Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1893)
- Date
- 1893-09-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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13 64 das neue Gesetz erfolgen wird, wird das Resultat jedenfalls anders ausfallen, als dies am 20. August der Fall war. Diese war thatsächlich gegen das jüdische Schächten gerichtet und wäre ohne diesen Umstand auch damals schon anders ausgefallen. Jetzt aber wird es sich zeigen, daß man mit dieser gegen die Juden gerichteten vexatorischen Maßregel sich selber eine Ruthe gebunden und dazu sind die Schweizer doch zu praktisch. Treffend bemerken die „Basler Nachrichten", daß man an der Differenz zwischen beiden Abstimmungen ersehen kann, welchen Antheil der Antisemitismus und welchen die Rücksicht auf den Thierschutz bei der ganzen Agitation hat. Sollte es früher oder später thatsächlich zu einem Schächtverbote kommen, so träfe ein solches die israelitischen Gemeinden deshalb weniger empfindlich, weil dieselben nirgends sehr weit von den Landesgrenzen entfernt liegen, von wo sie ihren Bedarf an rituell geschlachtetem Fleisch beschaffen könnten. Zur Zeit ist unseres Wissens noch von keiner jüdischen Gemeinde ein Beschluß darüber gefaßt und alle diesbezüglichen Angaben der Zeitungen müssen als verfrüht bezeichnet werden. -£• Vermischtes. Berlin, 16. August. Die Feier des hundertsten Geburtstages Baruch Auerbach's, des Begründers der nach ihm genannten Waisenhäuser, hat Sonntag Vormittag auf dem alten Begräbnißplatz in der Schönhauser Allee stattgefunden. Etwa 300 Personen, meistentheils ehemalige Zöglinge der Anstalten, waren erschienen, und auch das Baruch Auerbach'sche Waisenhaus in der Oranienburgerstraße war durch eine Deputation von 16 Schülern vertreten. Die in der festlich decorirten Gebethalle abgehaltene Gedenkfeier verlies in würdigster Weise. Eingeleitet wurde sie durch Gesang, dann folgte eine Ansprache des Vorsitzenden des Baruch-Auerbach-Vereins, Herrn Kaufmann I. Kuffel, welcher in warmen Worten das Leben und Wirken des edlen Mannes und seiner Gattin schilderte. Hieran schloß sich wiederum Gesang, worauf noch einige frühere Zöglinge des Waisenhauses sprachen. An der Grabstätte Auerbach's wurde die Gedenkfeier durch eine Ansprache des Herrn Bleichrode, Jnspectors des Friedhofes, fortgesetzt und mit einem Schlußgesang beendet. Berlin. Der Inhaber der deutsch-sozialen antisemitischen Geschäftsstelle in Berlin, welche dieser Tage vom Gerichtsvollzieher unter Siegel gelegt wurde, ist (dem konservativen „Reichsbote" zufolge) der Baron v. Langen in Lüdershagen bei Stralsund. Freiherr v. Langen ist bekanntlich Mitglied der deutsch-konservativen Fraktion des Reichstages. Berlin, 22. August. Bei der Stiftungsfeier der hiesigen Universität wurden vom Rektor die Urtheile der Fakultäten über die eingegangenen Preisschriften verkündet. Die Fakultäten haben u. A. folgende Preise zuerkannt: die juristische: a) den königlichen Preis dem Studierenden der Rechte Hermann Hanau, d) den städtischen Preis dem Studierenden der Rechte Dr. phil. Walter Jmmerwahr; ferner ehrenvolle Erwähnung: den Studierenden der Rechte Hermann Daniger und Leo Marx; die medizinische: den städtischen Preis ür 1863 dem Kandidaten der Medizin Martin Jacoby; die philosophische: einen städtischen Preis dem Studierenden der Geschichte Victor Loewe. Aus Unter franken. Der Artikel „aus Süddeutschland" in Nr. 70 d. gesch. Blattes scheint aus einer Gemeinde Unterfrankens herzurühren, wenn es auch nicht zutreffend, daß dort irgend einer „mit Hausschuhen oder mit einer Mütze aus dem Kopfe" als i*n fungirt. Dagegen müßte „jeder ehrliche Jude", wenn möglich, „dagegen protestiren", daß Jemand, der in mD iiD'N lebt, von öffentlichem nui??r?n sich nicht abbringen läßt u. dgl. Kleinigkeiten! mehr — ]in ist. Die Qualifikation des mit demselben ]in associerten min p — uniDl soll vorerst noch Vorbehalten bleiben. BreSlau. Auf Antrag eines Gerichtsvollziehers war am 16. April dieses Jahres vor dem hiesigen Schöffengericht gegen den Kaufmann und Agenten Jsmar Ohnstein eine auf Beleidigung lautende Privatklage verhandelt und Ohnstein wegen öffentlicher Beleidigung zu einer Geldstrafe von 20 Mk. ev. 4 Tagen Gefängnis verurteilt worden, außerdem war dem Kläger die PublikationsbefugniS zugesprochen. Gegen dieses Urteil legte O. Berufung ein, und gestern gelangte daher die Sache vor der Ferienstrafkammer zu nochmaliger Verhandlung. Das Landgericht hob das schöffengerichtliche Urteil auf, verurteilte O. aber wegen einfacher, nicht öffentlicher Beleidigung zu 20 Mark Geldstrafe event. 4 Tagen Gefängnis; es ist also die Publikationsbefugnis in Wegfall gekommen. Ohnstein war zur Last gelegt worden, einen Gerichtsvollzieher mehreren Bekannten gegenüber als „Antisemiten" bezeichnet zu haben. Fischach b. Augsburg, 27. August. Am 23. beging das Ehepaar, Herr Josef Gunz und dessen Gattin, Frau Jette Gunz geb. Rosenfelder das seltene Fest der goldenen Hochzeit im engsten Familienkreise. Herr Gunz feierte am genannten Tage auch sein 52jähriges Jubiläum, die Mizwas Milah bethätigte er mit größter Gewissenhaftigkeit und mit unverdrossenem Eifer sowohl am hies. Platze als auch weit über Bayerns Gauen hinaus seit der erwähnten Zeit unentgeltlich. In Anbetracht dieser Leistung für die hies. isr. Kultusgemeinde überreichte ihm der Vorstand, Heinrich Lemle und die Kultusverwaltung am vergangenen Sonnabend einen prachtvollen silbernen Pokal mit der Widmung: „Zum Andenken von der iSraelit. Kultusgemeinde Fischach." Das hochgeschätzte Ehepaar, das einer streng religiösen Führung sich riihmen kann, erfreut sich einer seltenen Rüstigkeit und Geistesfrische bei einem Alter von 78 Jahren d. Gatten und 71 Jahren d. Gattin. Möge eS der Allgütige in gleicher Frische und Gesundheit noch das Fest der diamantenen Hochzeit erleben lassen! London, 21. August. „Reuter's Office" meldet aus Tanger: Der franzosiche Unterthan Cohen wurde gestern Abends in Zuani ermordet aufgefunden. Die Mörder sind unbekannt, doch vermuthet man, daß es Mauren sind. Die französischen Behörden begaben sich behufs Untersuchung nach der Wohnung des Getödteten. Feuilleton. ** Tante Golde. Novelle von R. Litten. Woran das lag, daß die Stube der Tante Golde etwas so Trauliches hatte, das war schwer zu sagen. Genug, es war da, es huschte über die fast unmöglich weiß gescheuerten Dielen, es gaukelte von den Balken der niedrigen Decke, es lugte durch die Maschen der kunstvollen Filetgardienen, es duftete aus den