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Der Israelit · 1893-08-31 · Heft 70 (31.8.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 70 (31.8.1893)
Date
1893-08-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1348 Israeliten Rußlands nach den westlichen Städten zurückzudrängen, wo für sie weder Raum noch Arbeit ist, so wird man sich nicht zu wundern brauchen, wenn unter ihnen die Sterblichkeit schließlich das Geburtsverhältniß übersteigen sollte. Darauf scheinen es ohnehin die Petersburger oder Moskauer Berather mit dieser nicht minder bizarren als unmenschlichen Regierungsmaßregel abgesehen zu haben. Dort, fern von den Blicken eines ob seiner Güte verdientermaßen geliebten Herrschers sind drei oder vier Millionen Unterthanen des Czaren zu einem langsamen und stillen Siechthum in ihrem systematisch verengten und ausgehungerten Ghetto verurthcilt. Es bedarf der ganzen Dulderkraft der Juden, um bis jetzt widerstanden und den Tod verhindert zu haben, die Ufer des Riemen und Dniestr von dem schmutzigen Schauspiel ihres Elendes zu befreien. Denke ich an die Lebenswelse, zu welcher Ende dieses Jahrhunderts noch die Mehrheit der europäischen Juden gezwunge, ist, so wundere ich mich nicht über die augenscheinliche Entartung der Race. Während Jahrhunderten auf solche Weise behandelte Menschen haben das Recht, klein, schmächtig, kraftlos, armselig zu sein. Es wäre lächerlich, von ihnen den prächtigen Torso des Griechen oder die schöne Stattlichkeit des Engländers zu verlangen. Fehler oder Eigenschaften, Vorzüge oder Schwächen, alle Eigenthümlichkeiten seiner physischen und moralischen Beschaffenheit rühren bei dem Juden von seiner Vergangenheit her. Auf diesen Kehrreim müssen wir immer wieder zurückkommen, und da wäre denn eine Unterscheidung zu machen: daß nämlich das Gute in seiner physischen und vielleicht auch in seiner moralischen Beschaffenheit von ihm, das Schlimme dagegen von uns zu kommen scheint, das eine ist sein Antheil, das andere der unserige. Seine Langlebigkeit, seine Widerstandskraft gegen Krankheiten, seine Schutzsicherheiten gewissen Erkrankungen gegenüber kommen auf Rechnung seiner Vorfahren; er verdankt sie seinem Gesetze, seinen Satzungen, seiner Mäßigkeit. Seine Schwächlichkeit hingegen und die organischen Fehler verdankt der Jude unseren Gesetzen, unserem Ghetto, unserem Einpferchungssysteme. Auch hier, in seinem Fleisch und Blute, können wir sagen, daß der Jude ein künstliches Product ist, geformt und gleichsam^ geschaffen, zur Hälfte durch sein Gesetz und die Hälfte durch die unseligen, durch unsere Gesetzgtber und durch seine Rabbiner. Die Unterschiede selbst, welche wir zwischen Juden und Juden, zwischen den Israeliten dcs Ostens und jenen des Westens feststellen, liefern den Beweis dafür. Die Race erhebt sich wieder physisch wie moralisch: der Jude gewinnt au Kraft, er regenerirt sich in dem Maße, als die Ketten, die auf ihm gelastet, abfallen. Zeitungsnachrichten tsttfr Correspondenzeu. Deutschland. j Berlin Von dem Wosserunglück bei Grünau, bei dem einige junge Mädchen und ein junger Mann | den Tod in den Wellen fanden, werden die Leser dieses Blattes bereits durch die Tagesblätter unf terrichtet sein. Es ist ein trauriger Unglücksfall, [ der um so bedauerlicher ist, als leider auch hier ein! häßlicher Unfug vorgekommeu und die Quelle für das Unglück gewesen sein soll. Wie wir nun der „Berliner Zeitung" entnehmen, hat bei der am Sonntag ftaltgefundenen Beerdigung des einen jungen Mädchens zu Grünau der jugendliche Prediger Rochow in den heftigsten Angriffen gegen das Judenthum sich ergangen. Nachdem der Prediger in kurzen Wo ten das glücklicheFamilienl.bcU besprochen, das durch die Katastrophe zerstört, sagte er, zur Ursache jener übergehend, wörtlich: „Schuld sind allein die bodenlos leichtsinnigen, j lüsternen, jüdischen I nngen." Indem er sich zu einer Charasteristik der am Sonntag Grünau „verschimpfierenden" jüd. jungen Leute verstand, sagte er: „Betrachten wir nun einmal diese Leute, die Grünau am Sonntag verschimpfieren. Man erkennt sie schon am Gang, an ihren Manieren und ihrem ganzen Gebühren, ihr ganzer Sinn ist Lüsternheit. Warum gcben sie ■ sich nicht mit Mädchen ihres Volkes ab $ Sie thun es nicht, um andere Nationen mit Kot zu besudeln, nur damit sie rein bleiben. Es ist daher nicht zu verwundern, daß angesichts solcher Pestbeulen, die an unserm Volke nagen, ei n Gefühl derFeindseltgk et t g egen di e Bekenn erd er jüdischen Religion Platz greift." „Es gibt noch einen Rächer im Himmel! — J so soll der Prediger der „christl. Liebe" fortgefahren j haben. — Einen, der heute beerdigt wurde, (Boas) J hat d ie Strafe bereits ereilt; die anderen ] beiden, d i e gleich d te sen Tod ten to dt liegen | müßten, wird sie noch treffen, und wenn nicht an | ihrem eigenen Leibe, so doch an ihrem Leibe und j Blut." An den jugendlichen Bruder der Verstordenen sich wendend, soll Herr Rochow ausgerufen j haben: „Du, mein Sohn, wachse heran und räche i Deine Schwefler." Hierzu bemerkt die „Berz liner Zeitung:" Wir sind der Meinung, daß der 1 Prediger, so sehr im einzelnen Falle die Versuchung J nahe lag. am offenen Grabe einen Tadel auszu- | sprechen, kein, aber auch gar kein Recht hatte, seine f Beschwerde derart zu verallgemeinern, wie er es ge- 1 than. Worte, wie sie der Prediger gesprochen, gej hören nicht in eine Grabrede hinein. Diese Worte sind nichts anderes als einen Aufruf zu Haß und « Verachtung, zur Rache und Verfolgung, eine schwere I

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