Kaufleute übersehen, welche zugesteben, daß durch die Vertreibung der Juden das Land ruinirt wird. Serbien. Belgrad. Es ist bemerkenswerth, daß in der serbischen Skupschtina der erste Versuch eines Deputtrten. sich eines antisemitischen Argumentes in der Debatte zu bedienen, dem einmüthigen Protest des ganzen Hauses begegnete. Der Vertreter von Paracin, Dimovic, sprach sich nämlich dagegen aus, daß der dortigen Tuchfabrik die Zollfretheit für die Einfuhr der Rohmaterialien gewährt werde, und führte nach bekanntem Muster auch den Umstand ins Feld, daß die Besitzer der Fabrik, die Gebrüder Münch aus Triesch in Mähren Juden seien. Diese Auslassung verfehlte jedoch gänzlich ihre Wirkung, ja sie rief auf allen Seiten Entrüstung hervor. Am entschiedensten protestirte Dr. Milenko Vesnic, Professor des Völkerrechtes an der Belgrader Hochschule, gegen diese, wie er betonte, eines Volksvertreters unwürdige Taktik. Sowohl von der Ministerbank als auch von Seite der hervorragendsten radicalen und fortschrittlichen Deputtrten wurde über das Vorgehen Dimovic" entschieden Mißbilligung ausgesprochen, und der Viceprästdent Kadic, welcher in dieser Sitzung den Vorsitz führte, trat das Präsidium an den zweiten Vicepräsidenten Paja Vukovie ab, um gleichfalls das Wort zu nehmen und sich dem allgemeinen Unwillen anzuschließen. Daß sich unter den Rednern gegen Dimovic auch der vielgenannte Erzpriester Milan Gjuric befand, ist nicht minder charakteristisch. Rußland. Petersburg, 31. Angust. Das Ministerium des Innern ertheilte die Erlaubniß, daß die Juden in den Bezirken, in welchen ihnen zu wohnen gestattet ist, auch Güter erwerben können. Krakau. Der Krakauer Profeffor Graf Tarnowski hatte jüngst auf dem Krakauer Katholikentag die Juden heftig angegriffen. Nun betont sein Leibblatt, der Graf sei auch darum Antisemit, weil die reichen Juden „noch nicht genügend mit der polnischen Nation assimiliert" seien und zum Deutschthum Hinneigen! Italien. Rom, 28. August. Hier war man sehr neugierig darauf, wie sich der Vatican zu dem Schächtverbot in der Schweiz verhalten werde. Die drei päpstlichen Blätter „Osservatote Romano“, „Moniteur de Rome" und „Voce Deila Veritä" schweigen jedoch gänzlich über diese Angelegenheit. Blos das Resultat der Abstimmung haben sie unter der Ueberschrift „Niente macellazione in Svizzera" (Keine Schächtung in der Schweiz) veröffentlicht. Die Päpste haben bekanntlich nie den