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Der Israelit · 1893-08-31 · Heft 70 (31.8.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 70 (31.8.1893)
Date
1893-08-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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gen und Gemüthserregungen werden ebenso oft als Ursache für Diabetes wie für Nervenkrankheiten angeschuldigt. Wie weit hier der Nerveneinflutz maßgebend ist, pflegt Prof. Leube in Würzburg seinen Hörern an einem drastischen Beispiel klar zu machen. Er erzählte unter großem Beifall seines Auditoriums von einem zuckerkranken Banquier, den er einst in Behandlung hatte. Dieser erfreute sich des besten Wohlseins nur bei gutem Kursstände; fielen Kurse, so trat Zuckergehalt ein. Wie also eine hysterische Dame bei einer gewaltigen Gemüthserregung ihren Migränenanfall bekommt, so bekam dieser Börsemann seinen diabetischen Insult. Nervenkrankheiten selbst disponiren in hohem Grade zur Zuckerharnruhr. Betrachten wir nun von diesem Gesichtspunkte aus die Häufigkeit der in Frage kommenden Krankheit bei unseren Stammesgenossen, so wundern wir uns nicht mehr. Bekannt ist ja allenthalben und auch leicht erklärlich der unverhältntßmäßtg hohe Prozentsatz jüdischer Nerven- und Gemüthskranken, nicht nur in Frankfurt, sondern wohl in der ganzen Welt. Wenn wir nun annehmen, daß die Häufigkeit der Diabetes parallel geht mit der der Nervenkrankheiten, so werden wir auch anderswo bei Juden eine hohe Betheiligung an Diabetes-Erkrankungen wahrnehmen, sobald wir Gelegenheit haben, dies statistisch nachzuweisen. Daß dabet Frankfurt a. M. mit an hervorragender Stelle bezüglich der Diabetes-Häufigkeit marschiren würde, darf von vornherein angenommen werden. Bringt man die oben angegebenen ursächlichen Momente in Beziehung auf Frankfurter Verhältnisse, so leuchtet jedem, der die Verhältnisse auch nur oberflächlich kennt, sofort ein, daß Frankfurt, sowohl was Nerveneinfluß, als auch die Lebensweise betrifft, den richtigen Boden der Diabetes abgibt. Die Beziehung der nervösen Einwirkung anlangend, stehe ich nicht an, der Börse eine hervorragende Bedeutung für die Häufigkeit der Diabetes unter der besser situirten jüdischen Bevölkerung Frankfurts beizumessen, (daß hauptsächlich diese — Banquiers, Großkaufleute, Privatiers —, besonders häufig von der Zuckerkrankheit heimgesucht werden, hat wohl jeder aus den Zahlen Dr. Wallachs herausgelesen.) Es würde zu weit führen, hier auch die anderen Beziehungen des Nerveneinflusses auf die Juden Frankfurts bezüglich der Diabetes-Häufigkeit zu prüfen. Nur bezüglich der Lebensweise noch einige Worte. Wir haben gesehen, daß „reichliche Ernährung" besonders zu Diabete8 disponirt. Ohne darauf näher einzugehen, will ich es dem Ermessen der Leser anheimstellen, darüber zu urtheilen, wie die Juden Frankfurts sich in dieser Hinsicht verhalten. Sicher ist nur soviel, daß, wenn ungünstige nervöse Einflüsse und Fehler in der Ernährung und Lebensweise Zusammentreffen, die Möglichkeit, daß diese Diabetes sich bet einem Individuum entwickle, eine doppelt so große ist. Dr. m6ä. Wilhelm Hanauer. Berlin, 27. August. Mit aufrichtiger Freude muß es einen jeden wahrhaften Israeliten erfüllen, so er Gelegenheit hat, es wahrzunehmen, daß unser unverfälschtes Judenthum trotz seiner so zahlreichen äußeren wie inneren Gegner immer fester Wurzel schlägt, immer mehr gedeihet und erstarket. Erst neulich berichteten die Spalten Ihres werthen Blattes von der Einweihung der Bethfionsynagoge, und auch heute kann ich Ihnen von einer gleichen Feier Mitthetlung machen. Von kleinen Anfängen ausgehend, gelang es der Lippmann-Tauß-Gemeinde hterselbst durch unermüdliche, rastlose Thätigkeit zu einer größeren Gemeinde anzuwachsen, so daß die alten Synagogenräume sich nur bald als zu klein erwiesen. Heute ist denn die neue, weit vergröberte und verschönerte Synagoge eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben worden. Eine stattliche zahlreiche Versammlung legte deutlich davon Zeugniß ab, welcher Sympathie sich genannte Gemeinde erfreut, die streng an dem Altüberkommenen haltend, allen Neuerungen feindlich entgegensteht. Anmuthig und erhebend gestaltete sich die Feier, die sicherlich in den Herzen aller Anwesenden ihren nachhaltigen Eindruck nicht verfehlen wird. Nach Abstngung des no, sowie einiger Psalmen durch die Kantoren Herren Götz und Landau hielt der Vorsitzende Herr Reinhart, nachdem zuvor die Thorarollen in die hl. Lade gebracht worden waren, eine innige und warme Ansprache, in der er unter Zugrundlegung eines allegorischen Bildes den Gegensatz schilderte zwischen der Lippmann-Tauß-Synagoge und allen anderen Synagogen, in denen an den Gebeten nach Willkür herumgenörgelt wird und alles Altehrwürdige dem Neuen weichen muß. Nachdem Herr R. unter gediegenen Worten, Herrn Lipschütz, dem Rabbiner der Gemeinde, den Schlüssel zur Gesetzeslade übergeben, folgten unter den üblichen Gesängen die Umzüge mit den Gesetzesrollen um den Almemor, sowie das Anzünden des Ner- Tomid und ein Etnweihungsgebet durch Herrn Rabb. Dr. Lipschütz n. Den Glanzpunkt der gesammten Feier bildete die Festpredigt. Nach Verrichtung des Minchagebetes, bestieg Herr Rabb. Dr. Lipschütz '"j die Kanzel, um in gediegenen und beredten Worten die Bedeutung des Gotteshauses klarzulegen. Raum und Zeit, so führte der Redner unter anderem aus, seien dem Menschen beschränkt, liegen nicht in seiner Machtvollkommenheit, das Gotteshaus ist aber darüber weit erhaben:

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