Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 70 (31.8.1893)
- Date
- 1893-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1342 N»3K "Vl^ nN "l'DTK *lffN DlpD $>33 „An jedem Orte, wo ich werde nennen lassen meinen Namen, spricht Gott, werde ich kommen zu Dir und werde Dich segnen!" Das Gotteshaus müsse seine Heiligkeit auch auf daS häusliche Heim übertragen, nicht nur während der Andacht, sondern auch zu jeder Zeit müsse es seinen Einfluß geltend machen. Dieses Gotteshaus sei wohl ein neuer Raum, eine neue Zeit sei auch herangebrochen, die alles Alte vernichtet, doch müsse das jüdische Leben für alle Anhänger dieser Gemeinde unverändert das alte, wahre und echte bleiben. Wenn es auch, wie nach dem Auszuge aus Mizrajim auch jetzt viele Parteiungen in Israel gibt, so dürfe sich niemand abhalren lassen, alles Fremdartige und Neue auszuschließen, jetzt heiße eS nicht mehr: »xa ute, ura nnx sondern für einen jeden gilt: 'hu 'nV 'v. Mit einem warmen Appell an seine Gemeinde, auch in Zukunft den Glauben an Gott in Aufrichtigkeit und treuem Herzen anzuhängen, schloß Herr Dr. Ltpschütz seine tnbaltsreiche, gedankenvolle gediegene Predigt. Alsdann folgte das Gebet für den Kaiser und nach Absingung weiterer Psalmen endete die erhabene Feier. M. L. Berlin, 27. August. Soeben sind wir von einer würdigen und erhebenden Feier zurückgekehrt, die noch lange in unserer Erinnerung haften wird. Eine der ältesten Zweiggemeinden der hiesigen jüdischen Gemeinde, die „Schochare-hatob-Gemeinde", feierte die Einweihung ihrer neu errichteten Synagoge, Schillingstraße 12. Der Bau ist würdig und angemessen ausgestattet und den Anforderungen der Neuzeit entsprechend eingerichtet. Die Feier fand ihren Höhepunkt in der herrlichen Festpredigt des Herrn Dr. M. Petuchowski. Der Redner sprach in begeisternden Worten von der Bestimmung des Gotteshauses überhaupt und seiner hohen Bedeutung für unsere Zeit insbesondere. Anknüpfend an das klassische Gebet Salomo's bei der Einweihung des ersten Tempels, schilderte er die Synagoge in ihrer dreifachen Bestimmung: als „Haus des Gebetes", in dem wir unser Herz vor Gott ausschütten und uns im Gebet in das Reich des Ewigen erheben, als „Haus der Belehrung", in dem das Wort der Wahrheit verkündet und der Glaube durch Wissen und Erkenntniß gestützt und gefestigt wird, und als „Haus der Versammlung", in dem die Menschen mit ihren entgegengesetzten Interessen und Anschauungen sich in einem großen Gedanken vereinigen und denselben Gott bekennen und so das schöne Bild der Eintracht und Brüderlichkeit veranschaulichen. Mit einem warmen Gebete für den Kaiser und König schloß die geistvolle, in Form und Inhalt gleich meisterhafte Rede, welche den tiefsten Eindruck auf die sehr zahlreich erschienenen Zuhörer machte. — Unser Prediger, Herr Dr. M. Petuchowski, der seit nunmehr 2Y2 Jahren so segensreich an unserer Gemeinde wirkt, hat es im Laufe der Zeit verstanden, die Gemeinde zu heben und ihr einen neuen Aufschwung zu geben. Hoffen wir, daß seine edlen Bemühungen auch fernerhin von reichem Erfolg gekrönt sein mögen und an ihm sich das Wort des Spruchdichters bestätige: 3D mit? psn »p3\ B. M. Aus Güddeutschland. Der Artikel in Nr. 68 des „Israelit" „Aus Bayern" verdient sehr der Beachtung, wenn er daran erinnert und mahnt, daß im Gottesdienst der nöthtge Anstand herrschen solle und kein ot^n hervorgerufen werde. Ich bin in der Lage heute auf einen Mißstand aufmerksam zu machen, der sehr gerügt werden muß und den die Herren Bezirksrabbiner sich angelegen sein müßten, zu beseitigen und zwar mit aller Energie. In vielen Orten herrscht der Brauch, daß der bzx oder wer „Jahrzeit" hat, selbst vorbetet. So kommt es in Gemeinden vor, daß der eigentliche pri an den Werktagen außer dem Thoravorlesen am Montag und Donnerstag gar keine Funktionen in der Synagoge das ganze Jahr hindurch hat. Wenn wir das Recht, an Werktagen vorzubeten, überhaupt nur dem pin oder einem min byz einräumen, so muß doch jeder ehrliche Jude dagegen protestiren, wenn, wie wir das jüngst mit eigenen Augen gesehen haben, der bin als fung irt mit Hausschuhen und mit einer Mütze auf dem Kopfe. Erscheinen denn diese auch nur vor dem Bürgermeister des Dorfes in dieser Toilette, und hier im Gotteshause, wo sie zu jederzeit daran denken sollen: noiy nn« *o \jb^> jn beanstanden sie solche nicht??nxn D*iD“l Ö3YD nsi Bp3 *D Möchten diese Zeilen dahin führen, daß hier Aenderung geschaffen werde; es ist höchste Zeit. Bad Nauheim. Die isr. Kinderheilanstalt dahier ist bereits in ihre 3. Kurperiode etnqetreten und beherbergt zur Zeit 14 skrophulöse Mädchen, die alle unentgeltlich behandelt werden und aus verschiedenen Städten Deutschlands hier Zusammenkommen. Als dirigender Arzt fungirt Herr vr. med. &d)ott dahier. Aus Baden. Wir haben hier ein liebes Zeitungsblättchen, betitelt: „Badische Landpost." Man weiß nicht, welches Blatt schlimmer in Antisemitismus macht, dieses oder die Kreuzzeitung. Die geringste Gelegenheit wird benutzt, um den Juden eins anzuhängeu, ob mit Recht oder Unrecht, das ist den frommen Herren in Karlsruhe einerlei, handelt es sich ja nur um einen Juden. So geberdet sich diese Zeitung und alle ihrer Gleichen in den