Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1893)
- Date
- 1893-09-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXIT. Jahrgang. Beilage )u M 71 Ses „Israelit“. Leitender Artikel. Eine ' 7 ' " SezelchMW der Usgellmge. Von L. PH. PrruS. Vor einiger Zeit wurden wir auf folgende Stelle im Schaare Dura, Vorschriften über Trepho, K. 86, aufmerksam gemacht: niw tpyn ryu -ara nSHD svvvz m rpyn *pa bxt* p^>yn pie smttr sjaan .ppn pipr np'D xi;w nxnn npv so& jrtp”m „Wenn der Flügel eines Vogels.nahe am Körper gebrochen ist oder aus dem Gelenk gerathen ist, so ist der Vogel trephoh, weil zu besorgen ist, daß die Lunge, d. i. Ptkeach, welche man Chariph nennt, gelöchert ist." Wir wurden nun gefragt, warum wohl die Vogellunge mit Ptkeach und Chariph bezeichnet werde? Den Namen Pike ach für Vogellunge fanden wir außer in dem genannten Werke des R. Jsak ben Meir aus Düren, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts lebte, am Frühesten, ebenfalls an der Stelle, wo von der Verrenkung des Flügels die Rede ist, bei dem berühmten R. Moses aus Couch in seinem Werke Semag (jtd), Gebote Mizwa 63, welches Werk um 1250 beendet wurde. Dann auch in Amude Golah oder Semak (p'vo) des R. Jsak aus Corbeil (verf. 1213) ed. Cremona, fol. 93. Dem Namen CHarif begegnen wir in “irvm iDx 'd von R. Jona Gherondi (1260). ed. Prag, fol. 67 a. Wir glauben nun die Lösung der Frage in der bekannten Talmudstelle Chulin, fol. 49 a. gefunden zu haben. Dort heißt es von der Lunge im Allgemeinen: nx mwer nxn ntar xnpa a'ryn. Warum heißt ihr Name Reah? Weil sie (so. ihr Genuß) die Augen erleuchtet. Die Wortbedeutung von Ptkeach und Chariph ist nun gut oder scharf sehend, welche also gleichbedeutend mit Reah nach der angeführten talmudischen Erklärung ist. Rabbiner Hirsch Spira >aa in Munkacs, der Verfasser des ausgezeichneten Werkes by nairn mentai nta»nr '.i jrr, dem wir unsere Erklärung mittheilten, stimmte uns bet und brachte für unsere Ansicht einen Beweis aus dem Damesek Elieser, Novellen des R. E. ben Samuel Zebi Aschknazi zu ybin. Dort findet sich fol. 95 folgende Stelle: rrnpe rwn r"y nun D’tsnpa -irr neixi nain*i *pn -pp Pr pip ■p,E&i Das Werk itpPx pro-», welches in rfcrni noaa nre-itai nta'nr *n öfters erwähnt wird, wurde im Jahre 1646 in Lublin gedruckt und ist überaus selten. Kaum war das Werk gedruckt und noch waren die Exemplare nicht alle zum Binden gegeben, als die Druckerei eingeäschert wurde. Wir sind deßhalb Herrn Rabbiner Spira für seine Mittheilung doppelt dankbar. Literarische Motiz. Wie wir erfahren, wird der in allen pädagogischen Kreisen so sehr geschätzte Leitfaden für den Religionsunterricht in der isr. Schule bearbeitet von Distrikt-Rabbiner N. Bamberger in Würzburg demnächst in dritter Auflage erscheinen, da die erst vor Kurzem gedruckte zweite Auflage bereits vergriffen. Es wäre zu wünschen, daß dieses vortreffliche Schulbuch, das bereits in einer großen Reihe von Rabbinats-Bezirken zur Einführung gelangt ist, stets noch größere Verbreitung erlange. Zeit»ugS«achrichten und Eorrespoudenzeu. Deutschland. Berlin, 31. August. Die „Berl. Ztg." schreibt: Der Pastor zu Grünau, Herr Rochow, mit dessen antisemitischer Leichenrede am Grabe eines verunglückten jungen Mädchens wir uns vorgestern beschäftigt haben, sendet uns die übliche „Berichtigung". Wir gewähren der Zuschrift Raum, obwohl dieselbe weit über den Rahmen einer Berichtigung hinausgeht. Wir wollen dem Herrn Pastor nicht das Wort verschränken, und so sei sein Brief hier wörtlich abgedruckt: „Grünau, den 30. August 1893. Auf Grnnd § 11 des PretzgefetzeS ersuche ich die Redaktion um gef. unverkürzte Aufnahme folgender Berichtigung zu dem in Nr. 202 gebrachten Artikel: 1) Unwahr ist die mir in den Mund gelegte Aeußerung: Die beiden anderen müßten gleich dieser Todten todt liegen. 2) Unwahr ist der angebliche Zuruf an den etwa zwölfjährigen Bruder der Verstorbeuen: Wachse heran und räche Deine Schwester! 3) Unwahr ist die ganze Darstellung, als hätte ich das Judenthum in seiner Gesammthett angreifen und für Ausschreitungen Einzelner verantwortlich machen wollen. Ich habe im Gegentheil in ehrenvollsten, gar nicht mitzzuverstehenden Ausdrucken betont, daß die Juden, welche durch ehrliche Arbeit sich zu Ansehen und Wohlhabenheit bringen, dieselbe Hochachtung verdienen, wie meine Glaubensgenossen und durch meine Ausführung in keiner Weise berührt würden. Diesen Passus (mehrere Sätze) weglassen, heißt, die Rede absichtlich entstellen. Dieselbe enthielt im übrigen nichts weiter als die „scharfe Verurteilung des hier vorgekommen Unfugs", deren Berechtigung auch Ihre Zeitung zugesteht, und die Schilderung von Thatsachen und Verhältnissen, die jeder Grünauer kennt und mit wachsenden Verdruß beobachtet. Sittliche Mißtände 574206