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Der Israelit · 1893-08-31 · Heft 70 (31.8.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 70 (31.8.1893)
Date
1893-08-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Erste Kellage zu M 70 des „Israelit". Leitender Artikel. Leroy-Beaulieu über die Thora. Aus dem 7. Capitel seines Werkes: - ^Die Juden und der Antisemitismus^. (Schluß aus Nr. 58.) Der Jude in Litthauen, Polen, Kletnrußland zeichnet sich häufig durch Engbrüstigkeit aus. Es! würde dies genügen, um diese schwächlichen, schmächtigen Juden des Ostens als Schwlndsuchtscandidaten! zu bezeichnen. Den Musterungskommissionen in Rußland ist diese Thatsache wohl bekannt. Sie sind genöthigt, alljährlich eine große Anzahl israelitischer Rekruten wegen Unzulänglichkeit der Brustentj Wicklung auszumustern oder zurückzustellen. *) Man : versichert mir aus Rußland — es fällt mir schwer daran zu glauben — daß die Mtlitärreglements in - Betreff der Juden das zur Diensttauglichkeit vorgeschrtedene Maß für den Brustumfang herabgesetzt i haben. Es widerstrebt die Annahme, daß ein schlecht gebauter Mensch, weil er beschnitten ist, die Kraft habe, die Flinte zu tragen, j Diesen Mangel an Brustweite kann man kaum! dem Ursprung der Rasse und dem semitischen Blut zuschreiben — da die polnischen Juden wahrscheinlich die wenigst semitischen unter den Juden sind. Er rührt vor Allem von ihren Existenzbedingungen her, von ihrem Leben als Städter, von der in den t Berufsgeschäften der Meisten bedingten sitzenden I Lebensweise, und am Allermeisten vom Elend während Jahrhunderten. Deßhalb findet man bet den Juden des Ostens wie auch bei den Israeliten iß des Occidents so häufig schwächliche Constitutionen, j Das philologische Elend ist die Folge des wirthschastltchen Elendes gewesen. Die physische Stärke, die Muskelkraft hat von Geschlecht zu Geschlecht abgenommen; das Blut ist verarmt, der Wuchs kleiner, Schultern und Brust sind schmäler j geworden. Biele Juden der großen Judenschaften haben etwas Sieches, Verkümmertes. Es besteht bei Vielen unter ihnen eine Art Verschlechterung und Entartung der Race. Es ist mir dies häufig! in Galizien, Rumänien, Rußland, im Orient — mehr vielleicht als anderswo in Palästina ausgefallen. Es erinnerten mich diese nach achtzehn Jahrhun- I derten in das Land ihrer kräftigen Vorfahren I heimgekehrten blutarmen deutschen Juden an jene | Söhne aus alten Familien, die, von Zehrkrankheit z ergriffen, in das verfallene Schloß ihrer Väter 1 heimkehren, um dort zu sterben. G 1) Siehe: L’Empire des Tsars et les Russes, Band III; G la Religion, Buch IV. Cap. III. Der Jude ist allerorten häufig schlecht gebaut, schlecht gewachsen, schlecht beisammen. Es besteht ein seltsamer Gegensatz zwischen seiner zähen Lebenskraft und seiner Körperschwäche. Seine Schwächlichkeit beeinträchtigt bisweilen sein männliches Aussehen. Die Maschine ist bei ihm gebrechlich; der Knochen- und Muskelbau von geringer Kraft. Der Jude hat eine geringe Schulterbreite: in manchen Gegenden ist er offenbar zu grober Arbeit ungeeignet. Er ist da ganz das Gegentheil des Engländers, des Auvergnaten, des Piemontesen, des Gallego in Spanien, deren Körperbau ist zu harter Arbeit befähigt. Außerdem ist der Jude häufig verwachsen. Bei wenigen Racen findet man so viele Mißgestaltete und so viele Schwächlinge: geborene Bucklige Blinde, Taubstumme, Idioten. Der Grund dafür ist nicht nur in dem Mißbrauch der Frühehen oder der Blutsverwandtehen zu suchen, sondern auch und vor Allem in der jahrhundetelangen Abschließung, in dem Mangel an Bewegung, Luft und Nahrung. Wie dem Geologen, so hilft auch dem Geschichtsschreiber die Gegenwart häufig zum Verständniß der Vergangenheit. In der Geschichte vornehmlich tritt die Thätigkeit der langsam wirkenden Ursachen hervor; und wir brauchen bisweilen, um dieselben am Werke zu sehen, nur unseren Blick von einem Lande nach einem andern zu lenken. Jene Kräfte, welche den mittelalterlichen Juden herausgebildet, ihn zugleich abgehärtet und geschwächt haben, nämlich die Verfolgung, die Einpferchung, das Elend wirken im Osten von Europa noch fort. Selbst heutzutage sind die Judenschaften des Ostens so arm, daß die Nahrung des Juden auf ein Mindestes beschränkt ist. Das trifft insbesondere bet den fünf Millionen russischen Juden zu. Unter dem nordischen Klima haben sie die Möglichkeit entdeckt, mit einer Ernährung ihr Auskommen zu finden, welche unter einem milderen Himmel kaum genügen würde. Wie sollte ihre Gesundheit nicht darunter leiden? Seit Langem schon hat man die Bemerkung gemacht, daß der Jude in Klein-Rußland weniger Nahrungsmittel verbraucht, als der orthodoxe Russe oder der katholische Pole.2) Und seine Nahrung nimmt an Nahrhaftigkeit in dem Maße ab, als die Gesetze und die Verordnungen des Reiches sich zu befleißigen scheinen, ihm sein armseliges Dasein noch mehr zu erschweren. Wenn die russische Polizei so fortfährt, die 2) Siehe P. Tschubinsky: Tiudy Etnogr. Statist, ebsped. v. Zapadnorusskij kraj Section des Nordostens, Band VII, 1. Theil.

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