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Der Israelit · 1893-09-04 · Heft 71 (4.9.1893) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 71 (4.9.1893)
Date
1893-09-04
Page
– (sequence 26)
Language
German
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m Die Ackerbauschule zu Jaffa. (I. Fortsetzung.*) -^->- Diu Zeiten haben sich geändert; ein neuer Geist herrscht unter den Israeliten und treibt sie instinktiv zum Ackerbau, als dem einzigen Rettungsanker gegen Verfolgung, der zugleich eine Rückkehr zu den Traditionen der Vorfahren und dem sichersten Broderwerb ist. Jetzt strömen die Schüler herbei. Für einen treten Platz giebt es mt^r als zwanzig Bewerber. Sic werden sich entsinnen, dass unsere Anstalt schon eine grösst; Anzahl Schüler zählt, die aus Russsland und Rumänien stammen und naturalisirte Ottomanen sind; die aus den Alliance-Schulen stammenden Zöglinge gehören alle dem spanischen Ritus an. Diese Mischung der beiden Elemente halte ich für günstig. 21 Zöglinge haben uns in diesem Jahre verlassen, 6 von ihnen hatten sich nur kurze Zeit in der Schule aufgehalten; da wir bei ihnen keinen ernsten Geschmack an der Arbeit und dem Ackerbau wahrnehmen konnten, durften wir sie nicht behalten. Die 15 andern haben sich dem Ackerbau gewidmet; die einen arbeiten bei ihren Eltern, die bereits als Kolonisten tätig sind, die anderen haben vorzügliche Stellen bekommen als Arbeiter oder Werkführer in Meiereien oder Ackerbaukolonien in Egypten oder Palästina. Das sind nun 15 junge Leute, die in ehrbarer Weise ihren Unterhalt verdienen durch den Ackerbau, sie sind beliebt und geachtet bei denen die sie beschäftigen und unterstützen, und fördern, so weit ihre Kräfte reichen, den Fortschritt der Kolonisation. Es ist dies ein Erfolg, mit dem das Central-Comite — wie ich glaube — Grund haben wird, zufrieden gestellt zu sein. Alle Zöglinge, bis auf wenige Ausnahmen, ziehen erspriesslichen Nutzen von ihren Unterrichtskurseu; sie haben Freude an der Landwirtschaft u. treiben mit Eifer die praktischen Arbeiten. Namentlich die 20 jungen Leute, die kürzlich aus den Scliulen der Alliance in der Türkei und Bulgarien angelangt sind, geben mir Grund zur Zufriedenheit; 9 unter ihnen stammen aus K o rr s t a n t i n o p e 1; ich kaun ihnen nur Lob spenden. Es muss bemerkt werden, dass wir 5 zahlende Zöglinge haben, darunter 3 aus Konstantinopel und 2 aus Bulgarien. Welch’ *TS. N. 487. j besseren Beweis gäbe es wohl von der Bewegung, | welche unsere Glaubensgenossen zu der gesunden und erfrischenden Bodenbearbeitung treibt? Unsere Zöglinge werden folgenderweise in die praktischen Arbeiten der Bewirtschaftung eingeführt. Früher bereiteten wir eine Anzahl Schüler für jeden einzelnen Zweig vor; so hatten wir Zöglinge, die ausschliesslich in den Reben oder im Keller beschäftigt waren, andere, die sich ausschliesslich mit Gemüsebau etc. befassten. Dieses System hatte seine Schattenseiten. Diejenigen, welche nur mit den Rebstöcken Bescheid wussten, waren in Verlegenheit, wenn man ihnen eine Arbeit in der Baumschule oder in dem Gemüsegarten auftrug. Die Specialisten sind sehr zu empfehlen in Ländern, wo der Ackerbau sehr vorgeschritten ist. In unseren Gegenden sind Leute nöthig, die in allen Zweigen der Bodenkultur erfahren sind. Ich hielt es demnach für nöthig, unsere Zöglinge in allen Zweigen der Bodenkultur unterrichten zu lassen. Es kommt aber vor, dass der eine oder der andere unserer Knaben für irgend einen Zweig besondere Neigung zeigt, alsdann führen wir ihn besonders darin ein, ohne jedoch die anderen Zweige zu vernachlässigen. Die Arbeitszweige sind folgende: 1. Rebenciiltur und Kellerei; 2. Baumschule; 3. Gemüsegarten; 4. Obstgarten; 5. Beackerungsarbeiten, Ernten und Urbarmachung; 6. Haustiere, Ställe, Schäferei und Hühnerhof. Jeden Monat werden die Schüler in Gruppen vertheilt. Alle Morgen und alle Nachmittag begeben sie sich unter Anführung von verschiedenen Meister an die Arbeit. Der Wechsel findet zu Anfang eines jeden Monates statt. Die Arbeitszöglinge arbeiten, wie Sie wissen, den ganzen Tag über auf dem Felde. Die meisten von ihnen haben einen besonderen Gefallen an den landwirtschaftlichen Studien. Bis vor Kurzem hatten sie bloss 2 Schulstunden, die ich jetzt auf H ausgedehnt habe, und wovon eine zur Lectüre bestimmt ist. Von 11—12 Uhr wenn die Arbeiten ruhen, versammeln sich die Arbeiterzöglinge in der Bibliothek. Von 5 bis 6 Uhr nach Schluss der Arbeit erteilt ihnen Herr A v i g d o r Unterricht im Rechnen und in landwirtschaftlicher Buchführung, woraus sie grossen Nutzen ziehen. (Fortsetzung folgt.)

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