Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1893)
- Date
- 1893-09-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1366 ten Laden umher, in dem sich alles denkbare vorfand — es aufzuzählen würde gar nicht verlohnen; erstens glaubte es doch kein Mensch, und zweitens nehme es ein Buch für sich allein in Anspruch, aber das muß ich doch erwähnen, schon zu Ehren der Firma; in dem feinen Lokal mit den Spiegelscheiben, das sich seit kurzem geradeüber im Eckhause so breit machte, hätte man nach Hundert Dingen vergebens fragen können, die Tante Golde wie selbstverständlich aus einer der altersgebräunten Schiebladen ihres Repositoriums hervorholte. Sie vertrat nämlich ganz allein, ohne jede Hülfe das Haus Meier Levin Finkelstein, allerdings nur die Kurz- und Materialwarenbranche, das rohe Produktengeschäft war nach dem Tode des Mannes eingegangen; es war selbst für die Schultern der Wittwe zu viel gewesen. Aber auch ohne Pferdehaare und Kalbfelle gingen die Geschäfte, nicht zu verrufen, ganz gut, was die Inhaberin freilich nur, und auch das nur in schwachen Stunden, ihren Intimsten zugab. Die Conkurrenz machte sich zwar immer breiter, aber man wußte, Gott sei Dank, doch im Städtchen, wer den besten Kaffee, die dauerhafteste Strickwolle und die billigste Eisentöpfe hatte, dazu bedurfte es keiner Spiegelscheiben, wie bei „dem da drüben". „Dem da drüben" stellte Tante Golde übrigens durchaus kein günstiges Prognoftikon für seine Zukunft. Sic witterte freilich bei jedem aufstrebenden Geschäftsgenie — nota bene, wenn er sich einfallen ließ, „ihre Maaren zu führen", den baldigen Krach, aber seit dieser das Pfund Stearinlichte — Schterinlichter benannte sie Frau Finkelstein — um ganze ad)t Pfennige billiger abgab wie sie selbst und sich noch gar einen geschniegelten Ladendiener zugelcgt, der die Dienstmädchen „Fräulein" und die Tuchmacher- und Schusterfrauen „gnädige Frau" titulierte, stand es bei ihr bombenfest, daß er bald die Bude zumachen und' nach Amerika auswandern würde, genau wie seiner Zeit der Europamüde August Schmelke. Sie sah ja ein, man muß „bei diese schlechte Zeiten" der Kundschaft entgegenkommen und sie übervortheilte auch gewiß niemand und vergaß ebensowenig sicher nie jedem einigermaßen respektablen Käufer sehr freundlich ihr: „Beehren Sie mir bald wieder!" nachzurufen, aber verschleudern braucht sie ihre Maare darum doch nicht und die Frau vom ewig betrunkenen Schuster Ebel zur gnädigen Frau machen eben so wenig das war die Frau Finkelstein der Wochentage; an jedem Freitag aber, genau eine halbe Stunde „vor Schul", wurde diese abzestreift und ein anderer, ganz neuer Mensch kam darunter zum Vorschein. Wenn an dem genannten Tage um die angegebene Zeit das große Vorlegeschloß vor dem Laden befestigt war, der Schlüssel zweimal knirschend umgedreht, vorsichtshalber noch mittelst starken Rüttelns der Verschluß geprüft, dann war die eine Seele, die Geschäftsseele, begraben, um erst am nächsten Tage nach Sonnenuntergang ihre Auferstehung zu feiern. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 8. September, 27. Elul. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr 15 Min. (dl. E. Z.) Samstag, 9. September, 28. Elul. O'ILI Sabbat-Ausgang in Mainz 7 Uhr 40 Min. (dl. E. Z.) Sonntag, io. September, 29. Elul. Tnn rwn my Festes-Anfang in Mainz 6 Uhr 15 Min. (dl. E. Z.) Montag, 11. September, 1. Tischri. n"VJ 'N DV Dienstag, 12. September, 2. Tischri. n"T1 '2 OV Festes-Ausgang in Mainz 7 Uhr 35 Min. (dl. E. Z.) Mittwoch, 13. September, 3. Tischri. n'^Ti G13 Fasttags-Ausgang 7 Uhr 30 Min. (M. E. Z.) Der »JLraelit* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel M tzerteyerr bei S. g. 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Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Pädagogische Beilage. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen und ein Portemonnaie-Kalender für das Jahr 5654.