Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-09-04 · Heft 71 (4.9.1893) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 71 (4.9.1893)
Date
1893-09-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448383--37048-2485096
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1376 Die Methode des Unterrichts im Hebräischen, besonders in den Anfangsgründcn, von Lehrer Mansbach (Karlsruhe). In Ihrem geschätzten, weitverbreiteten Blatte ist schon so oft von der Methode des zu besprechenden Themas die Rede gewesen, daß ich mich für hinreichend entschuldigt halte, wenn auch ich die von mir seit 45 Jahren eingehaltene Methode der öffentlichen Besprechung anheimstelle, resp. auseinandersetze. Noch ehe man überhaupt nur etwas von einer Schreiblese-Lautiermethode im Deutschen hörte, habe ich schon, gemäß dem lat. Sprüchworte „schreibend lernen wir", und entsprechend der jüd. Vorschrift, daß jeder Israelit verpflichtet sei, sich das Gesetz abzuschreiben, bei meinen Schülern und Schülerinnen darauf gedrungen, daß sie den in der Lesefibel erlernten Lesestoff als häusliche Aufgabe in hebräischer Currentschrift abschreiben. Diese Abschrift ließ ich mir von den Schülern und Süülerinnen von der Schreibtafel vorlesen. Dann ließ ich mir ihre Arbeiten der Reihe nach geben und dieselbe von jedem betr. Schüler aus der Lesefibel vortragen. Vorkommende Fehler ließ ich von den Schülern verbessern. Durch dieses Uebertragen von der Druckin Currentschrift erreichte ich Doppeltes: einmal waren so die Kinder genöthigt, den in der Schule erlernten Lesestoff zu Hause zu wiederholen und dann wurde den spätern grammatischen Ausgaben vor- und fast in die Hände gearbeitet. Die Kinder waren gleichsam gezwungen, genau auf den Unterschied zwischen j, 3 u. 3, 3 u. 3, q u. c, i ui, i u. ■?[, 2 u. 2, 1. r «. j, x w- 5? zu achten, ein Punkt, wogegen in der Regel von den meisten Schülern, ja oft auch noch von deren Eltern gefehlt und eben dadurch nie ein richtiges Lesen erzielt wird, wenn nicht ein oder der andere Schüler dem Lehr- oder Predigersache sich zuwendet oder das Hebräische weiter pflegt. — Selbst bei Kindern ganz neologer Eltern, die es sich im Privatunterrichte streng verbeten hatten, ihren Kindern die hebr. Currentschrift, sondern nur das hebr. Lesen zu lehren — damit sie selbstredend nur w'ip sagen können — bestand ich darauf, daß die Schüler und Schülerinnen den durchgenommenen Lesestoff der Lesefibel als häusliche Aufgabe in deutsche Currentschrift übertrugen und war nicht allein ich, sondern weit mehr noch die Eltern von den raschen Erfolgen überrascht. In der Schule ließ ich mir selbstredend keine derartigen Vorschriften seitens der Eltern machen; da zeigte ich immer Wau iw p’n tz? nvnV. Damit das Schreiben von der Zeit an, wo die Lesefibel vollendet ist, nicht wieder vergessen, sondern vielmehr noch fester eingeprägt werde, richtete ich mein Augenmerk darauf, daß die Kinder, besonders in den ersten 2 Schuljahren nach dem Lescnlernen, jedes in der Schule gründlich durchgenommene Gebetstück als häusliche Uebung derart in Curre/tschrist abschreiben, daß hinter jedem einzelnen hebr. Worte die Ucbersetzung desselben in jüd. Deutsch gesetzt und sie gleichzeitig jedes neue Wort in das sogenannte Vokabelnheft auf gleiche Wcise eintrugen. So entstand unvermerkt unter der Hand des fleißigen, ordentlichen Schülers ein theilweis übersetztes Gebetbüchlein, das die häusliche Wiederholung im Verein mit dem Vokabelheft ungemein erleichterte. Das Kind war nicht mehr genöthigt, hiebei die Hilfe der Eltern oder Geschwister in Anspruch zu nehmen. — Will der Lehrer durch eine wohlthuende und zugleich nützliche Abwechslung dem Unterrichte noch einen dauernden Reiz verleihen, so schreibe er vor dem Beginne des Unterrichts deutlich und schön Sätze aus den voraenommenen Gebetstücken in Currentschrift ohne Vokale an die Schultafel und lasse dieselben von den Schülern von der Tafel ab vorübersetzen. So lernen die Kinder die Konsonanten beleben und mit u n vo calisir ten Stücken umgehen, sie also für den späteren Unterricht vorbereiten. Nicht minder cmpfehlenswerth ist es, wenn der Lehrer zur Abwechslung durchgenommene Gebet- und später ganze Chumesch- Stücke in '"L^-Schrift an die Schultafel schreibt und wie oben angegeben, damit Verfahren läßt. Auf diese Weise geht das Hebr. in Fleisch und Blut der Schüler und Schülerinnen über, es wächst gleichsam mit ihnen auf. Selbstredend ist es, daß der Lehrer von da ab, wo die Fibel beiseite gelegt und die nten genommen wird und und auf ru ndw und yj xw streng acfyte. Besitzen die Kinder auf diese Weise einen großen Wort- und Gesühlsreichthum und unterläßt es der umsichtige, für die heilige Sache begeisterte Lehrer nicht, das Kind auch bet jeder Gelegenheit auf die Kürze und Schönheit der hebr. Sprache aufmerksam zu machen, die mit Recht die heilige genannt wird, so beginne man den Chumesch-Unterricht, die eigentliche Quelle unseres Glaubens, den Ursprung aller beseligenden Religionen auf Erden. Nebenbei gehe er aber an der Hand Japhet's oder Herxheimer's Sprachlehre zur nähern Kennt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.