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Der Israelit · 1893-08-31 · Heft 70 (31.8.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 70 (31.8.1893)
Date
1893-08-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1349 Aufreizung gegen eine Gesammtheit von Staatsbürgern, die für den Vorfall, um den es sich Hanz delt, in keiner Weise verantwortlich gemacht wer- * den kann. Wenn übrigens der Herr Prediger Rochow i sich über die „Lüsternheit" derart erregt, so hat er j. gar nicht nöthig, gerade nach Grünau und zu dem l „jüdischen Jungen" zu gehen. Unter seinen eigenen Amtsbrüdern braucht er sich nur umzuthun, um alsbald zu erfahren, daß der sinnliche Trieb nicht auf Bekenner bestimmter Religionen, auf :j Angehörige bestimmter Gesellschaftsklassen sich beschränkt. Nun führt das genannte Blatt als Beweis an die Fälle vom früheren Prediger Mathis in Lichtenberg und dem jetzt als geisteskrank erklärten Prediger Harder in Wetßensee. „Wie würde es", so schließt das Blatt, „Herrn Prediger Rochow gefallen, wenn wir hier verallgemeinern * wollten? — Richtet nicht", so steht geschrieben, „auf daß Ihr nickt gerichtet werdet!" O über die Stöcker und Konsorten, so können wir nur noch hinzufügen, die schon in ihren Ecbauungspredigten den Antisemitismus predigen, die hier ein willigeres Ohr und gespanntere Aufmerksamkeit fanden als in den Radauversammlungen, deren Theilnehmer man ja erst durch Erleg eines kleineren oder auch größeren Eintrittsgeldes werden kann. Was für eine Moral folgt da für uns aus dieser Sache. Kurz: ein bischen mehr Religion, und solche Fälle wie die angeblich hier vorgekommenen, würden nicht möglich sein. Unsere jüdischen jungen Leute aber, die bisweilen im Unglauben aufwachsen, denen darum auch jeder Boden für alle Sittlichkeit fehlt, sie halten es für zum guten Ton gehörig, so sie ihren Leidenschaften nachflehen und ihren Begierden fröhncn. Früher, wo ein jeder im strengen Wandel in Gottes Wegen aufwuchs, wo ein jeder Gott « kannte, da war Sittlichkeit, strenge Zucht eine her- I vorragende, allbekannte allen Israeliten angehörige I Eigenschaft. Darum fort mit dem sogenannten ] Zeitgeist, der alle Religion entwurzelt, erziehet j ehr Väter und Mütter in Israel eure Kinder j echt jüdisch, treu den Gesetzen unser hl. Religion j und wir haben dann brave Israeliten und wackere I Menscken. onnnt6 ira» nw iddr M. L. | Xanten, 19. Aug. Die „Ruhrorter Zeitung" f schreibt : In Eltve scheint die noch immer schwebende I Untersuchung wegen des Tantener Knabenmordes 1 in eine neue Phase getreten zu sein. In der ver- I gangenen Woche war auch die bekannte Hauptzeugin I Dora Moll, welche die kleine Leiche zuerst bemerkt | hatte, wieder zum Verhör geladen worden. Wie verlautet, bewegt sich die Untersuchung diesmal in einer ganz bestimmten Richtung und es scheint doch noch nicht alle und jede Hoffnung auf endliche Klar- . stellung dieser Blntthat geschwunden zu sein. Oester.-Ung ar. Monarchie. Znaim. In den letzten Tagen hat sich vor den Znaimer Geschwornen ein sehr bemerkenswerther Preßproceß abgespielt. Der Redactur des dortigen deutschliberalen Blattes war von dem Herausgeber eines antisemitischen Hetzblättchens wegen Ehrenbeleidigung verklagt worden, weil er dem Letzteren gründlich die Wahrheit gesagt hatte. Die Znaimer Geschwornen haben den angeklagten Redacteur freigesprochen und damit entschieden, daß der Wahrheitsbeweis für alles das, was über die Verlogenheit und Gemeinheit des antisemitischen Wisches gesagt worden war, thatsächlich erbracht wurde. Unter den Zeugen, welche vernommen wurden, befanden sich die angesehensten Bürger Znaims. Die Aussagen derselben waren geradezu vernichtend für den Kläger. Ec mußte es sich ins Gesicht sagen lassen, daß sein Blatt ein Schimpf-Lexikon sei, welches für jene Christen, die sich nicht zum Antisemitismus bekennen wollen, nur unfläthige Schimpfworte kenne, daß Ausdrücke, wie „Schufte," „Schurken" und „Judenknechte" die stereotypen Ltebltngsausdrücke seiner Schriftleiter seien. Dem geistigen Leiter dieses „christlich-socialen" Blattes wurde vor aller Welt der Anwurf zugeschleudert, daß er ein Tartuffe sei, der vor nicht langer Zeit erst in einer Weise von christlichen Glaubenssachen gesprochen, welche das religiöse Gefühl liberaler Katholiken verletzte; daß die Wandlung seines Blattes, das Plötzlich für Religion und Kirche schwärme, Heuchelei sei, die auf rein geschäftlichen Erwägungen basirte. Welche Früchte das Blatt zeitigte — ein christlicher Zeuge schilderte sie mit den Worten: „Bis vor Gründung des Blattes herrschte Ruhe und Frieden in der Stadt. Ob Deutscher, ob Czeche, Christ oder Jude, die Bevölkerung kannte keinen nationalen, keinen confessionellen Unterschied, sie lebte in Eintracht. Nach dem Erscheinen des Blattes änderte sich das Bild, Haß und Rachsucht traten an Stelle von Frieden und Eintracht. Heute weicht Einer dem Andern scheu aus, die Bürgerschaft ist entzweit und im öffentlichen Leben herrscht Verbitterung." Aus dem Grotzherzogthum Bade« wird uns geschrieben: Die Haupt- und Residenzstadt unseres Landes „Karlsruhe" besaß bisher trotz ihrer großen Umgegend leider kein jüdisches Hotel feineren Stieles, in dem größere Festlichkeiten abgehalten werden konnten. Diesem Bedürfnis wird jetzt durch den Neubau des Herrn L. Strauß abgeholfen. Derselbe errichtet ein Hotel in einer Weise, die allen gerechten Anforderungen entspricht. Verschiedene größere comfortabte Säle zur Abhaltung von Hochzeiten u. s. w., elegante und einfache Zimmer zum Logieren, taffen bei ausgezeichneter, streng Küche hoffen, daß dieses Hotel, welches den Namen „Europäischer Hof" führen wird, sich alsbald die Gunst des Publikums erobern wird und wünschen wipWem Unternehmer rD“C und

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