Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1893)
- Date
- 1893-09-04
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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' 151 Die Kolonisation Palästina^. Aekerbau in Palästina. (III. Fortsetzung.*) --»-4>cC==®Ö^^öoaB#C^fei<><>==0«><^--— Sie predigt zugleich die immerhin tröstliche Wahrheit, dass eine von Juden in Palästina einmal errichtete Kolonie nie gänzlich dem Untergange verfallen kann, und weit hinaus über die Grenzen des konkreten Falles entnehmen wir daraus die Thatsache, dass schon darum einzig und allein Palästina der geeignete Boden ist, auf dem die Juden zum Ackerbau erzogen werden können. Drei Jahre nach ihrer Flucht nämlich kehrten die ersten Ansiedler, reicher an Erfahrung und verstärkt durch Auswanderer aus Russland, auf die verlassene Scholle zurück; der Grundbesitz ward erweitert durch Ankauf einer 14 Hektar grossen Landesstrecke, welche man unter dem Namen Jehudia zu einer neuen Kolonie gestaltete, und nun machte man hier zum ersten Male einen Versuch, der später von den zahlreichen anderen Kolonien Palästinas so oft und stets mit Erfolg nachgeahmt wurde, dass man nämlich den sumpfigen Boden sich dienstbar machte durch Anpflanzung von Kalyptusbäumen, ein Vorgehen, welches sogleich zur Sanirung des Bodens wesentlich beitrug. Aber auch jetzt noch blieb die Lage der Kolonie eine wenig beneidenswerthe. Ganz so wie die Ansiedelungen Ro sch-Pinah, J essod-Hamalah und Samarin fehlte es auch den Kolonisten von Pessach-Tikwah bald an Geld zum Betriebe des Ackerbaues, es fehlte ihnen das nöthige landwirtschaftliche Inventar, und bald sah sich die ganze Gründung am Rande des Verderbens. Dieses Schicksal teilte auch eine dritte jüdische Kolonie in Judäa. Es ist dies das jetzt als Perle Pa^stinas bekannte Dorf Rischon-Lezion. Am neunten Ab 1882, am Tage der Tempelzerstörung, war es von russischen Auswanderern gegründet worden, und es erschien bald, als sollte dieser dies ater für die Geschichte des jüdischen Volksthums auch ein verhängnisvolles Vorzeichen für den Lebensgang der neuen Kolonie sein. Bei ihrer Gründung ging man so geräuschvoll zu Werke, dass sofort nach Ankunft der ersten Ansiedler in Jaffa der Preis des Bodens in der ganzen Umgegend bis hinauf nach Jerusalem derartig in die Höhe stieg, dass kein S. NrT488. Araber ohne grossen Vorteil mehr Land verkaufen wollte, und sah man sich genötigt, den Hektar mit 125 Mark — eine Unsumme für die dortigen Verhältnisse — zu bezahlen. Für diesen Preis erwarb man in dem in der Nähe von Jaffa gelegenen Dorfe Ajun-Kanra 320 Hektar, und bald zeigte es sich, dass dieser so enorm teuer bezahlte Grund und Boden finden Anbau von Getreide völlig ungeeignet sei. Er erforderte eine unsägliche Menge von Arbeit, die ihrerseits wieder teuer bezahlt werden musste, und schliesslich gab er für all' die auf ihn verwandte Mühe statt der erhofften Getreidekörner nur Dornen und Disteln, Umgekehrt wie es im Psalm 126, Vers 6 lautet, waren die Kolonisten unter Gesang hinausgezogen zur Saat, und tränenden Auges brachten sie ihre spärliche traurige Ernte heim. Und wie sah dieses „Heim“ aus? Man muss den Ausdruck, wenn man die Verhältnisse jener jüdischen Kolonisten anwendet, in einem sehr übertragenen Sinne brauchen; denn ein „Heim“ in dem von uns mit diesem Worte verknüpften Sinne besassen jene Ansiedler keineswegs. Da war kein Schutz zu finden gegen die Unbilden des Wetters, gegen die Glut der Sonne und gegen die Gewalt der sich aus den Wolken ergiessenden Regenströme, da war kein trautes Plätzchen, wo man das ermüdete Haupt ungefährdet zu erquickendem Schlafe hinlegen konnte. Das Geld, welches sie mitgebracht hatten (4 2 0 0 0 Fr cs.), war man nur zu bald an die Araber los geworden, ohne dass es gereicht hätte zum Bau von Häusern. Zu solchen Bauten besass man gar nicht die behördliche Genehmigung. Die von schwerer Tagesarbeit ermatteten Glieder mussten sie nun auf dem harten, felsigen Boden zur Ruhe ausstrecken, — sie, die ehedem in ihrer verlorenen russischen Heimat gewohnt waren, auf weichen Daunen zu schlafen! Das Wasser, dessen man bedurfte, musste mühsam aus der Nachbar-Kolonie Mikweh-Iisrael geholt werden, nachdem der Versuch, einen eigenen Brunnen zu graben, den den Rest der ganzen Habe verschlungen und dabei doch nicht zum Erfolge geführt hatte. (Fortsetzung folgt.) f f