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Der Israelit · 1893-09-07 · Heft 72-73 (7.9.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 72-73 (7.9.1893)
Date
1893-09-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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!S?S95HSW555j! I seiner durch die Ungewißheit der Ueberlieferung doppelten Aeutzerung. Was von dem Teruahton » gilt, W* nm nu tpu »na, gilt wörtlich 1 auch von Israel. Ursprünglich galt sein Sehnen, i sein Hoffen, sein Rufen und Härmen dem, woran 1 sein Herz hängt, seinem Gotte und seiner Entfer- - nung aus unserem Kreise. Erft in zweiter Reihe bangt und zittert es um die Verkümmerung der äußeren irdischen und geistigen Güter des Lebens. Aber selbst diese Klage ist nichts als die Sehnsucht nach Gottes lichter Nähe. Bewußt und unbewußt geben sie damit der Ueberzeugung Ausdruck, daß wenn erst Gott sein Antlitz uns wieder leuchten läßt, daß dann auch die kleinen und großen ] Misören des Leben ihr Ende erreicht haben. Wenn daher an der Pforte des neuen Jahres j der Schofarruf Israels zum himmlischen Vater :i emporsteigt, begleitet ihn die Gemeinde mit dem \ Worte: j 7» HN3 n nynn »jrn* oyn n»« J Glücklich das Volk, das den Teruah- I ruf versteht, o Gott, sie wandeln damit im Lichte deines Angesichts. Zeitnug-rrachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bom Niederrheiu. Das israelitische Waisenhaus zu Dinslaken versendet soeben seinen achten Rechenschaftsbericht. Das Resultat des abgelaufenen Jahres ist, wie wir dem Berichte entnehmen, nach jeder Richtung hin ein überaus erfreuliches. Die letzte auf dem Hause ruhende Hypothekenschuld wurde abgetragen, so daß das Haus nebst Grundbesitz jetzt lastenfrei ist. Die Einnahmen haben sich mit ca. 24,000 Mk. auf vorjähriger Höhe gehalten. Die Einzahlungen, welche zur Errichtung von »np Stiftungen gemacht worden sind, konnten bestimmungsgemäß dem Fond zugeführt werden; die übrigen Einnahmen mußten jedoch bis auf 500 Mk., welche der Reserve zufloffen, zur Deckung der laufenden und einmaligen besonderen Ausgaben verwendet werden. Pro 1 89 2/ 93 wurden sieben Kinder entlaffen. Die freigemord e nen Plätze wurden sosortwteder besetzt. Die Zahl der Pfleglinge beträgt zur Zeit zweiundzwanzig. Zu der bisherigen günstigen Entwickelung des Hauses haben insbesondere die errichteten »np Stiftungen beigetragen. Die Verwaltung bittet deshalb insbesondere, daß die Freunde des Hauses keine Gelegenheit versäumen möchten, bet entsprechenden Fällen auf die Anstalt hinzuwetsen; denn kann Jemand sowohl in der Freude wie in der Trauer etwas Schöneres vollbringen, als die Verewigung des eigenen Namens in Werken der Barmherzigkeit, womit diese gleichzeitig gekräfttgt und befähigt werden, die Wohlthaten ihrer Wirksamkeit immer weiteren Kreisen zugänglich zu machen! Das für eine »np Stiftung etnzuzahlende Kapital beträgt 300 Mk., hiergegen wird während des Trauerjahres das »np Gebet täglich morgens und abends von den Waisen verrichtet und das Jahrzeit für ewige Zeiten in althergebrachter Weise begangen. Der Ertrag der Almosenbüchsen ist in diesem Jahre etwas zurückgegangen, hoffentlich werden im neuen Jahre diese Einnahmen sich wieder entsprechend steigern. Büchsen können zum Zwecke der Aufstellung in Synagogen, Hotels und Bureaux von der Verwaltung in Dinslaken gratis und franco bezogen werden. Desgleichen wird auch der Bericht auf Wunsch Interessenten franco zugesandt. Berlin, 3. September. Bon einem Ausbruche des Antisemitismus in Algier berichtet die „Köln. Ztg.": Der ^Abgeordnete Thomson war, während er vor einem Kaffeehaus saß, Gegenstand einer feindseligen Kundgebung. Die Leute riefen: „Nieder mit Thomson! Nieder mit den Juden!" Die Polizei zerstreute die Menge, die wohl 500 Köpfe stark war. E. Mühlheim, 1. Sept. Der Gemeinderath dahier hat in seiner letzten Sitzung beschlossen der hiesigen isr. Gemeinde zur Anlegung eines jüd. Friedhofs einen Zuschuß von 300 Mark zur Verfügung zu stellen. Gewiß eine ehrende Anerkennung! Tanberbischofsheim, 3. August. Vorigen Monat verschied in Bad Kissingen, wo er Linderung für seine Leiden zu finden hoffte, der Bezirksälteste Herr Abraham Schloß, Inhaber deS Verdienstkreuzes vom Zähringer Löwenorden, im Alter von 64 Jahren. Der Verstorbene, der sich in seiner 40jährtgen Amtsthätigkeit als Synagogenrathsvorstand der Gemeinde unvergängliche Verdienste um dieselbe erworben und dessen Dienstjubiläum vor wenigen Wochen erst festlich begangen worden, gehörte auch über ein Vierteljahrhundert dem Ausschüsse der politischen Gemeinde an und war Vorstandsmitglied und Begründer des hiesigen Gewerbevereins. Der „Landesverein zur Erziehung israel. Waisen im Großherzogthum Baden" hatte sich seines besonderen Interesses zu erfreuen, und der „Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Juden" verliert in dem Verblichenen eines seiner eifrigsten Mitglieder. Den größten Verlust haben die verschämten Armen der hiesigen Gegend durch das Htnscheiden ihres Wohlthäters zu beklagen, der ihrer auch bei seinem Tode nicht vergessen. — Das Leichenbegängniß hat unter zahlreicher Betheiligung auch der nichtjüdischen Bevölkerung

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