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Der Israelit · 1893-09-04 · Heft 71 (4.9.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 71 (4.9.1893)
Date
1893-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1382 hatte, ihm Arbeit in einem jüdischen Hutgeschäft zu verschaffen, die er aber ablehnte und darauf einer christlichen Frau die ganze Mär von der Gefangenschaft erzählte. Berlin, So. Aug. Der bekannte Antisemit Ingenieur Paasch, der wegen Beleidigung des Reichskanzlers und verschiedener Minister angeklagt und in Untersuchungshaft war, ist jetzt aus der Untersuchung entlaffen worden. Die Entlassung ist durch einen Beschluß der Strafkammer auf Grund jenes ärztlichen Gutachtens bewirkt worden das Herrn Paasch gerichtlich für veryandlunqsunfähig erklärte. Damit ist die Prozeß-Episode Paasch, soweit sie ihn persönlich betrifft, vorläufig erledigt. Aus dem Badische«. Die aus kaum 20 isr. Familien bestehende Gemeinde in Neufreistett feierte Freitag den 25. V.M. die Einweihung ihrer renovierten Synagoge; schon viele Jahre war die Renovirung ein Bedürfnis, da die Synagoge von innen und von außen ein sehr nothdürstiges Aussehen hatte. Es war zu bezweifeln, daß das Projekt zu Stande käme, da die Gemeinde bei ihrer kleinen Anzahl große Opfer zur Bestreitung ihres Cultusaufwandes aufbringen muß; jedoch der rastlosen Thätigkeit ihres Vorstandes Herrn Jakob Hammel ist es zu verdanken, daß hier ein Werk entstanden, welches der Gemeinde zur Zierde gereicht. Aus freiwilligen Spenden von Nah und Fern wurden die Mittel zum Bau aufgebracht. Auch S. K. H. der Erlauchte Großherzog und Erbgroßherzog von Baden trugen seiner Zeit ihr Schärflein dazu bei. Die Einweihungsrede hielt der Bezirksrabbiner Herr Dr. Mayer aus Bühl und behandelte als Thema den Vers 7 aus Kap. 58 in Jesaja: rtbs>n na »na a D’oyn bsb xip' Denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker. Der Redner hob besonders die toleranten Lehren unserer Thora und des Talmud hervor und fand großen Beifall nicht nur bei den Israeliten, sondern auch bei den zahlreich Erschienenen anderer Confessionen. Der Herr Bürgermeister sowie der Gemeinderath waren während der ganzen Feier anwesend. Herr Oberbürgermeister aus Kehl (ein geborener Neufreistetter) entschuldigte sich und bedauerte es nicht erscheinen zu können und sandte auch eine Depesche. Es ist in unserer heutigen aufgeklärten, aber dennoch bezüglich des religiösen Friedens so sehr leidenden Zeit besonders angenehm und erfreulich, wenn man steht, daß es auch noch Gegenden giebt, wo das beste Einvernehmen zwischen Juden und Christen herrscht. Ein fernerer Beweis davon ist, daß zwei Israeliten hier dem Gemeinderath angehören. Rühmend wurde das schöne Einvernehmen der beiden Confessionen hier auch vom Herrn Redner hervorgehoben mit dem Wunsche, daß solche Toleranz auch in andern Gegenden Nachahmung finden möchte. Abends fand ein Festessen statt, wobei sehr schöne Toaste und Reden gehalten wurden. Der erste Toast galt Sr. K. H. unserem vielgeliebten Großherzog. In sehr ergreifenden Worten schilderte dann Herr Dr. Mayer die viele Mühe, und — den Hohn, welchen Herr Hammel ertragen mußte vor Erreichung seines Zieles und verglich solchen mit dem Hohne der Samaritaner, welche den Bau des zweiten Tempels verhindern wollten, und wie damals Gott seine Hilfe sandte, so sei es auch hier, uvjn nxteJ x»n nw ,-iwn 'n nxo Mit Stolz darf jetzt die hiesige Gemeinde auf ihr Bethaus blicken. Am na«? um 9 Uhr fand abermals ein Festgottesdienst statt und auch hier fand die Rede des Herrn Dr. Mayer allgemeinen Beifall. Redner wählte als Text aus Jesaja K. 66 V. 1. v'vvn nt ’xi uän *wx na m x onn pxm 'xvv TinuD DipD Der Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füße Schemel. Wo ist da ein Haus, das ihr mir bauen möget und wo ein Ort meiner Ruhestätte? Insbesondere betonte der Redner, daß heute das Zeitalter der schönen Synagogenbauten ist und doch ist der alte ächte jüdische Gottesdienst an so vielen Orten ganz anders, als er sein soll, auf die schönen Gotteshäuser kommt es nicht an, denn es reicht ja jeder Platz, jedes Fleckchen Erde hin in Andacht vor Gott zu beten. Er braucht keine Paläste; möge, nachdem die Etnweihungsfeier vorüber ist, nicht auch die Begeisterung verschwinden, sondern recht oft und viel diese heilige Stätte besucht und benützt werden. — Das Fest verlief in schönster Weise und wird allen Theilnehmern noch lange in freudigem Andenken bleiben. Im Verlauf des Festes wurde folgendes Telegramm an Seine Königliche Hoheit den Großherzog abgesandt: Neufreistett, 26. Augnst 1893. Großherzog von Baden, Coburg! „Die anläßlich der Synagogeneinweihung versammelten Festgäste entbieten Eurer Königlichen Hoheit ihren ehrerbietigsten und allerunterthänigsten Gruß. Für die isr. Gemeinde Neufreistett Hammel. worauf die nachstehende huldvolle Antwort erfolgte: Coburg, 27. August. Ich danke der Festgemeinde für den freundlichen Gruß bet Einweihung der neuen Synagoge. Friedrich, Großherzog. Gotha. Der „Anhalter Staats-Anzeiger" in Dessau schreibt an der Spitze des Theiles „Aus Anhalt": „Zu den Leichenfeierlichkeiten in Gotha ist auch Herr Baron von Cohn durch folgendes Telegramm des Hofmarschallamtes in Gotha eingeladen

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